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    Bad Kissingen

    Historische Blickwinkel

    Die meisten Vorarbeiten für die Bewerbung Bad Kissingens um die Auszeichnung als Unesco-Weltkulturerbe werden, von der Öffentlichkeit fast unbemerkt, hinter den Kulissen ausgeführt. Nur hin und wieder gibt es auf Straßen und Plätzen der Kurstadt hierzu Neues zu entdecken. Seit wenigen Tagen sind es fünf in den Boden eingelassene Bronzeplatten, die als Welterbe-Referenzpunkte auf historisch bedeutsame Sichtachsen über das einstige und heutige Staatsbad verweisen.

    Offiziell vorgestellt

    Am Donnerstag wurden diese runden Referenzpunkte der Öffentlichkeit im Rahmen eines kleinen Empfangs auf der Ludwigsbrücke offiziell vorgestellt. Die vom Bad Kissinger Künstler und Goldschmied Malte Meinck gestalteten bronzenen Rundplatten zeigen nicht nur kreisförmig angeordnet die Silhouetten historischer Bauten der Kurstadt, sondern in ihrer Mitte einen QR-Code. Mit dessen Hilfe gelangt der Betrachter auf die entsprechende Internetseite und bekommt dort nähere Informationen in kurzen Texten und Filmen (Regie: Max Kupfer) zu den von diesen Punkten jeweils ausgehenden Sichtachsen, die den Blick auf die wichtigsten Gebäude und Anlagen des Staatsbades lenken. Mit diesen fünf Sichtachsen lässt sich die Unversehrtheit des historischen Weltbades Kissingen dokumentieren.

    "Kulisse und Bühne"

    Die heutige Gesundheitsstadt sei im 19. Jahrhundert von einem kleinen Landstädtchen zum Weltbad aufgestiegen, erinnerte Kulturreferent und Welterbe-Koordinator Peter Weidisch an die historische Entwicklung der Kurstadt und das für deren Aufstieg wichtige Zusammenwirken von Heilquellen, herausragender Architektur und Natur: "Weltbäder sind in Natur eingebettete Stätten der Urbanität."

    Dabei sei gerade der Blick in und aus der Bäderstadt von hoher Bedeutung, denn "Weltbäder waren immer Kulisse und Bühne zugleich". Zahlreiche Sichtachsen, von denen nur fünf ausgewählt wurden, sind bei Gästen und Einwohnern seit bald 200 Jahren beliebt und werden noch heute gezielt angelaufen, denn deren Enden wurden zu beliebten Aussichtspunkten.

    Die Historikerin Birgit Schmalz, ebenfalls Mitglied im Welterbe-Koordinationsteam, zeigte anhand historischer Ansichten aus den 1840er Jahren, wie die damals von diesen fünf Referenzpunkten ausgegangenen Sichtachsen dem heutigen Anblick noch gleichen.

    So bleiben auch jetzt noch viele mitten auf der Ludwigsbrücke stehen, um den weiten Blick entlang der Saale in Richtung Norden über die Auenlandschaft zu genießen. Schmalz: "Vor 180 Jahren konnte man von hier aus sogar die damals noch kilometerlangen Gradierwerke in Hausen erkennen."

    Der zweite Referenzpunkt ein paar Meter weiter am Kopfende der Ludwigsbrücke zeigt, wenn man über die Brücke stadteinwärts blickt, noch immer die einst räumliche Trennung zwischen der Stadt auf der linken und dem königlich bayerischen Staatsbad auf der rechten Seite.

    Ein dritter Referenzpunkt ist vor dem Sanatorium Fürstenhof in den Boden eingelassen. Dieser ermöglicht in südöstlicher Richtung die Sicht über die Ludwigsbrücke zum Regentenbau und weiter zur Burgruine Botenlauben . Vom Kurgarten aus weist ein vierter Referenzpunkt über den Arkadenbau hinweg zum Rundtempel auf dem Altenberg, wo die fünfte Bronzeplatte die Spaziergänger einlädt, den Blick über die Kuranlagen und die ganze Stadt schweifen zu lassen.

    "Ambitioniertes Projekt"

    Mit der Verlegung dieser fünf Referenzpunkte zur Verdeutlichung noch immer im Staatsbad bestehender Sichtachsen sei Bad Kissingen einen Schritt weiter in der Bewerbung um den Welterbetitel, betonte Oberbürgermeister Kay Blankenburg ( SPD ) in seinem Grußwort. "Es ist ein ehrgeiziges und ambitioniertes Projekt", zu dem sich elf berühmte Kurstädte aus sieben Staaten als "Great Spas of Europe" zusammengeschlossen haben, die im 18. und 19. Jahrhundert das Modell "Kurstadt" begründeten und es noch heute herausragend verkörpern.

    "Unser Kurgarten ist das Vorbild aller europäischen Kurgärten ", hob Blankenburg dieses für den Welterbetitel bedeutende Alleinstellungsmerkmal hervor. Die Bewerbung um den Unesco-Titel sei keine Sache des Rathauses, sondern müsse von allen Bürgern Bad Kissingens mitgetragen werden. "Wir alle sind Unesco-Welterbe, wir alle sind Great Spas of Europe."

    Sigismund von Dobschütz

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