• aktualisiert:

    Trimberg

    Der etwas andere Burgherr

    Herzblut fließt, wenn Altbürgermeister Otmar Pfister interessierte Besucher durch die Trimburgruine führt. Seine sachkundigen Führungen sind beliebt. Da dürfen die Zuhörer in ferne Zeiten des frühen 13. Jahrhundert abtauchen, als Süßkind von Trimberg dort seine Minnegesänge ertönen ließ.

    Wie viele solcher Führungen Pfister in den vergangenen fast vier Jahrzehnten leistete, weiß er nicht mehr. Es seien etliche Führungen im Jahr. "Angefangen habe ich damit im Jahr 1981", erinnert er sich. Da habe es allerdings noch wenig Publikum gegeben. "Ich saß damals auf einem Getränkekasten und las die geschichtlichen Daten vor", sagt Pfister. Das äußere Erscheinungsbild der Trimburgruine sei vor vier Jahrzehnten dasselbe wie heute gewesen. Aber inzwischen habe es sehr viele Veränderungen im Innern dieser Burg gegeben. Auch seine Vorträge hätten sich im Laufe der Jahre erheblich verändert. Pfister: "Heute gehe ich mehr auf die Zusammenhänge und aktuellen Erkenntnisse ein, weniger auf den Wust von exakten Jahreszahlen".

    Die Sagen rund um das Saaletal lassen Pfisters Zuhörer aufhorchen. Besonders der Flussabschnitt zwischen Bad Kissingen und dem Sodenberg sei in diesem Zusammenhang interessant, weist Pfister auch auf die wetteifernden Bischöfe aus Würzburg und Fulda hin. Außenstehende sollen den Zugang zur Historie der Region erhalten, wünscht er sich. Die Resonanzen vieler Besucher hätten ihm mit Lob und Anerkennung die Bestätigung gegeben, dass er damit auf dem richtigen Weg sei. Pfister: "Diese mündliche Bestätigung ist die beste Werbung für unsere Region, die man sich denken kann".

    Baulich sei im Laufe der Jahre viel in der Ruine passiert, bestätigt Pfister. Freilich brauche man stets das Einvernehmen der Denkmalschutzbehörde. So zum Beispiel für das durchsichtige Dach. Zurzeit bemühe sich der Freundeskreis der Trimburg um eine Lösung für die offenen Fenster, durch die es bei Sturm stark hinein regne. Allerdings hätten die ersten Versuche mit Glasscheiben keine Erfolge gebracht. Pfister: "Die sind uns um die Ohren geflogen. Schwere Vorhänge könnten eine alternative Abhilfe sein".

    Diese speziellen Vorhänge könnten von den Freunden der Trimburg leider nicht selbst gefertigt werden. Da brauche man schon eine Fachfirma, so Pfister. Außerdem seien die Vorgaben der Denkmalpflege zu berücksichtigen. Ohne grünes Licht von dieser Seite gebe es auch keine finanziellen Zuschüsse.

    Die Trimburgruine ist ein Stück Geschichte zum Anfassen. Gerade weil es für die Besucher erlebbar bei solchen Führungen wird, wie der Zahn der Zeit über die Jahrhunderte hinweg seine Spuren hinterließ, reichen die Reaktionen von Faszination bis hin zur eigenen Fantasie. Da darf man ruhig für einige Momente lang in die Rolle eines Ritters oder Burgfräuleins schlüpfen und dabei die Alltagssorgen vergessen. Pfister zitiert eine Aussage der Denkmalpflege: "Es muss den nachfolgenden Generationen gestattet werden, nachzuvollziehen, wie ein Bauwerk zerfällt". Bei rund 40 000 solch historischer Objekte in Bayern könne nicht jedes erhalten werden, aber die Trimburg schon. Ein Nachfolger für die Burgführungen sei noch nicht in Sicht. "Da muss ich halt noch weitermachen", sagt Pfister.

     

     

     

    Gerd Schaar

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)


      Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de?
      Dann jetzt gleich hier registrieren.