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    Hammelburg

    Hammelburg: Wächter über Finanzen der Stadt

    Bernhard Blum folgte im Jahr 2001 Otto Faltus als Kämmerer nach. Unter fünf Bürgermeistern setzte er sich immer für sparsame Haushaltsführung ein. Unterm Strich ist die Stadt am Ende seiner Amtszeit nun schuldenfrei.
    Noch-Stadtkämmerer Bernhard Blum schaut sich gerne vom Baderturm aus die Stadt an: In seine Amtszeit fiel die Sanierung des historischen Stadtturms und von hier aus kann er seine bisherige Wirkungsstätte, das Hammelburger Rathaus, gut erkennen. Fotos: Ralf Ruppert
    Noch-Stadtkämmerer Bernhard Blum schaut sich gerne vom Baderturm aus die Stadt an: In seine Amtszeit fiel die Sanierung des historischen Stadtturms und von hier aus kann er seine bisherige Wirkungsstätte, das Hammelburger Rathaus, gut erkennen. Fotos: Ralf Ruppert

    18 Jahre lang war Bernhard Blum Hammelburger Stadtkämmerer. In dieser Zeit sank der Schuldenstand der Kommune von 12,5 Millionen auf 3,8 Millionen Euro . Gleichzeitig hat die Stadt aktuell 5,7 Millionen Euro als Rücklagen auf der hohen Kante liegen. Rein rechnerisch sei die Stadt damit schuldenfrei, betonte Bürgermeister Armin Warmuth ( CSU ) bei Blums Verabschiedung, und: "Du warst und bist eine Institution in unserer Stadt."

    Zum Jahresende scheidet Bernhard Blum offiziell aus dem Dienst aus. Der gebürtige Hammelburger ist der vorletzte Beamte überhaupt in der Stadtverwaltung, berichtet Geschäftsleiter Roland Goerke. Kommunen müssten mittlerweile keine Beamten mehr einstellen, lediglich eine Mitarbeiterin sei aktuell noch verbeamtet. Blum machte zunächst ab 1972 eine Ausbildung bei der AOK . Vor gut 40 Jahren, am 1. Oktober 1979, wechselte er in die Sozialverwaltung der Stadt Hammelburg . "Damals hat man noch alle Mitarbeiter der Stadt gekannt", erinnert sich Blum, und: "Der Bauhof war noch ganz in der Nähe des Rathauses im alten Gefängnis untergebracht."

    1982 wurde Bernhard Blum verbeamtet, war bei der Stadt unter anderem für Gewerberecht und Marktwesen zuständig. 1984 leitete er die Volkszählung, später war er für den Abwasserzweckverband zuständig. Zum 1. Dezember 2001 übernahm Blum dann die Nachfolge von Stadtkämmerer Otto Faltus, der mehr als 40 Jahre über den Stadtsäckel wachte.

    Bernhard Blum arbeitete unter fünf Bürgermeistern: Bei seinem Einstieg saß Karl Fell im Chefsessel des Rathauses. Besonders dankbar sei er dessem Nachfolger Elmar Hartung, berichtet Blum: "Er hat mir den Schritt vom mittleren in den gehobenen Dienst ermöglicht." Danach folgten Arnold Zeller, Ernst Stross und der aktuelle Amtsinhaber Armin Warmuth . "Eine der ersten Nachrichten, die du mir nach meinem Amtsantritt 2014 auf den Schreibtisch gelegt hast, war die, dass eine Million Euro Gewerbesteuer wegbricht", erinnerte sich Warmuth zum Abschied.

    Bis auf diesen Einbruch gingen die städtischen Einnahmen aber steil nach oben: In Blums ersten Haushalt 2002 hatte er noch 1,8 Millionen Euro Gewerbesteuer für die Stadt verbucht, heuer sind es 7,2 Millionen Euro . Der Anteil an der Einkommenssteuer stieg im gleichen Zeitraum von 3,6 auf 5,8 Millionen Euro , die Schlüsselzuweisung von 2,5 auf 3,0 Millionen Euro . Auf der anderen Seite musste die Stadt 2002 auch nur 3,4 Millionen Umlage an den Landkreis Bad Kissingen zahlen, mittlerweile sind es 5,6 Millionen Euro . Das Gesamtvolumen seines ersten Haushalts habe rund 21 Millionen Euro betragen, erinnert sich Blum, mittlerweile sind es 35 Millionen Euro , davon aktuell zwölf Millionen Euro für Investitionen.

    Projekte über Jahre gestreckt

    "Wir waren nicht immer gleicher Meinung, dennoch haben wir alles hinbekommen", fasste Blum seine Zusammenarbeit mit den Bürgermeistern zusammen. Oft habe er dafür plädiert, Projekte über mehrere Haushaltsjahre zu verteilen, wie es zum Beispiel beim Bürgerhaus geplant ist: "Selbst ohne den Bürgerentscheid wäre das auf mehrere Jahre gedehnt worden", berichtete Blum.

    Beim Bürgerhaus wie auch bei der anstehenden Sanierung der Bahnhofstraße ist Blum besonders stolz auf die hohen Fördersätze: In den Jahren 2015 und 2016 gab es sogar jeweils 400 000 Euro Stabilisierungshilfe. Die sei zwar ausgelaufen, aber höhere Zuschüsse seien trotzdem noch genehmigt worden.

    Besonders lobte Blum die Zusammenarbeit in der ausschließlich mit Frauen besetzten Kämmerei. "Oft bin ich nicht zu Wort gekommen", erzählte er schmunzelnd. "Aber es waren immer alle für alle da." Blum bedankte sich auch bei Warmuth, dass er seine Nachfolgerin Jennifer Triest noch einarbeiten konnte. "Bei mir war das damals nicht so." Er habe seinen ersten Haushalt einfach übernehmen müssen. "Es gibt nichts Schlimmeres für einen Kämmerer als nicht zu wissen, was im Haushalt steht", sagte Blum. Seiner Nachfolgerin wünschte er "immer genügend Geld in der Kasse, damit zumindest die Gehälter gezahlt werden können".

    Die Kollegen wünschten Blum mehr Zeit für sein großes Hobby Modelleisenbahn und schenkten ihm einen Ausflug mit der Bahn. Wenn seine Frau Waltraut im Oktober auch in den Ruhestand geht, möchten beide mehr reisen, vor allem deutsche Städte besser kennen lernen.

    Ralf Ruppert

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