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    Münnerstadt

    Friedrich Rückert Dichter, Sprachgelehrter, Übersetzer und Mitbegründer der deutschen Orientalistik

    Die Friedrich-Rückert-Straße auf dem Schindberg im Münnerstadt ist nach dem  Dichter und Sprachgelehrten benannt. Foto: Dieter Britz
    Die Friedrich-Rückert-Straße auf dem Schindberg im Münnerstadt ist nach dem Dichter und Sprachgelehrten benannt. Foto: Dieter Britz

    Die Friedrich-Rückert-Straße auf dem Schindberg ist einschließlich einer Abzweigung 275 Meter lang. Auch in zahlreichen anderen Städten, unter anderem in Berlin, Bremen, Bayreuth, Düsseldorf, Köln, München, Stuttgart und Wien sind Straßen nach ihm benannt. In Berlin-Schöneberg, Ebern und Düsseldorf tragen Gymnasien seinen Namen. Denkmäler unter anderem in Coburg und in Schweinfurt erinnern an den Dichter, Sprachgelehrten, Übersetzer und Mitbegründer der deutschen Orientalistik , Friedrich Johann Michael Rückert. Er galt als Sprachgenie, denn er beschäftigte sich mit mehr als 40 Sprachen.

    "Agnes" und "Amaryllis"

    Geboren wurde Rückert am 16. Mai 1788 in Schweinfurt als Sohn eines Rentbeamten (Verwaltungsbeamten), der vier Jahre später nach Oberlauringen, heute einem Ortsteil von Stadtlauringen, versetzt wurde. Nach dem Besuch der Lateinschule in Schweinfurt studierte er ab 1805 Jura und Philologie in Würzburg und in Heidelberg und habilitierte sich. Die Familie zog 1809 nach Ebern, wo Rückert im kommenden Jahrzehnt häufig zu Besuch war. Hier verliebte er sich in Agnes Müller, die Tochter eines in der Nähe wohnenden Justizamtmannes. Als diese plötzlich starb, widmete er ihr den Sonettenkranz "Agnes". Kurz darauf verliebte er sich in die Wirtstochter Maria Elisabeth Geuß. Sie erwiderte seine Liebe nicht, daraus entstand trotzdem der Zyklus "Amaryllis".

    1810 wurde er in Hildburghausen in die Freimaurerloge Karl zum Rautenkranz aufgenommen. 1811 wurde er Dozent in Jena und kurze Zeit Gymnasiallehrer. Danach ließ er sich als Privatgelehrter in Würzburg nieder und wechselte in den folgenden Jahren er seinen Wohnsitz häufig zwischen Würzburg, Hildburghausen und dem Elternhaus in Ebern. Populär wurde Rückert zunächst mit seinen "Geharnischten Sonetten", die er unter dem Pseudonym Freimund Raimar gegen die napoleonische Besatzung schrieb. 1815 übernahm er in Stuttgart die Redaktion des poetischen Teils des Cotta'schen Morgenblatts für gebildete Stände.

    Zehn Kinder

    Im Herbst 1817 reiste Rückert nach Italien, wo er Kontakt mit deutschen Künstlern pflegte, die sich in Rom aufhielten. Seit dem Italienaufenthalt war Rückert mit dem Zeichner und Kupferstecher Carl Barth befreundet. Die Redensart "Mein lieber Freund und Kupferstecher" ist ein Rückert-Zitat. Im Oktober 1818 lernte er bei einem Aufenthalt in Wien Persisch. Bis 1826 lebte er danach vor allem in Ebern und Coburg und beschäftigte sich unter anderem mit einer Übersetzung des Koran sowie der Herausgabe seines ersten großen Gedichtbandes "Oestliche Rosen", einer Antwort auf Goethes Westöstlichem Divan. 1821 heiratete er Luise Wiethaus-Fischer. Das Paar hatte zehn Kinder.

    Rückert folgte 1826 einem Ruf als Professor der orientalischen Sprachen und Literaturen an die Universität Erlangen und 1841 nach Berlin. Da er sich dort nicht heimisch müde, entließ ihn König Wilhelm IV. von Preußen wieder und gewährte ihm für den Rest seines Lebens die Hälfte seines bisherigen Gehaltes. Ab 1848 lebte er ganz auf seinem Gut in Neuses bei Coburg. Ab 1846 entstand das von ihm so genannte Liedertagebuch, mehrere 1000 Gedichte mit zumeist autobiographischem Hintergrund. Davon veröffentlichte Rückert nur wenig. Namhafte Komponisten wie Gustav Mahler , Franz Schubert , Robert Schumann , Clara Schumann , Johannes Brahms vertonten seine Gedichte .

    Ehrenbürger und Ordensträger

    Schon zu Lebzeiten wurde er vielfach geehrt. Unter anderem ist er Ehrenbürger von Coburg und Schweinfurt sowie Träger des Ordens Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste. Rückert starb am 31. Januar 1866 in Neuses. Er ist auf dem Friedhof des Ortes gleich neben der Dorfkirche begraben.

    Dieter Britz

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