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    Bad Kissingen

    Erörterungstermin Bad Kissingen: Viel Protest, aber wenig Neues

    Seit Jahren demonstrieren die Menschen aus dem Landkreis Bad Kissingen gegen die Südlink-Leitung. Foto: Nicolas Armer/dpa, gemalt von Ben
    Seit Jahren demonstrieren die Menschen aus dem Landkreis Bad Kissingen gegen die Südlink-Leitung. Foto: Nicolas Armer/dpa, gemalt von Ben

    Als "sachlich und konstruktiv" fasst die Bundesnetzagentur den Erörterungstermin zur Bundesfachplanung der Gleichstromtrasse " Südlink " zusammen. Etwa 100 Teilnehmer am ersten und 50 am zweiten Tag hätten Einwände vorgebracht. Die Bundesnetzagentur war mit rund zehn, die Vorhabenträger Tennet und TransnetBW mit etwa 30 Personen vor Ort. "Wir konnten ein detaillierteres und tiefer gehendes Verständnis der Sachlage gewinnen", sagt Tobias Landwehr von der Bundesnetzagentur , und: "Nun sondieren wir weiterhin alle vorliegenden Informationen, um Anfang des nächsten Jahres eine Entscheidung zur Bundesfachplanung zu treffen." Sprich: Dann wird der Korridor festgelegt.

    "Zu viel Wischiwaschi"

    "Es gab für mich nichts Neues", sagt der Mottener CSU-Bürgermeister Jochen Vogel . Er war in der vergangenen Woche bereits beim Termin in Fulda. Für Motten habe er auf sensible Gebiete hingewiesen. Viele in Bad Kissingen angesprochenen Formalitäten erachtet er als nebensächlich: "Das hätte man auch direkt mit der Bundesnetzagentur besprechen können." Dass die Bergrheinfelder aufgestanden und gegangen sind, kann Vogel nachvollziehen: "Denen war das zu viel Wischiwaschi."

    "Das sind Pseudo-Beteiligungsverfahren", kritisiert auch Edo Günther , Vorsitzender der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Schweinfurt, und: "Es geht nicht mehr ums Ob, sondern nur noch ums Wie." Bereits viele hundert Stunden habe er sich ehrenamtlich mit Südlink beschäftigt, deshalb brach er auch den Erörterungstermin vorzeitig ab. Für Edo Günther steht seit langem fest: "Selbst wenn wir die Leitung nicht für die Energiewende in Deutschland brauchen, wird sie für das europäische Netz gebaut." Außerdem hält er den aktuellen Bedarfsplan für veraltet, weil der beschlossene Kohleausstieg noch nicht berücksichtigt ist.

    Elke Müller aus Zeitlofs ist überrascht, dass die Gegenwehr sowohl gegen Südlink , als auch gegen die P 43 so gering ist: "Die Bürger haben noch nicht verstanden, was sie die Eskapaden der Politik kosten." Aus ihrer Sicht müssten bei einer so großen Leitung auch Vorkehrungen für Terror-Angriffe entlang der Trasse geplant werden.

    "Keine großen neuen Erkenntnisse" hat auch Landrat Thomas Bold ( CSU ) von seinem Besuch des Erörterungstermins mitgenommen. Als neuen Aspekt habe er den Flächenverbrauch angesprochen, der in Bayern begrenzt werden soll. Gerade wenn der Kreis mit zwei überörtlichen Leitungen belastet werde, dürfe der Flächenverbrauch dafür nicht der Region angerechnet werden. "Das würde sonst weitere Entwicklungen verhindern", sagt Bold. Außerdem kritisiert er, dass die Rhön für eine Erdkabel-Trasse zwar ausgeschlossen wurde, jetzt aber eine Freileitung drohe.

    "Schein-Beteiligung"

    Auch wenn die Grünen grundsätzlich für neue Leitungen sind, hat sich Bundestagsabgeordnete Manuela Rottmann wegen der "kumulativen Belastung" der Region ans Bundeswirtschaftsministerium gewandt. Von dort wurde allerdings auf den Kompromiss mit Bayern verwiesen. Deshalb brandmarkt Rottmann die laufende Unterschriftenaktion gegen die P 43 als "Schein-Beteiligung": "Bei der Bevölkerung wird der Eindruck erweckt, die Entscheidung sei noch offen, während es die CSU auf Landesebene mitentschieden hat."

    Ralf Ruppert

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