• aktualisiert:

    Bad Brückenau

    Flickwerk eines Wahnsinnigen?

    Mit einem innovativen Ansatz glänzt das Noris Quartett im Hochschulpodium am Samstag, 29. Februar, 20 Uhr, im Kuppelsaal des Dorint Resort & Spa Bad Brückenau.
    Die Mitglieder des jungen Streichquartetts, Renato Wiedemann (1. Violine), Laura Ion (2. Violine), Michael Falter (Viola) und Martin Matos Mendoza (Violoncello), spielen in  Bad Brückenau.Foto: Jakub Bak
    Die Mitglieder des jungen Streichquartetts, Renato Wiedemann (1. Violine), Laura Ion (2. Violine), Michael Falter (Viola) und Martin Matos Mendoza (Violoncello), spielen in Bad Brückenau.Foto: Jakub Bak

    Ludwig van Beethoven genießt den Ruf eines radikalen Künstlers, der sich und die Kunst immer wieder neu zu erfinden wusste. Er erweiterte die Grenzen der Musik wie kein anderer Komponist vor ihm und stellte damit auch die Gesellschaft in Frage. Diese revolutionäre Facette hebt in seinem innovativen Debütprojekt "Flickwerk eines Wahnsinnigen" das Noris Quartett im nächsten Hochschulpodium hervor. Dieses findet am Samstag, 29. Februar, 20 Uhr, im Kuppelsaal des Dorint Resort & Spa Bad Brückenau statt. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

    Die Mitglieder des jungen Streichquartetts heißen Renato Wiedemann (1. Violine), Laura Ion (2. Violine), Michael Falter (Viola) und Martin Matos Mendoza (Violoncello). Sie studieren an der Hochschule für Musik Nürnberg .

    Im Fokus des Programms steht das Streichquartett e-Moll op. 59/2 - das mittlere der drei Rasumowsky-Streichquartette, die einige Zeitgenossen Beethovens als "Flickwerk eines Wahnsinnigen" bezeichneten. Benannt wurden sie nach ihrem Auftraggeber, dem russischen Diplomaten Andrej Rasumowsky. "Die drei neuen langen und schwierigen Beethovenschen Violinquartette zogen die Aufmerksamkeit aller Kenner auf sich. Sie sind tief gedacht und trefflich gearbeitet, aber nicht allgemein fasslich", hieß es am 27. Februar 1807 in der Allgemeinen Musikalischen Zeitung über ein Konzert im Palais des Grafen Rasumowsky. Andere formulierten ihr Unverständnis krasser und offener. Der Cellist Bernhard Romberg trat sein Notenblatt mit Füßen, andere sprachen von "verrückter Musik", und der selbst so eng mit Beethoven arbeitende Geiger Ignaz Schuppanzigh hielt diese Musik anfangs für einen schlechten Scherz.

    Glanzstücke musikalischer Innovation und Komplexität

    Heute gelten die Rasumowsky-Quartette als Glanzstücke musikalischer Innovation und Komplexität. Sie besitzen einen neuen und komplexeren Klang, die Sätze sind sehr individuell gestaltet. Beethoven probiert hier ständig etwas Neues aus und nimmt keine Rücksicht auf die Zuhörer, die bis dahin starre Formen und konventionelle Klangfloskeln bei Streichquartetten gewöhnt waren.

    In der Darbietung des Noris Quartetts ergibt sich daraus ein in sich stimmiger Diskurs, der viel Raum dafür lässt, rhythmische Pointen auszukosten und die wenigen kantablen Wendungen kurz anklingen und dann ebenso schnell wieder vergehen zu lassen. Nach jedem der vier Quartettsätze folgt eine kurze, von den Mitgliedern des Noris Quartetts komponierte Reflexion, die sich thematisch an dem jeweiligen originalen Satz orientiert. Mit diesem Konzept schaffen es die jungen Künstler sehr überzeugend, einen Bogen zwischen "alt" und "neu" zu spannen.

    Bezüge zu aktuellen politischen und sozialen Themen

    Eine weitere Ebene im Programm bildet die Moderation. Das "Flickwerk" aus Beethovens 8. Quartett und den selbst komponierten Stücken wird durch Texte zu vier ganz unterschiedlichen Bereichen aus der Zeit um 1800 erweitert: Politik, Technik, Kunst sowie Zeugnisse von Beethoven selbst. Das Ensemble stellt somit Bezüge zu aktuellen politischen und sozialen Themen her und baut eine schöne Brücke zum Publikum im Beethoven-Jahr 2020.

    Redaktion

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!