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    Bad Kissingen

    Great Spas of Europe: Mit Architektur zur Weltkultur

    Im 19. Jahrhundert entstanden in Bad Kissingen neue Villenviertel, hier der Blick auf die Menzelstraße. Quelle: Sammlung Bötsch, Stadtarchiv Bad Kissingen
    Im 19. Jahrhundert entstanden in Bad Kissingen neue Villenviertel, hier der Blick auf die Menzelstraße. Quelle: Sammlung Bötsch, Stadtarchiv Bad Kissingen

    Die Semperoper in Dresden, das Siegestor und das Hofbräuhaus in München. Was wie eine ziemlich willkürliche Aufzählung berühmter Gebäude wirkt, hat einen direkten Bezug zu Bad Kissingens Vergangenheit als Weltbad. Denn die drei Architekten, die diese Bauwerke entworfen haben, haben auch in Bad Kissingen ihre Spuren hinterlassen - und tragen damit auch einen Teil zur Unesco-Bewerbung der Stadt teil. "Man muss sehen, wie klein Bad Kissingen war. Und trotzdem haben hier Architekten von überallher und von internationalem Renommee gearbeitet", sagt Birgit Schmalz vom Unesco-Projektteam.

    Da wären zum Beispiel die großen zwei: Friedrich von Gärtner und Max Littmann . Die beiden Münchner Baumeister haben den Kurort an der Saale im königlichen Auftrag architektonisch auf Weltbad-Niveau gehoben. Als Friedrich von Gärtner das Siegestor in der Landeshauptstadt baute, arbeitete er in Bad Kissingen parallel an der Evangelischen Kirche, den Arkadenbau am Kurgarten hatte er da bereits fertiggestellt. Max Littmann errichtete nicht nur das weltberühmte Münchner Hofbräuhaus und reformierte den Bühnenbau, in Bad Kissingen prägte er das Kurzentrum mit Wandelhalle, Regentenbau, Kurtheater, Kurhausbad und Ludwigsbrücke.

    Wettbewerb fürs Badehaus

    Vom berühmten Gottfried Semper steht zwar kein Gebäude in der Badestadt, beruflich hatte es den Erbauer der Semperoper aber dennoch an die fränkische Saale verschlagen. Es ging um das Luitpoldbad. "Die bürgerliche Aktiengesellschaft hat nicht einfach einen Architekten bestellt, sondern schon damals einen Wettbewerb ausgerufen", erklärt Schmalz. Das war in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Weil nicht irgendein Badehaus entstehen sollte, sondern das damals größte in Europa, legten die Bauherren Wert darauf, den Wettbewerb hochkarätig zu besetzen. Was gelang: Den Vorsitz über die Jury übernahm Semper. Den Zuschlag für den Bau des Luitpoldbades erhielt Albert Geul, einem Architekten der unter anderem in München als Professor für Baukunst lehrte.

    Villen und Hotels entstehen

    Bei dem Welterbe-Antrag "der Great Spas of Europe " geht es der Bewerbergruppe unter anderem darum zu zeigen, dass die Weltbäder während ihrer Hochphase besonders innovativ und modern waren. In Bad Kissingen lässt sich das an der Architektur sehen. ,"Die Konkurrenz zwischen den Kurorten hat im 19. Jahrhundert enorm zugenommen", sagt die Historikerin. Um mithalten zu können waren die Kurhalter und Hoteliers gezwungen, entsprechend in ihre Gebäude zu investieren. Im Winterhalbjahr, wenn sich weniger Kurgäste in der Stadt aufhielten, verwandelte die sich in eine einzige Baustelle. Schmalz: "Man wollte neu sein, schön sein, vorne dabei sein und etwas bieten." Und wenn ein Kurhalter schon nicht neu bauen konnte, hat er wenigstens die Fassade erneuert, um den Gästen zu zeigen, dass sie es mit einem leistungsfähigen, topmodernen Haus zu tun hatten.

    Bad Kissingen ist damals weit über die Grenzen der Altstadt hinaus gewachsen. Da wo vorher nichts als grüne Wiese war, ragten plötzlich neue Hotels und Villen in die Höhe, Straßen wurden neu angelegt. "Die Stadt hat sich schalenförmig nach Osten und Süden erweitert. Es sind die heutigen Kurviertel entstanden", erzählt sie. Nach Süden erstreckten sich neu die Bismarck-, Prinzregenten- und Kurhausstraße, in östlicher Richtung bildete sich das Kurgebiet rund um Menzel-, Von-der-Tann- und Frühlingsstraße und, nach Westen wurden das Rosenviertel sowie der Altenberg erschlossen.

    Die florierende Kur und die damit verbundene Bautätigkeit brachte Architekten aus ganz Deutschland in die Stadt. Da gab es Baumeister wie von Gärtner und Littmann, die im staatlichen Auftrag arbeiteten. Dann gab es Architekten, die mit Spezialbauwerken betraut waren, etwa Kirchenbauten und Infrastrukturmaßnahmen. "Bahn und Post hatten da ihre eigenen Leute an der Hand", sagt Schmalz.

    Von Kaiserhof bis Synagoge

    Nicht nur Staat, Kirche und Behörden leisteten sich renommierte Architekten, auch Privatleute griffen auf namhafte Fachleute zurück. Privatier und Stiftungsgründer Karl von Hess beispielsweise beauftragte Johann Gottfried Gutensohn mit dem Bau eines Hotels am Kurgarten, dem Südteil des heutigen Kaiserhof Victoria. Auch das Boxberger- und das Ballinghaus gehen auf seine Pläne zurück. Gutensohn hat viel in Kurstädten gebaut, etwa in Bad Brückenau den Kursaal. In den Great-Spas-Mitbewerbern Bad Ems und Marienbad war er ebenfalls tätig.

    Aber auch Kissinger Architekten haben sich mit markanten Gebäuden hervorgetan. Schmalz nennt ein Beispiel: "Am bedeutendsten waren die Brüder Carl und Franz Krampf. Sie sind in der Denkmalliste mehr als 50 Mal genannt." Vor allem Carl Krampf gilt als sehr umtriebig. Er plante unter anderem die ehemalige Synagoge, das Sanatorium Dapper und den Wittelsbacher Turm.

    Zur Serie

    Elf traditionsreiche, europäische Kurorte bewerben sich als " Great Spas of Europe " darum, von der Unesco als Weltkulturerbe anerkannt zu werden. Welche Argumente führt Bad Kissingen an, welterbewürdig zu sein? Die Saale-Zeitung beleuchtet einmal im Monat die Hintergründe zur Bewerbung in einer Artikelserie. Der nächste Teil beschäftigt sich damit, wie international es zur Weltbadzeit in der Kurstadt zuging.

    Benedikt Borst

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