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    Elfershausen

    Hier ist der Tisch reich gedeckt

    Der sorgenvolle Aufruf von Imkern, Landwirten und des Landkreises wegen des Insektensterbens ist nicht mehr zu überhören. Das Problem geht alle an. Denn es geht nicht nur um die kleinen, fliegenden Lebewesen, sondern letztlich auch um die Menschen.
    Der Landkreis bereitet in Verbindung mit den Kommunalen Allianzen Fränkisches Saaletal und Kissinger Bogen derzeit das Projekt "Grüngitter - global denken, regional handeln" vor, das den Erhalt unserer Lebensgrundlagen im Landkreis Bad Kissingen sichern soll, eine Strategie zur biologischen Vielfalt. Denn diese sogenannte Biodiversität - Flora, Fauna, Mikro-Organismen und Pilze - sind die Basis für unser Leben.
    Erste Bestrebungen sind bereits angelaufen und dem fliegenden Getier - oft nur als lästige Quälgeister wahrgenommen - kommt eine tragende Rolle zu. So ist im Baugebiet "Trimberger Weg" im Markt Elfershausen eine ein Hektar umfassende "Bienenweide" entstanden, die Insekten zur Bestäubung anlockt. Die Jagdgenossen und der Verein für Gartenkultur und Landespflege sind die Initiatoren, der Markt Elfershausen stellte dafür die Fläche zur Verfügung, die in diesem Jahr voraussichtlich nicht mehr bebaut wird.
    Ideengeber war Rudolf Neeb von der Jagdgenossenschaft, die die heimischen Gartler mit ins Boot nahmen. Gemeinsam kauften diese den Samen und brachten ihn auf dem noch brachliegenden Grundstück aus, das Franz Danz vorbereitet hatte. "Wir gaben der Phacelia den Vorzug denn sie ist die ideale Bienennahrung", berichtete Konrad Völker, Vorsitzender des Vereins für Gartenkultur und Landespflege. "Freiwillige unterstützen uns bei der Suche und Bepflanzung weiterer, geeigneter Flächen, wenn das Grundstück zur Bebauung ansteht", fügt Neeb hinzu.


    Dass Insekten hier einen gedeckten Tisch vorfinden ließ sich allenthalben beobachten. Honig- und Wildbienen, Wespen, Hummeln Falter, Hornissen und weitere Bestäuber geben derzeit dem lilafarbenen Pflanzenteppich einen summenden Hintergrund und fühlen sich ob des Nahrungsangebots offensichtlich wohl. Allerdings lauert im anliegenden Baugebiet eine Gefahr für Mensch und Tier - das Jakobskreuzkraut.


    Giftiges Gewächs

    Das giftige bis zu einem Meter hohe Gewächs mit den schönen, gelben Blüten bevorzugt kahle Flächen wie Baugrundstücke und lockt natürlich ebenfalls Bestäuber, die ihre gefährliche Last weitertragen. Die Pflanze kann ihre Giftsubstanz, das die Leber schleichend zerstört, so in die Nahrungskette übertragen. Völker warnt vor diesem Gewächs, das sein Gift sogar durch Hautkontakt weitergibt. "Am besten sofort zerstören, wenn man sie findet", lautet sein Rat. Gesagt, getan, reißt er sofort mit behandschuhten Händen ein Jakobskraut aus und zermahlt den Samen mit den Schuhen.
    Dennoch, das Grüngitternetz, das typische, natürliche Kulturlandschaften im Kreis erhalten soll, ist eine wichtige, ja lebensnotwendige Maßnahme, deren schnelle Umsetzung nur zu begrüßen ist. Dabei kann sich jeder einbringen, beispielsweise wenn er bisschen Wildnis in einem Garten zulässt indem er statt einem "englischen" Rasen eine Blumenwiese wagt, auf Düngung sowie Insekten- und Pflanzengifte verzichtet oder Blühmischungen in seine Aussaat einbringt. Kommunen können mit insektenfreundlicher Pflege gemeindlicher Flächen ebenfalls beitragen indem sie Raine und Gräben nur dann mähen, wo es wirklich erforderlich ist. Das ökologische Bewusstsein auf breiter Basis zu wecken ist Absicht der Initiatoren. Winfried Ehling

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