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    Hammelburg

    Hammelburger Bürgerspital ist corona-, aber nicht sorgenfrei

    Nach sechs Todesfällen, Infektionen von Bewohnern und Mitarbeitern sowie Aufnahmestopp leben aktuell nur noch 23 Senioren in der Einrichtung. Der Hauptausschuss beauftragte zwei Gutachten zu baulichen Veränderungen.
    Auch die Statue des betenden Johannes Nepomuk vor dem Hammelburger Bürgerspital hat nichts geholfen: Sechs Menschen, die positiv auf das Corona-Virus getestet waren, sind in der Einrichtung verstorben. Aktuell sind nur 23 der 35 Plätze belegt. Foto: Ralf Ruppert       -  Auch die Statue des betenden Johannes Nepomuk vor dem Hammelburger Bürgerspital hat nichts geholfen: Sechs Menschen, die positiv auf das Corona-Virus getestet waren, sind in der Einrichtung verstorben. Aktuell sind nur 23 der 35 Plätze belegt. Foto: Ralf Ruppert
    Auch die Statue des betenden Johannes Nepomuk vor dem Hammelburger Bürgerspital hat nichts geholfen: Sechs Menschen, die positiv auf das Corona-Virus getestet waren, sind in der Einrichtung verstorben. Aktuell sind nur 23 der 35 Plätze belegt. Foto: Ralf Ruppert

    Ab jetzt soll es aufwärts gehen: "Wir dürfen wieder Bewohner aufnehmen, der erste Einzug ist in dieser Woche", berichtet Guido Gombarek, Leiter des Hammelburger Bürgerspitals. "Seit Freitag ist das Bürgerspital coronafrei", verkündete Bürgermeister Armin Warmuth sichtlich erleichtert in der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses. Trotzdem bleiben viele Sorgen: Wegen der Todesfälle und des langen Aufnahmestopps sind aktuell nur 23 der 35 Plätze belegt. Zudem muss die Stadt bis Ende August 2021 ein Konzept vorlegen, wie die Einrichtung die Auflagen des Pflege- und Wohnqualitätsgesetzes erfüllen kann. Darüber gab es im Hauptausschuss zum Teil hitzige Diskussionen.

    Laut Heimleiter Gombarek waren die Abstriche der Bewohner schon länger negativ, es habe auch keine Symptome mehr gegeben. Allerdings wollte die Einrichtung auf Nummer sicher gehen und wartete, bis auch im Sputum keine Viren mehr nachweisbar waren. Insgesamt waren 23 Bewohner infiziert , sechs starben, 17 sind genesen. Elf der 16 Mitarbeiter wurden ebenfalls positiv getestet, die Krankheitsverläufe seien aber zum größten Teil unproblematisch gewesen, niemand aus dem Team musste ins Krankenhaus. Bei der Belegung ist Gombarek optimistisch: "Wir haben eine lange Warteliste", berichtet er von mehr Anmeldungen als freien Plätzen. Er habe bereits Angehörige auf Herbst vertrösten müssen.

    Mit dem Bürgerspital beschäftigten sich die Stadträte gleich mehrfach. Zunächst ging es um eine Formalität: Zum 1. Juli ändern sich die Tätigkeitsmerkmale der Entgeltgruppen nach dem aktuellen Tarifvertrag. Der Beschluss fiel einstimmig , obwohl es bereits hier kritische Wortmeldungen gab: "Wir sollten unserer sozialen Verantwortung gerecht werden", forderte SPD-Stadtrat Norbert Schaub einen Wechsel vom aktuellen Tarifvertrag für Zeitarbeiter zum Pflege-Tarifvertrag im öffentlichen Dienst (TVöD-P). Bürgermeister Armin Warmuth ( CSU ) sagte zu, dass über diesen Punkt in einer der nächsten Sitzungen beraten werde. Lorena Romanczyk von der Stadt-Verwaltung betonte, dass bei einem Tarifwechsel der jetzige Beschluss sowieso hinfällig wäre.

    Deutlich lauter wurde es bei der Diskussion über das weitere Vorgehen. Als "Treppenwitz des Jahrhunderts" bezeichnete CBB-Stadtrat Dominik Sitter den Vorschlag, zwei Architekturbüros mit Untersuchungen zur künftigen Nutzung des Bürgerspitals zu beauftragen. "Ich verstehe nicht, dass man immer wieder einen Architekten ins Boot holt, der uns seit vier Jahren nicht das liefert, was wir wollen", verwies er auf einen Vorschlag aus dem Jahr 2016, das Bürgerspital in ein betreutes Wohnen umzuwandeln, weil es als Heim nicht zu retten sei.

    Erhaltung der Plätze als Ziel

    Auch Fraktionskollege Reimar Glückler forderte, dass die Erhaltung möglichst vieler Pflegeplätze als Ziel in den Auftrag geschrieben werde. "Sonst kommt was raus, was wir nicht wollen und nicht finanzieren können", befürchtet er. 3. Bürgermeister Christian Fenn schlug dagegen vor, dass es vor allem um eine betriebswirtschaftliche Bewertung gehen solle, die Bettenzahl sei zweitrangig. Am Ende wurde einstimmig als Ziel eine möglichst hohe Zahl an Pflegebetten in den Auftrag aufgenommen.

    In einem Vorgespräch der Fraktionen war wohl die Idee entstanden, zwei Gutachten zu erstellen. Der Vorschlag sei von der SPD gekommen, aber auch CSU-Fraktionssprecher Martin Wende unterstützte ihn: "Vielleicht schaffen wir es ja, aus beiden Vorschlägen das Beste rauszuziehen und zu verbinden", sagte Wende. Schaub, der SPD-Fraktionssprecherin Rita Schaupp vertrat, sprach sich jedoch dagegen aus und vertrat die Meinung, dass der zweite Architekt durch sein Verhalten im Sanierungsbeirat und eine Klage gegen die Stadt nicht geeignet sei. "Er hat seine Chance gehabt", kommentierte er dessen Vorschlag für das Bürgerspital aus dem Jahr 2016. Stadtrat Sitter sprach sogar von "Chaos" durch das damalige Gutachten.

    "Das Thema eignet sich nicht für Hickhack", forderte Bürgermeister Warmuth eine sachliche Diskussion, nachdem es zu teils persönlichen Angriffen gekommen war. Am Ende wurde Sitters Antrag auf nur ein Gutachten mit 8:3 Stimmen abgelehnt.

    Bestandsaufnahme und Konzept

    In getrennten Abstimmungen vergab der Hauptausschuss einstimmig für rund 5060 Euro eine Untersuchung ans Architektur-Büro Kraus aus Gemünden. Der zweite Auftrag an das Büro "Planwerk" in Würzburg für weitere rund 5700 Euro wurde mit 8:3 Stimmen vergeben. Beide Büros sollen nun den Gebäudebestand bewerten und Vorschläge machen, wie das Heim die gesetzlichen Bestimmungen erfüllen kann. Zudem sollen Kosten zum Umbau von Bürgerspital und Waisenhaus errechnet und ein Konzept für den Betrieb auf Grundlage der künftigen Bettenzahl ermittelt werden.

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    Ralf Ruppert

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