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    Langendorf

    Grazie, Tanz und perfekte Körperbeherrschung

    Auftritt der Absolventen der Staatlichen Artistenschule Berlin  in Circus Luna in Langendorf: Lisa Georgius Werkzeug war die rote Tuchschleife.  Peter Klopf
    Auftritt der Absolventen der Staatlichen Artistenschule Berlin in Circus Luna in Langendorf: Lisa Georgius Werkzeug war die rote Tuchschleife. Peter Klopf
    Das haben sich die zehn jungen Artisten eigentlich anders vorgestellt: Plötzlich tauchen Tiere auf, mitten auf der Bühne ihrer Artistik-Show! Was wollen die hier? Sind es etwa entlaufene Zirkustiere? Zuerst nur hier und da, vereinzelt und scheu, sind sie später immer frecher und selbstbewusster, diese Viecher, die offenbar von überall her kommen: Ein Zebra, ein Nilpferd, eine Ente...

    Seit über 60 Jahren werden an der Staatlichen Artistenschule Berlin talentierte junge Menschen zu professionellen Artisten ausgebildet. Seit 2004 beenden die Absolventen ihre Ausbildung mit einer feierlichen Gala. Darauf aufbauend ging erstmals der Jahrgang 2005 auf eine bundesweite Tournee. Frisch auf dem Markt und voller Spielfreude präsentieren sich die jungen Artisten seither dem Publikum und den Veranstaltern auf den unterschiedlichsten Bühnen. Neben den etablierten Varietéhäusern in Berlin, Hamburg, München, Bremen, Stuttgart, Bonn, Essen, München, Bad Oeynhausen und Halle ist der Circus-Luna-Hof in Langendorf wohl der ländlichste und damit der Exot unter den Gastspielorten.

    Circus-Luna-Hof war von Anfang an dabei. So auch jetzt, als die Abschlussklasse der Staatlichen Artistenschule Berlin mit einer Show unter dem Motto Zoophobia das Publikum im Langendorfer Zirkuszelt von den Bänken riss. Mit einer Performance aus Tanz und einzigartiger Artistik, gepaart mit jugendlichem Charme und Esprit, bezauberten sieben junge Frauen und drei Männer von Anfang an. Zwischen jeder artistischen Aktion traten die Künstler als verkleidete Tiere auf, um mit Witz und Klamauk auf die Darbietung eines nachfolgenden Artisten überzuleiten.


    Wie ein fliegender Wirbelwind auf dem Doppelschwungseil (Cloudswing) präsentierte sich Paulin Raatz, als hätte die Schwerkraft keine Bedeutung. Ihre Lust an der Beweglichkeit führte Marla Pistor zum Luftring. Schwerkraft, Balance, Dynamik, scheinen eine Leidenschaft von ihr zu sein. Leichtigkeit, Schwerelosigkeit und Eleganz, gepaart mit tänzerischen Elementen auf dem "Cyr Weehl", einem dem Rhönrad ähnelnden Stahlring, wurde in atemberaubender Schnelligkeit von Leonie Körner dargeboten. Dennis Demmin war der Meister des Handstandes. Schelmisch, teils tölpelhaft, verspielt lieferte er eine sehr anspruchsvolle Show ab, die von totaler Körperbeherrschung glänzte. Schwungvoll, teils beängstigend, die Darbietung von Niklas Bothe am Vertikalseil oder mit dem Hula Hoops. Wie ein Kletteräffchen benutzte er das Seil atemberaubend.

    Mit gigantischen Kunststücken und totaler Körperbeherrschung und bezaubernder Gelenkigkeit präsentierte sich Sophia Drgala am Mast. Im Wechsel von Kraft und Spannung bis hin zu weichen und eleganten Bewegungen zeigte sie ihre Vielseitigkeit am Mast. Lisa Georgius Werkzeug war die rote Tuchschleife. Mit einer dynamischen Darbietung und überraschenden Figuren in den Schlingen ließ sie den Zuschauern den Atem stocken. Ein weiterer Meister des "Cyr Weehls" war Toke Reimann. Das Rad war für ihn ein geradezu tänzerisches Requisit, mit dem er eine Symbiose bildete. Nur mit dem Nacken am Tanztrapez hängend drehte sich Andrea Matousek durch das Rund der Zirkusmanege. Schnelligkeit, Akkurates, Eleganz und schwebende Leichtigkeit bezauberten bei ihr.

    Wegen einer Verletzung konnte Luna Schamal keine Artistik zeigen, dafür wirkte sie beeindruckend als Frosch bei den Zwischenspielen mit. Den jungen Künstlern gelang etwas, was sehr wichtig für sie ist: Sie schafften es, ihr Publikum zu begeistern und mitzureißen. Zoophobia verband elegante und kraftvolle Artistik mit absurden Bildern und komischen Choreografien. Nicht nur mit ihrer Akrobatik, sondern auch mit ihren tänzerischen Einlagen war ihre Show - "erste Sahne!" - und der erste Schritt ins spätere Berufsleben auf einer der Varietébühnen oder Zirkuszelten.


    Einzigartige Darbietungen

    "Die Tournee und Auftritte in bekannten Varietéhäuser sollen den jungen Artisten helfen, Kontakte zu knüpfen, um ein Engagement zu erhalten. Agenturen können dabei erkennen, wie die Akrobatin oder der Akrobat einsetzbar ist", erläuterte Peter Bethäuser, der Chef von Circus Luna. "Wenn man die Schulklassen der letzten Jahre betrachtet, die mit einem internationalen Choreografen ihre Show erarbeiten, dann erkennt man, dass ihre Darbietungen schon etwas Einzigartiges sind." Der Kontakt zu der Staatlichen Artistenschule Berlin entstand durch eine junge Dame, die bei Circus Luna zur Jugendleiterin ausgebildet wurde und sich dort weiterentwickelte. Nur sechs junge Menschen werden pro Jahr an der Schule aufgenommen. Daher ist die Auslese der jungen Artisten sehr elitär.

    Peter Klopf

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