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    Hammelburg und Turnhout feiern Jubiläum ihrer Städtepartnerschaft

    Karl Fell, der damalige Bürgermeister von Hammelburg, und Alfons Boone, sein Amtskollege aus Turnhout unterzeichnen am 7. September 1974 die Partnerschaftsurkunde.Archiv Josef Kirchner
    Karl Fell, der damalige Bürgermeister von Hammelburg, und Alfons Boone, sein Amtskollege aus Turnhout unterzeichnen am 7. September 1974 die Partnerschaftsurkunde.Archiv Josef Kirchner

    Es ist wie in einer Ehe: Nach den ersten euphorischen Jahren ist irgendwann der Schwung weg. Man macht nicht mehr alles gemeinsam und lebt etwas nebeneinander her. So geht es auch der Städtepartnerschaft zwischen Hammelburg und Turnhout (Belgien).

    "Ich wünsche mir, dass wir die Partnerschaft beleben können", sagt Bürgermeister Armin Warmuth ( CSU ). Das sei ihm auch im Sinne des europäischen Gedankens ein Anliegen - zumal Turnhout nur knapp 90 Kilometer von Brüssel und den europäischen Institutionen entfernt liegt.

    Gelegenheit, auf die Freundschaft zwischen Hammelburg und Turnhout zumindest aufmerksam zu machen, bietet aktuell das Jubiläum der Städtepartnerschaft. Zum dreitägigen Programm sind alle eingeladen, die früher aktiv waren, erklärt Elfriede Böck vom Kulturamt der Stadt. Sie sollen sich einfach melden.

    Denn die Partnerschaft lebte von vielen Vereinskontakten. Sie war ja auf Basis von Begegnungen entstanden: In den 1960er Jahren war die Hammelburger Stadtkapelle unter Otto Zeier bei den bayerischen Landesmusikfesten in Erlangen und Memmingen auf die Kapelle VNA aus Turnhout mit ihrem Dirigenten Marc Peeters getroffen. Daraus ergaben sich gegenseitige Besuche, beim Musikfestival in Turnhout 1971 oder beim deutsch-belgischen Kapellentreffen 1972 in Hammelburg .

    Im Jahr 1974 wurde die Partnerschaft offiziell. Damit sollten die freundschaftlichen Bindungen gepflegt und vertieft werden, wie es in der Partnerschaftsurkunde heißt. Viele wirkten dabei mit. Es gab Treffen der Pfadfinder, der Jugendchöre , der Rettungsschwimmer.

    Hobbysportler nahmen an Wettbewerben und sportlichen Veranstaltungen in der jeweils anderen Stadt teil. Und kleinere Läufer- oder Radgruppen wagten sich sogar immer wieder einmal auf die rund 500 Kilometer lange Strecke von Hammelburg nach Turnhout oder umgekehrt. "Jeder Verein aus Turnhout war schon in Hammelburg ", sagt José Lenders, Vorsitzende des Partnerschaftskomitees auf belgischer Seite. Einige junge Menschen aus der belgischen Stadt machten Praktika in Hammelburg , zum Beispiel in einer Bank und der Touristinfo.

    Diese Intensität hat die Partnerschaft aber schon vor einigen Jahren verloren. Öffentlich sichtbar sind noch gegenseitige Kunstausstellungen - so war zuletzt die Hammelburger Ausstellung zum Todestag von Robert Höfling in Turnhout zu sehen. Auch einige private, langjährige Kontakte sind geblieben.

    "Viele der damaligen Vereine gibt es einfach nicht mehr", sagt Lenders. So hat Hammelburg schon lange keinen Jugendchor mehr. Die Generationen haben gewechselt, das Reise- und Kommunikationsverhalten hat sich gewandelt, liefert sie weitere Gründe dafür, wieso die gegenseitigen Besuche und Aktivitäten abgeflaut sind.

    Lenders ist seit 1994 Vorsitzende des belgischen Partnerschaftskomitees. Hammelburg besuchte sie aber schon Jahre früher. Sie hatte einst im Urlaub auf Gran Canaria eine Frau aus Langendorf kennengelernt, die ihr Hammelburg und die Umgebung näherbrachte.

    Die Vorsitzende gehört zu der kleinen Gruppe Belgier, die seit Jahrzehnten auf dem Frühjahrs- und Herbstmarkt Pralinen und Waffeln verkaufen - bei Wind und Wetter. So erinnert Lenders sich noch an einen Markt mit Schnee und 15 Gard minus. Als "treue Marktbeschicker" bezeichnet Warmuth die Truppe.

    Diese wird von Mitgliedern der belgischen Patrioten begleitet. Lenders gründete die historische Soldatengruppe im Jahr 1989 zur Erinnerung an die Schlacht bei Turnhout 1789.

    Bis vor wenigen Jahren war der Finanzspielraum von Hammelburg eng. Das machte die Partnerschaft strukturell schwierig. Nun sieht es anders aus: Warmuth sagt Initiativen zur Belebung der Kontakte Unterstützung zu.

    Veranstaltungen zum Partnerschaftsjubiläum Von Freitag, 11. Oktober, bis Sonntag, 13. Oktober, ist eine etwa 70-köpfige Delegation aus Turnhout zu Gast in Hammelburg . Zum Jubiläum der Städtepartnerschaft gibt es ein gemeinsames Programm. Höhepunkt für die ganze Öffentlichkeit ist am Samstag, 12. Oktober, ein Konzert von Lehrern und Schülern der Stedelijke Academie voor Muziek, Woord en Dans van Turnhout ab 17 Uhr in der Klosterkirche. Um 16.15 und 16.30 Uhr ist ein Busshuttle vom Parkplatz am Bleichrasen eingerichtet.

    Am Freitag gibt es ab 19 Uhr einen Begegnungsabend im Winzerkeller. Am Samstag findet um 9.30 Uhr eine Gedenkfeier an den Partnerschaftslinden am Sportzentrum statt. Um 10.30 Uhr spielt die Stadtkapelle auf dem Marktplatz. Ab 11.30 Uhr gibt es Führungen und eine Fahrt zum Kloster Kreuzberg. Am Sonntag findet um 10 Uhr ein Empfang im Rathaus statt. Um 15 Uhr werden die belgischen Gäste auf dem Marktplatz verabschiedet. Wer Interesse an einem dieser Programmpunkte hat, kann sich in der Touristinfo melden.

    Arkadius Guzy

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