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    Bad Kissingen

    In Bad Kissingen: Dem Tod nicht das letzte Wort überlassen

    Die Kantoren Burkhard Ascherl und Stefan Kagl aus Herford haben fast neun Monate   mit ihren Chören geprobt, um Dvoráks Requiem am Sonntag,  10. November, 17 Uhr, aufzuführen. Foto: Werner Nöth
    Die Kantoren Burkhard Ascherl und Stefan Kagl aus Herford haben fast neun Monate mit ihren Chören geprobt, um Dvoráks Requiem am Sonntag, 10. November, 17 Uhr, aufzuführen. Foto: Werner Nöth

    Antonín Dvorák zählt mit seinem typisch böhmischen Kompositionsstils und nicht zuletzt durch seine überaus populäre 9. Symphonie "Aus der Neuen Welt" zu den beliebtesten Komponisten der klassischen Musik. Sein ebenso dramatisch, wie meditativ-lyrisch komponiertes Requiem haben sich die beiden befreundeten Kantoren Burkhard Ascherl und Stefan Kagl aus Herford ausgesucht. Fast neun Monate haben sie mit ihren Chören geprobt, um das gut eineinhalbstündige Werk am Sonntag, 10. November, um 17 Uhr, erstmalig im Max-Littmann-Saal aufzuführen. Ein zweites Konzert wird 14 Tage später in Herford folgen. Als Solisten konnten Raffaela Lintl (Sopran) gewonnen werden, ebenso wie Stefanie Rhaue (Alt), Siyabonga Maqungo (Tenor) und Dieter Goffing (Bass), die in Bad Kissingen keine Unbekannten mehr sind. Begleitet werden die Musizierenden von der Erzgebirgischen Philharmonie Aue unter der Leitung von Burkhard Ascherl.

    Von der Trauer zum Trost

    Im Mai 1889 erreicht Dvorák die Bitte, ein neues Chorwerk für England zu komponieren, wo frühere Werke schon begeistert aufgenommen worden waren. Die Entscheidung, ein Requiem für Birmingham zu komponieren, traf Dvorák aus musikalischen wie biografischen Gründen. In den Jahren 1875 - 1877 hatte das Ehepaar Dvorák drei seiner Kinder auf tragische Weise verloren. In seinem Stabat mater, das unmittelbar danach entstand, hatte Dvorák diese Katastrophe zu bewältigen versucht. Und so wirkt das letzte große Chorwerk Dvoráks, sein Requiem, wie ein Vermächtnis und eine Summe seiner Gedanken über den Tod und die Hoffnung über den Tod hinaus.

    Das Kreuzzeichen

    Vier Töne erklingen am Anfang des Requiems: f-ges-e-f, die symbolisch die Figur eines Kreuzes darstellen. Mit Hilfe dieses Kreuz-Motivs nimmt er die Hörer mit auf einen musikalischen Weg, der über 13 Stationen geht und von der Trauer über Leid und Tod zu Trost und Hoffnung führt.

    Die dunklen Texte der Totenmesse von Gericht und Vergeltung, die uns heute eher befremden, legt Dvorák neu und ganz anders aus, als dies in der Tradition der lateinischen Kirchenmusik zuvor geschah. Statt Angst vor dem Gericht und Sorge um das Seelenheil der Toten geht es Dvorák um Trost, ja um Seelsorge an den vom Tod betroffenen Lebenden, an deren Seite er sich durch seine eigenen traumatischen Todeserfahrungen gestellt wusste. So bildet er in seiner Musik gerade nicht vordergründig den Text ab: Er entwirft keine Weltuntergangs-Szenarien. Vielmehr zielt Dvorák - bei allem Ernst und aller Klage über eine Welt, in der so viel Böses durch Menschenschuld geschieht - am Ende ab auf die Vision einer durch das Kreuz Christi geretteten und erlösten Welt.

    Darin folgt Dvorák, obwohl er als Katholik den lateinischen Texten der Missa pro defunctis treu bleibt, dem Vorbild eines anderen von ihm verehrten Requiem-Komponisten, dem des Protestanten Johannes Brahms , der in seinem Deutschen Requiem deutsche Bibeltexte in Musik gesetzt hatte.

    Dvoráks Requiem ist ein Werk des Trostes, das dem Tod nicht das letzte Wort überlässt.

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