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    Garitz

    Ab in die Buddel!

    Matthias Schultz baut seit fünf Jahren Buddelschiffe. Einige davon sind in seiner Wohnung in Garitz zu sehen.  Foto: Benedikt Borst
    Matthias Schultz baut seit fünf Jahren Buddelschiffe. Einige davon sind in seiner Wohnung in Garitz zu sehen. Foto: Benedikt Borst

    Ein Nordlicht hat es in die Rhön verschlagen. Mit im Gepäck: Norweger-Pullover, Backenbart, breiter plattdeutscher Dialekt und ein Hobby, das sonst eher an der Küste zu finden ist. Matthias Schultz ist gebürtiger Bremer. Da ist seine Leidenschaft für Segelschiffe quasi in die Wiege gelegt, auch wenn er selbst nicht zur See fährt. Der 46-Jährige arbeitet als freiberuflicher Journalist für verschiedene Fachzeitschriften. Privat ist er Ehemann, Vater und Buddelschiffbauer.

    Für alle Franken und sonstige Landratten, die nicht wissen was das ist: Schultz baut filigrane Modellsegelschiffe, die er dann mittels ausgeklügelter Technik in Flaschen quetscht und ausstellt. "Ich sehe mich in der Tradition der Seeleute des 19. Jahrhunderts. Mein Hobby ist eine Fortsetzung der Volkskunst", sagt er.

    Hochzeit auf dem Buddelschiff

    Schon als Kind kam er mit Modellbau in Berührung. Damals drehte sich allerdings alles um die Standard-Plastikmodelle aus dem Spielwarenladen wie Oldtimer und Flugzeuge. "Aus heutiger Sicht würde ich sagen, die waren halbe Höhe", findet er. Schultz wusste, dass er irgendwann einmal etwas Anspruchsvolles basteln wollen würde. "Mit zehn Jahren habe ich mir gesagt, du bastelst irgendwann im Leben einmal ein richtiges Buddelschipp."

    Bis dahin sollte es aber noch mehr als 30 Jahre dauern, und zwar bis zu seiner Eheschließung 2013. "Wir haben auf der Schulschiff Deutschland geheiratet. Die Hochzeit habe ich als Anlass genommen, um mein erstes richtiges Buddelschiff zu bauen." Die Schulschiff Deutschland ist ein ehemaliges Segelschulschiff der deutschen Handelsschifffahrt. Heute liegt es als Kulturdenkmal in Bremen-Vegesack. Der Nachbau des historischen Dreimasters steht heute in Schultz' Vitrine, auf dem Deck hat er seine Frau und sich bei der Trauung als Holzfigürchen verewigt.

    33 Buddelschiffe hat der studierte Architekt und Kunsthistoriker in fünf Jahren gebaut. Als Vorbilder verwendet er Segler aus der ganzen Welt, vom deutschen Handelsschiff über britische Marinekutter bis zur chinesischen Dschunke. Schultz: "Ich brauche die Vielfalt der Modelle. Ausschlaggebend ist für mich die Ästhetik. Ich habe nur meine Freude daran, wenn es schön ausschaut." Anregungen holt er sich in Museen und in einem Fachforum im Internet.

    Ein Budellschiff entsteht ausschließlich in Handarbeit. "Da gibt es keine vorgefertigten Teile. Ich mache alles selber", erzählt er. Je detaillierter ein Schiff, desto aufwendiger ist es. "Ein Modell besticht durch seine Detailarbeit." Wenige Tage bis mehrere Wochen Arbeit benötigt Schulz für ein Modell. Mit zwölf Wochen am aufwendigsten war bislang der Nachbau der "Preussen". Der Frachtsegler war mit fünf Masten das größten Vollschiff, das jemals gesegelt ist. Ebenfalls sehr stolz ist Schultz auf sein Modell des Fliegenden Holländers. Das Besondere daran: Das Schiff hat er nicht aus Holz, sondern aus Tierknochen gefertigt. "Das war eine Knochenarbeit. Das war mit Schnitzen nicht viel zu machen." Den Schiffsrumpf hat er mit einem Diamantbohrer aus einem Pferdefuß herausgefräst. Als Vorbild diente ihm eine Pinasse, die real in dem Gebiet fuhr, in dem auch das sagenumwobenen Schiff angesiedelt ist.

    Ochsentour durch Flaschenhals

    Der Arbeitsablauf ist bei jedem Schiff ähnlich. Am Anfang sucht der Buddelschiffbauer sich seine Buddel. "Die Flasche ist der Ausgangspunkt. Habe ich die Flasche, überlege ich, welches Schiff geht da rein." Er recherchiert zu den Originalen, fertigt eine Skizze an, dann beginnt die Bastelei. Der Schiffskörper wird - oft in mehreren Teilen - ausgesägt und in Form gefeilt. Danach fertigt Schultz die Aufbauten an, wie Reeling, Masten und Segel, aber auch Kanonen und Steuerrad. Das Modell wächst von unten nach oben. Dann kommt der entscheidende Moment: Die Ochsentour durch den engen Hals der Flasche. "Da wird es durchgequetscht und man hofft, dass alles heil bleibt", sagt er. Hat das geklappt, klebt er die Einzelteile zusammen, richtet die Masten auf und verschließt die Buddel, damit das Kunstwerk Generationen übersteht.

    Schultz ist vor kurzem mit seiner Familie aus beruflichen Gründen nach Bad Kissingen gezogen. Wer sich auch mit Modellbau beschäftigt oder Fragen zu Buddelschiffen hat, erreicht ihn per E-Mail unter hoetger@freenet.de.

    Benedikt Borst

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