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    Bad Kissingen

    Frohlocken mit der Harfe

    "Lebenslänglich Frohlocken" hieß das musikalisch-literarische Programm von Silke Aichhorn. Sie stellte sich als Managerin, Packesel, Reiseleiterin, Chauffeuse, Mutter und Harfenistin vor.
    Silke Aichhorn beantwortete in der Pause auch Fragen zu ihrem 40 Kilogramm schweren Musikinstrument
    Silke Aichhorn beantwortete in der Pause auch Fragen zu ihrem 40 Kilogramm schweren Musikinstrument

    Eine humorvolle Paarung aus virtuoser Harfenmusik und amüsanten Anekdoten aus dem Leben einer Harfenistin präsentierte Silke Aichhorn im Bad Kissinger Rossini-Saal, wobei der Abend einen Mehrwert für Wissbegierige hatte: Mit Geduld beantwortete sie in der Pause alle Fragen der Gäste zu ihrem 40 Kilogramm schweren und wertvollen Instrument.

    "Lebenslänglich Frohlocken" heißt ihr musikalisch-literarisches Solo-Programm, mit dem die bekannte und weltweit gebuchte Harfenistin ihre klassischen Konzertauftritte und vielfältigen musikalischen Engagements erweitert. Mit ihrem Programmtitel spielt die aus Traunstein stammende Oberbayerin auf den "Engel Aloisius" an, der nach himmlischer Anordnung auf einer Wolke sitzt, eine Harfe zupft und frohlocken sowie "Hosianna" singen muss. Diese schelmenhafte Herzlichkeit von Ludwig Thomas Satire übernimmt die hochgewachsene und im farbigen Abendkleid auftretende Künstlerin für ihren zweistündigen Auftritt, dessen musikalischer Mittelpunkt auf der Bühne des Rossini-Saals nicht zu übersehen ist. Daneben steht ein weiterer Stuhl, auf dem sie Platz nimmt für die Erweiterung des musikalischen Teils des Abends, der als Lesung aus ihrem 2019 erschienenen Buch "Lebenslänglich Frohlocken - Skurriles aus dem Alltag einer Harfenistin" gestaltet ist.

    Nach kurzer musikalischer Begrüßung mit "Ball auf dem Lande" ("Un bal à la campagne"), einem beschwingt-rhythmischen "Country Dance" von Bernard Andrès, stellte sich die Künstlerin als Komplettpaket mit "Managerin, Packesel, Reiseleiterin, Chauffeuse, Mutter und Harfenistin" vor. Dem Publikum erläuterte sie ihr "kraftvolles Instrument", das sieben Pedale, 47 mehrfarbigen Saiten und über tausend beweglichen Einzelteile hat, das mit "acht Fingern" gespielt wird und in der Anschaffung "925 Euro je Kilogramm" kostet. Und gespielt wird es nicht nur bei klassischen Konzerten als Solo-Instrument, sondern auch im Rahmen von Kammerkonzerten und vielen sonstigen Veranstaltungen, wozu auch Hochzeiten und Beerdigung gehörten. Charmant leitete sie vom Bekenntnis - "Ich spiele lieber auf Beerdigungen, da geht die Liedauswahl schneller. Bei Hochzeiten dauert es oft über ein Jahr" - zur ersten Geschichte über, worin sie süffisant vom "Andachtsjodler" und überdrehter Bräutigammutter erzählte, der sie vom "Dritten Mann" für den Abschluss der Zeremonie abgeraten hatte. In weiteren Anekdoten ging es um ein "rechtsrheinisches Abenteuer", wo sie einem auf freier Strecke stehenden Zug entstieg, um mit Hilfe eines Taxis einen Konzerttermin einhalten zu können, oder um ihren Auftritt beim Neujahrsempfang des bayerischen Ministerpräsidenten, der Grundlage für ein Engagement im Vatikan bei Papst Benedikt XVI . wurde.

    Einerseits die humorvolle, stilsichere Erzählerin autobiographischer Erlebnisse, andererseits die virtuose Künstlerin auf der großen Konzertharfe und sachkundige Kennerin einschlägiger Musikliteratur, die sie überwiegend dem angelsächsischen Bereich zuordnete, "weil dort die Harfe eine höhere Wertschätzung als in Deutschland hat". So verwunderte es nicht, dass sie mit bekannten irisch-britischen Volksliedern wie "Last rose of summer", "Inis Oirr" oder dem beschwingten "Harping on a harp" bei den 160 Gästen ebenso punkten konnte wie mit bekannten deutschen Melodien. Der träumerische Kanon von Johann Pachelbel , bekannt von Hochzeiten ebenso wie von Beerdigungen, das spielerische Stück "Alla Turca Jazz" von W. A. Mozart, das von Fazil Say modernisiert wurde, oder das klassische "Air" von Bach, ebenfalls ein Werk, das jeder Feier einen würdigen Rahmen gibt. Silke Aichhorn entführte das begeisterte Publikum mit dem elegisch-anspruchsvollen Werk "Impromptu caprice op.9" von Gabriel Pierné in himmlische Klangwelten, mit Bedrich Smetanas Stück "Die Moldau" entlockte sie fingerfertig und facettenreich den Flussverlauf von der Quelle über die Stromschnellen bis in die goldene Stadt Prag den Saiten ihres beeindruckten Instruments.

    Klaus Werner

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