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    Hammelburg

    Hammelburg: Verband prüft die große Lösung

    Der Abwasserzweckverband Thulba-Saale kommt am 7. April zur letzten Sitzung der laufenden Amtszeit zusammen. Danach scheiden sechs der sieben Verbandsräte aus. Beraten wird auch über die gemeinsame Klärschlamm-Entsorgung.
    Abwassermeister Albrecht Leurer an einem der Becken der Kläranlage Hammelburg.  Foto: Ralf Ruppert       -  Abwassermeister Albrecht Leurer an einem der Becken der Kläranlage Hammelburg.  Foto: Ralf Ruppert
    Abwassermeister Albrecht Leurer an einem der Becken der Kläranlage Hammelburg. Foto: Ralf Ruppert

    Braucht es wirklich am 7. April eine Sitzung des Abwasserzweckverbandes (AZV) Thulba-Saale? Ja, sagt Geschäftsführer Burkhard Oschmann. "Die Zeit drängt uns richtig", verweist er vor allem auf die schwierige Lage beim Klärschlamm . In der vergangenen Woche habe er eine Warnung bekommen, dass das Zement-Werk in Karlstadt vielleicht schon bald keinen oder deutlich weniger Klärschlamm abnimmt. "Wenn kein Zement gebraucht wird, fällt auch der Bedarf an Sekundär-Brennstoff weg", erläutert Oschmann die Zusammenhänge. "Aber wir haben Klärschlamm mindestens in gleicher Menge." Deshalb muss nun schnell die neue Aufbereitung geplant werden. Unbedingt noch in der laufenden Amtszeit der Stadt- und Gemeinderäte, denn: Ende Mai scheiden sechs der sieben Verbandsräte aus.

    Der Verbandsversammlung des AZV gehören die Bürgermeister von Hammelburg , Elfershausen, Fuchsstadt und Oberthulba sowie die Stadträte Elisabeth Wende, Walter Emmert und Thomas Brandenstein an. Ab dem 1. Mai ist als einziger von ihnen Armin Warmuth noch im Amt. Er hatte auch gleichzeitig als Vorsitzender der kommunalen Allianz Fränkisches Saaletal das wichtigste Projekt des AZV angestoßen: Weil es immer schwieriger wird, den Klärschlamm auf Feldern auszubringen oder fürs Verbrennen zu entwässern, soll eine große Klärschlamm-Behandlung nachgerüstet werden - am besten auch für die Bundeswehr und alle neun Allianz-Gemeinden.

    Die bayerische Staatsregierung hat schon vor Jahren das Ziel ausgegeben, dass Klärschlamm nicht mehr auf Äckern landet. Rund 1500 Kubikmeter Klärschlamm fallen jährlich alleine in der Hammelburger Kläranlage an, 2019 konnte der AZV aber nur noch 400 Kubikmeter an Landwirte aus der Region abgegeben. Der größere Teil, rund 1000 Tonnen entwässerter Schlamm ging zur Verbrennung ins Zementwerk Karlstadt.

    Der Preis dafür steigt stetig: 2018 lag er noch bei rund 62 Euro pro Tonne, 2019 bei 68 Euro pro Tonne und für heuer liegt das Angebot bei 82 Euro je Tonne entwässerten Schlamm.

    Vorbehandlung notwendig

    Die Verbrennung ist nicht nur teuer, sondern nur mit Vorbehandlung möglich. Dafür bestellt der AZV aktuell regelmäßig eine mobile Anlage, die aber immer teurer und immer schwieriger zu besorgen sei. Deshalb muss laut Oschmann eine stationäre Anlage auf der Kläranlage Hammelburg her. Weil die anderen Kommunen ähnliche Probleme haben, soll eine Machbarkeitsstudie klären, ob in der Anlage der Klärschlamm aller Anlagen in der Region behandelt werden könnte - und was es kostet.

    "Alle Kommunen und die Bundeswehr haben zugestimmt", fasst Geschäftsführer Oschmann den aktuellen Stand zusammen. Mittlerweile habe er auch die Kosten für die Studie ermittelt und allen mitgeteilt, denn: Bezahlen müssen die Kommunen, die neu mitmachen wollen. Lediglich Oberthulba nimmt eine Sonderrolle ein: Der Markt ist Mitglied im AZV, hat aber bei Wittershausen noch eine eigene Kläranlage, die jetzt auch in der Studie untersucht werden soll. Dafür muss die Kommune extra zahlen.

    "Jeder bringt unterschiedliche Schlämme", nennt Oschmann als eine der Herausforderungen. Belastet würde damit auch die Kläranlage insgesamt: Vor allem kommt stark belastetes Restwasser dazu, das so genannte Zentrat, das vor allem viel Stickstoff enthält. "Das alleine benötigt 20 Prozent unserer Reinigungsleistung", berichtet Oschmann.

    Die Kläranlage Hammelburg ist auf 28 000 Einwohner ausgelegt und voll ausgelastet: Angeschlossen sind 22 500 Einwohner, hinzu kommen Einwohnergleichwerte aus Gewerbe und Industrie. Würde der Zweckverband nun die Klärschlämme weiterer rund 18 000 Einwohner aufnehmen, müsse die komplette Anlage neu geplant werden. Allein im Lager Hammelburg ist die Kläranlage auf 6000 Einwohnerwerte ausgelegt, in Wittershausen sind es 675, in Aura 1150, in Euerdorf 2200, für Ramsthal/Sulzthal/Wirmsthal 4800, in Waizenbach 2100, in Windheim 300, in Schwärzelbach 700 sowie für Heiligkreuz und Heckmühle jeweils 150.

    Viele Einzelfragen

    Das zusätzliche Zentrat müsste vermutlich geheizt sowie mit Sauerstoff und Bakterien angereichert werden. Eine so genannte Teilstrombehandlung wäre nötig. Das Gutachten müsse auch untersuchen, wie Kläranlagen in Zukunft mit dem Phosphat im Klärschlamm umgehen müssen. Wenn die Verbandsversammlung morgen zustimmt, könnte die Studie laut Oschmann innerhalb von fünf Monaten vorliegen. Der Geschäftsführer drückt auf die Tube: Im Jahr 2021 will er die Anlage fertig haben. Deshalb werde parallel zur Machbarkeitsstudie auch schon weiter geplant, was sowieso notwendig wird: "Wir können uns keine fünf Monate zurücklegen und warten", betont er. Deshalb werde die Grundkonzeption und der Standort bereits geplant. Die genaue Auslegung, die Größe und vor allem die Teilstrom-Behandlung würden dann vom Ergebnis der Studie und den weiteren Beschlüssen in den Kommunen abhängen.

    Die Sitzung findet Dienstag, 7. April, um 14 Uhr ausnahmsweise im Sitzungssaal des Kellereischlosses statt, damit die Verbandsräte genügend Abstand halten können. Auf der Tagesordnung stehen auch die Sicherstellung des Betriebes trotz Corona-Krise, Auftragsvergaben und laufende Maßnahmen.

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    Ralf Ruppert

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