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    Münnerstadt

    Heimat zum Anschauen

    Heimatmuseen haben oft einen angestaubten Ruf. Dass dem nicht so sein muss, beweist das Henneberg-Museum in Münnerstadt. Das Museum bietet einen gut gegliederten Überblick über die wechselvolle Geschichte des Städtchens.
    Dieser Webstuhl im Henneberg-Museum erinnert daran, dass mit der  Herstellung von Stoffen in Münnerstadt einst viel  Geld verdient wurde.   Museumsleiter Nicolas Zenzen schätzt, dass er aus dem 19. Jahrhundert  stammt. Foto: Dieter Britz       -  Dieser Webstuhl im Henneberg-Museum erinnert daran, dass mit der  Herstellung von Stoffen in Münnerstadt einst viel  Geld verdient wurde.   Museumsleiter Nicolas Zenzen schätzt, dass er aus dem 19. Jahrhundert  stammt. Foto: Dieter Britz
    Dieser Webstuhl im Henneberg-Museum erinnert daran, dass mit der Herstellung von Stoffen in Münnerstadt einst viel Geld verdient wurde. Museumsleiter Nicolas Zenzen schätzt, dass er aus dem 19. Jahrhundert stammt. Foto: Dieter Britz

    Heimatmuseen sind oft so vollgestellt, dass der Besucher bald den Überblick und damit auch die Lust verliert. Nicht so in Münnerstadt , wie sich bei einem Rundgang unschwer feststellen lässt.

    Die Gliederung des 1923 im Rathaus eröffneten Museums war allerdings nicht immer so gut. Im Jahr 2007 schloss die Stadt die Neu-Konzeption mit weniger Stücken, aber dafür besserer Gliederung ab. "Aber es gibt Bürger, die dem Museum in seiner alten Form, als alles vollgestellt war, noch immer nachtrauern" sagt Nicolas Zenzen, seit Anfang Mai 2018 städtischer Kulturmanager und Leiter des Henneberg-Museums. Die Einträge ins Gästebuch allerdings sprechen eine andere Sprache. Hier gibt es nur Lob.

    "Im Deutschordensschloss erzählt das Henneberg-Museum von der einst weitreichenden Bedeutung des Ortes, wohl am besten symbolisiert durch die Skulptur eines Salvator Mundi (16. Jhd.) aus dem Umkreis des bedeutenden Bildhauers Veit Stoß. Aufgeteilt in zwei Bereiche, Münnerstadt und Rhöner Land, vermittelt das Museum - benannt nach den einst hier regierenden Grafen Henneberg - einen Eindruck von der Geschichte der Stadt und dem Alltag ihrer Bewohner, aber auch von der umgebenden Rhön und dem harten Leben in dieser kargen Landschaft" - so wird das Museum im "Museumsportal Bayern" vorgestellt.

    Besagter Salvator Mundi, zu Deutsch Erlöser der Welt, ist ein wohlgenährter nackter Knabe mit einer kleinen Weltkugel in der Hand. Er hat eine ganz besondere Geschichte. Er stammt aus dem Umfeld von Veit Stoß (um 1447 bis 1533). Dieser war 1504 und 1505 aus Nürnberg zu seiner in Münnerstadt verheirateten Tochter geflohen und malte hier seine einzigen bekannten Tafelbilder.

    Der zweite Teil der Geschichte sei ebenso interessant, meint Zenzen. Der Salvator Mundi ist wohl nur deshalb dem Museum erhalten geblieben, weil er 1945, als die amerikanischen Besatzungstruppen in die Stadt einrückten, in einem Zimmer des Rathauses wenig pietätvoll als Aschenbecher-Halter diente. Das Heimatmuseum war seinerzeit noch im Rathaus untergebracht und manches vermeintlich wertvolle Stück nahmen Soldaten einfach mit nach Amerika. Doch für einen Aschenbecher-Halter, der wertlos schien, interessierte sich zum Glück niemand.

    Auch hinter den anderen Museumsstücken verbirgt sich eine Geschichte. In einem Raum zum Beispiel steht ein großer Webstuhl , der offensichtlich noch funktionsfähig ist. Er erinnert daran, dass der frühere Reichtum der Stadt ("Münnerscht hat's Geld") nicht zuletzt den Webern zu verdanken war. Nicolas Zenzen präsentiert in einem anderen Zimmer das Münnerstädter Getreidemaß. Damit wurde, bevor es Hohlmaße wie das alte bayerische Scheffel oder später den Liter gab, vor allem Getreide gemessen. Dieses Hohlmaß war nicht nur in Münnerstadt verbreitet, sondern galt in der ganzen Umgebung. Das zeigt, dass die Stadt nicht ganz unwichtig war.

    Beim Streifzug durch das 1100 Quadratmeter große Museum im ersten Obergeschoss des Deutschordensschlosses gibt es noch mehr zu entdecken. "Wir haben nicht die großen Kunstschätze zu bieten, sondern interessante Zusammenstellungen und ein breites Angebot", sagt Nicolas Zenzen dazu. Fast 100 Jahre alt sind Notgeldscheine aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg , die den schon erwähnten Slogan "Münnerscht hat's Geld" tragen. Auch Reste alter Kirchenfenster sind zu sehen. Im Zweiten Weltkrieg wurden die wertvollen alten Glasfenster der Stadtpfarrkirche aus Sicherheitsgründen ausgebaut. Als sie nach dem Krieg wieder eingebaut wurden, blieben die im Museum gezeigten Stücke übrig.

    An anderer Stelle sind auf Stelen Daten zu größeren Münnerstädter Firmen zu lesen. Remog allerdings ist seit letztem Jahr Geschichte, die Gewehrfabrik schon sehr viel länger. Besonders interessant ist die Einrichtung der Löwen-Apotheke mit den vielen Regalen, Flaschen, Mörsern, Waagen, Kräutern. Nicht zu vergessen der komplette Krämerladen gegenüber oder die drei Wallfahrtskirchen : St. Laurentius und Mariä Himmelfahrt in Fridritt , Mariä Geburt in Windheim und die Talkirche. Schautafeln mit Bildern und Daten stellen sie vor, außerdem werden sehenswerte Votivgaben aus Wachs und Metall gezeigt.

    Im kommenden Jahr dürfen Besucher bei einem Streifzug durch das Museum noch tiefer in die Geschichte der Stadt eintauchen, denn dann gibt es noch ältere Stücke zu sehen. Die Stadt Münnerstadt hat etwa 10 000 archäologische Funde vom Landkreis Bad Kissingen erhalten. Die bis zu 6500 Jahre alten Tierknochen, Werkzeuge, Tonscherben und Reste von Grubenhäusern kamen bei Ausgrabungen auf dem Gelände des neuen Berufsbildungszentrumss zu Tage.

    Bis mindestens 19. Juli wurde die Sonderausstellung "Handwerk hat goldenen Boden" mit den Zunftstangen aus der Stadtpfarrkirche wegen der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Verschiebung des Stadtjubiläums auf das kommende Jahr verlängert. In nächster Zeit ist das Museum nun also kostenlos geöffnet.Öffnungszeiten Dienstag bis Freitag 10 Uhr bis 15 Uhr; Samstag, Sonn- und Feiertag: 12 Uhr bis 17 Uhr.

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    Dieter Britz

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