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    Hammelburg

    Frobenius-Gymnasiasten lernen fürs digitale Leben

    Chris Wojzechowski zeigt einfache Hacks. Foto: Arkadius Guzy
    Chris Wojzechowski zeigt einfache Hacks. Foto: Arkadius Guzy
    Er war weltweit viel in Hotels unterwegs, ist Professor und Spezialist auf dem Gebiet der Lasertechnik. Das alles verrät sein Handy von sich aus. Chris Wojzechowski muss nur die Liste mit den Name der besuchten W-Lan-Zugangspunkte anzapfen. So kommt er an den Namen des Professors und über eine kurze Internet-Recherche an Kontaktdaten und biografische Angaben.

    Wojzechowski könnte die Daten nun nutzen, um eine individuell zugeschnittene Phishing-Mail zu starten. Er könnte es, wenn er böse Absichten hätte. Hat er aber nicht.

    Wojzechowski ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Internet-Sicherheit der Westfälischen Hochschule. In einem Live-Hacking-Vortrag will er Schüler des Frobenius-Gymnasiums dafür sensibilisieren, mit ihren Daten im Internet vorsichtig umzugehen. Wojzechowski ist nicht allein am Gymnasium. Verteilt auf drei Tage, bereiten sechs weitere Referenten die Zehnt- und Achtklässler auf die digitale Welt vor. "Wir wollen die Schüler inspirieren, bevor sie auf Berufssuche gehen", sagt Simone Stein-Lücke. Dabei geht es nicht allein um Internetsicherheit und Internetknigge.

    Die Schüler sollen vielmehr lernen, kreativ mit ihren Geräten umzugehen und das Internet auch als Teil der Wirtschaft zu begreifen. Stein-Lücke erklärt: "Sie sollen verstehen, wie Wirtschaft im Netz abläuft. Sie sollen wissen, warum der You-Tube-Star die Cola-Flasche in die Kamera hält." Daher gehört zum Beispiel auch ein You-Tuber zu den Referenten.

    Stein-Lücke ist Gründerin von BG3000. Das Unternehmen organisiert solche "Smart Camps" für Schulen. Es ist zum ersten Mal im Landkreis Bad Kissingen zu Gast. Das Frobenius-Gymnasium hat mit den "Netzgängern" seit einigen Jahren ein eigenes Projekt, bei dem ältere Schüler jüngeren Mitschülern Grundlagen über Privatsphäre im Internet beibringen. "Eine solche geballte Kompetenz haben wir aber natürlich nicht alle Tage bei uns", meint Schulleiter Helmut Schreiner.

    Im Zuge der geplanten Sanierung mache sich die Schule Gedanken, wie sich der Unterricht der Zukunft abspielen werde. "Brauchen wir zum Beispiel noch Kreidetafeln?" Und in der Mittelstufe plus im kommenden Jahr kann sich stellvertretender Schulleiter Marco Korn gerade im Bereich Informatik mehr Vertiefung vorstellen. Zum Beispiel wäre für ihn die Beschäftigung mit Serious Games denkbar.

    Die Bundestagsabgeordnete und parlamentarische Staatssekretärin Dorothee Bär (CSU) hat das Gymnasium auf das Angebot von BG3000 aufmerksam gemacht. "Die Jugendlichen wissen manchmal weniger, als sie meinen zu wissen", sagt sie. Digitale Bildung sieht sie als wichtig an: "Programmiersprachen sind auch Sprachen."

    BG3000 kooperiert je nach Standort mit unterschiedlichen Unterstützern. Für Bayern zählt die Hanns-Seidel-Stiftung dazu. "Politische Bildung ist ohne Medienkompetenz nicht denkbar", sagt Karl Heinz Keil von der Stiftung. Torsten Küpper spricht von "digitaler Souveränität". Dem Mitglied der Geschäftsleitung von Huawei Deutschland geht es auch darum, mehr Schüler und insbesondere Schülerinnen für die naturwissenschaftlich-technischen Fächer zu begeistern. Da die Halbwertszeit des digitalen Wissens sehr kurz ist, könne man bei der Bildung in dem Bereich nicht nur auf Lehrer setzen, begründet Stein-Lücke ihre Idee.

    Arkadius Guzy

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