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    Modlos

    Hoher Aufwand für die ausländischen Erntehelfer

    Äußerst ungewiss war Mitte April, ob ausländische Saisonarbeiter trotz Corona den regionalen Obstbauern helfen könne. Jetzt - mitten in der Erdbeerzeit - fällt das Fazit ganz ordentlich aus.
    Paven Codrut (links) und die anderen rumänischen Saisonarbeiter am Modloser Obsthof Müller müssen sich an viele Corona-Auflagen halten. Foto: Steffen Standke       -  Paven Codrut (links) und die anderen rumänischen Saisonarbeiter am Modloser Obsthof Müller müssen sich an viele Corona-Auflagen halten. Foto: Steffen Standke
    Paven Codrut (links) und die anderen rumänischen Saisonarbeiter am Modloser Obsthof Müller müssen sich an viele Corona-Auflagen halten. Foto: Steffen Standke

    Es war aufwendig, es war anstrengend, aber sie sind da - die rumänischen Saisonkräfte, die der Obsthof Müller in Modlos während der Erdbeerzeit dringend braucht. 15 Arbeiter, drei Viertel derjenigen, die in normalen Jahren anreisen, aber immerhin. Auch mit Blick auf die Corona-bedingte Gesamtsituation sagt Obsthof-Inhaber Jochen Müller deshalb: "Es waren viele Hürden zu nehmen, aber es läuft."

    Die Rumänen kamen per Flugzeug und sie kamen in Gruppen. Jochen Müller holte die ersten Acht am Düsseldorfer Flughafen ab; fünf weitere landeten vor knapp drei Wochen in Nürnberg. Ein rumänisches Ehepaar war bereits vor der Corona-Krise im Februar problemlos nach Deutschland eingereist.

    Die erste Gruppe steckte der Obstbauer gleich nach der Ankunft in "Quarantäne". Was nicht bedeutete, dass sie untätig herumsitzen mussten. Aber die Acht wurden gemeinsam auf dem Obsthof-Gelände untergebracht. Selbstständig ausgehen oder einkaufen durften sie nicht; das erledigten die Inhaber oder das früher angereiste rumänische Ehepaar für sie. Zur Arbeit ging es nur als geschlossene Gruppe, mit Mundschutz und Desinfektionsmitteln im Auto. Auf dem Feld mussten die Saisonarbeiter Mindestabstände von zwei Metern einhalten.

    Als die zweite Gruppe vor einigen Tagen eintraf, ereilte sie ein ähnliches Schicksal. Die fünf "Nachzügler" wurden wie eine Familie in einem angemieteten Haus in Unterleichtersbach untergebracht. Die Einkäufe erledigten Mitglieder der inzwischen von der "Quarantäne" befreiten Gruppe 1 für sie. In Autos und auf dem Feld durften sich die beiden Gruppen keinesfalls mischen.

    Das galt auch für die Erntehelfer aus Modlos und Elfershausen, die den Obsthof Müller unterstützen. Ein witziges Detail: Jede der vier Gruppen erhielt verschiedenfarbige "Feldmützen". So konnten Mitglieder der einen Gemeinschaft schnell erkennen, wenn sich ihnen welche aus einer anderen Gruppierung näherten.

    Da nun beide rumänischen Gruppen mehr als zwei Wochen in Modlos ohne offensichtliche Corona-Erkrankung überstanden haben, konnten sie die Quarantäne "beenden". Für sie gelten nun die selben Beschränkungen wie für Einheimische auch: Maskenpflicht beim Einkaufen in Supermärkten und anderen Geschäften sowie Mindestabstände. Ansonsten dürfen sie sich frei bewegen.

    Im Vergleich zu anderen Branchen ist seine "recht gut durch die Corona-Nummer durchgekommen", findet Jochen Müller . Viele Unklarheiten und offene Fragen - zum Bespiel die, ob ausländische Saisonarbeiter überhaupt einreisen dürfen - wurden von der Politik ausgeräumt. So sei die "Situation praktikabel" geworden. "Wir fühlen uns in der Sache auf der richtigen Seite." Dennoch schwingt auch bei Müller die Sorge mit, dass in seinem Personal doch noch ein Corona-Fall auftaucht - und alle anderen Mitarbeiter in strenge Quarantäne müssten.

    Ansonsten erlebt der Obstbauer ein normales Erdbeerjahr. Vor reichlich zwei Wochen eröffnete der Betrieb die Selbstpflückfelder. Es gab auch genug Früchte, aber: "Wir hatten deutlich mehr Kundschaft als im Vorjahr." Müller führt das darauf zurück, dass mehr Menschen dieses Jahr in der Heimat geblieben sind, aber auch auf Frostprobleme von Kollegen. So sei der ein oder andere Kunde herübergekommen.

    Doch auch der Modloser musste seine Selbstpflückfelder zwei Mal für jeweils zwei Tage schließen. Die Erdbeeren reiften nicht so schnell nach, wie die Pflücker sie ernten wollten. Ausfälle entstanden aber auch durch eine Woche nächtlich frostige Temperaturen.

    Clemens Schmitt von Schmitt's Obstgarten in Reichenbach hat sich zuletzt nicht mehr intensiv mit dem Thema ausländische Saisonarbeiter beschäftigt. "Nach allem, was ich mitbekomme, ist und bleibt es sehr kompliziert und aufwendig, Saisonkräfte aus dem Ausland hierherzubekommen." In seinem Betrieb wird Schmitt dieses Erntejahr auf sie verzichten und versuchen, die Arbeit durch regionale Kräfte abzudecken. Bei der Erdbeerernte falle durch frostbedingte Ernteausfälle eh nicht so viel an.

    Das Weingut Müller in Hammelburg beschäftigt zeitweise zwei Rumänen in seinen Weinbergen . Bis Ende März waren sie auch da, wollten danach heimfahren. Da das Coronabedingt nicht ging, suchten sie sich im Würzburger Raum Arbeit beim Spargelstechen (wir berichteten). Danach halfen die Rumänen ein paar Wochen im Hammelburger Familienbetrieb mit - um danach endlich wieder ihre Familien in der Heimat zu besuchen. Das teilt Antonia Müller vom Hammelburger Weingut , das am Marktplatz auch ein Hotel betreibt, mit. Spannend werde im Herbst die Weinlese, "weil wir nicht wissen, wieviel wir überhaupt lesen können". Maifröste hätten die Weinstöcke stark geschädigt.

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    Steffen Standke

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