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    Bad Bocklet

    Jeder kann helfen ein Stück vom Regenwald zu retten

    Cornelia Keuler gibt Tipps, wie man durch das eigene Konsumverhalten den Regenwald retten kann.   Anja Vorndran
    Cornelia Keuler gibt Tipps, wie man durch das eigene Konsumverhalten den Regenwald retten kann. Anja Vorndran

    Ihre Leidenschaft für die Natur begann ganz harmlos in der Kindheit mit der Begeisterung für Dokumentationen. Den Traum selbst Filme zu drehen träumte Cornelia Keuler alias Conny Keule, als Jugendliche nicht besonders lange. Sie absolvierte lieber ein Studium in Triesdorf und arbeitete als Umweltingenieurin mit dem Spezialgebiet Regenwald . Keulers Diplomarbeit trägt den Titel "Die Heilpflanzen Perús als eine mögliche Strategie, die Regenwälder aufrecht zu erhalten". Dafür flog sie als Studentin nach Südamerika. "Das war superspannend und ich fuhr zwischen Regenwald und Anden hin und her um die nötigen Informationen einzuholen". Wie ein grüner Gürtel umfasst der tropische Regenwald den Äquator. Beim Anblick der verheerenden Feuer im Regenwald , die kürzlich in den Nachrichten und im Internet zu sehen waren und die zum Teil durch Brandrodung entstehen, wird der 42-Jährigen richtig schlecht.

    Aber was geht der brennende Regenwald die Bürger von Bad Kissingen an? "Viel", sagt Keuler, "denn langfristig werden wir alle, auch hier im Landkreis unter den Folgen zu leiden haben". Der Regenwald ist, um es vereinfacht auszudrücken, der Hauptantrieb für das Weltklima - er bestimmt die Luftströmungen und damit die Verteilung der Klimata. Man kann sich das vorstellen, wie ein Uhrwerk aus Zahnrädern - ineinander greifende Kreisläufe. Ist der Regenwald am Amazonas, als Hauptmotor für das Weltklima weg, verändern sich alle klimabedingten Gegebenheiten und das auch in Bad Kissingen.

    Brandrodung oder Abholzung um Weideland oder Sojafelder zu schaffen, begünstigen das Austrocknen und damit den Anstieg der Temperaturen weltweit und das Entstehen von verheerenden Stürmen. Klimawandel heißt das Schlagwort, das viele schon nicht mehr hören mögen. Zu oft in der Zeitung, zu oft im Fernsehen, zu oft im Internet. Einfach abschalten - ist doch ganz einfach, aber keine Lösung. Einfach ist, etwas zu tun und das kann jeder.

    Einmal pro Woche Fleisch

    "Man kann zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen", sagt Keuler "wenn man nur ein Mal pro Woche Fleisch isst." Eine ganz einfache Regel, die bis Ende der 1960er Jahre ohnehin in den meisten Haushalten eingehalten wurde, weil Fleisch teuer war. Heute ist bekannt, dass regelmäßiger und zu hoher Fleischkonsum Herzerkrankungen fördert und das Risiko an Darmkrebs zu erkranken erhöht. Was hat Fleischkonsum mit dem Regenwald zu tun? "Viel", sagt Keuler wieder, "denn um das nötige Futter für die Massentierhaltung anzubauen, wird der Regenwald gerodet".

    Sie sitzt am Küchentisch, streicht sich eine Bio-Nougatcreme auf ein Brot und nennt den zweiten Tipp zum regenwaldfreundlichen Einkauf und der heißt: "Produkte ohne Palmöl oder Palmfett kaufen". Sie gibt - zwischen einem Schluck Milch aus der Region und einem weiteren Bissen zu, dass das nicht ganz so einfach ist. Vielen Produkten sieht man den Inhalt nicht an, in den meisten Schokoladen, Pralinen, sogar in Butter oder Margarine ist Palmöl enthalten, es sorgt für eine gute Streichfähigkeit - und dafür, dass Bäume gerodet und stattdessen Ölpalmen angepflanzt werden. Das tropische Öl steckt in Lebens-, Reinigungs- und Kosmetikartikeln und auch im Dieselkraftstoff in Form von Biosprit .

    Palmöl streichen

    Laut Homepage von "Rettet den Regenwald " importieren die EU-Länder sechs Millionen Tonnen Palmöl pro Jahr, Deutschland importiert mehr als eine Millionen Tonnen Palmöl pro Jahr. "Nach drei Jahren sind die Böden ausgelaugt und der Wald zerstört", erklärt die Fachfrau. Als "Nebeneffekt", das nehmen die Konzerne in Kauf, werden Tiere und Pflanzen vernichtet, Kleinbauern müssen ihre Heimat verlassen, weil der Boden nichts mehr hergibt. "Wenn jeder die Unternehmen anschreibt, Palmöl aus den Produkten zu nehmen, dann kommt das an ", ist Keuler überzeugt.

    An Rohstoffen wie Erdöl, Coltan, Kupfer, Gold, Palmöl oder Soja haben große Konzerne Interesse, gibt die Tropenwaldstiftung "Oro Verde" an und nennt Zahlen: "36 Prozent der global gehandelten Rohstoffe, für die Tropenwälder fallen mussten, wurden in die EU geliefert". Es geht auch anders, denn als nächsten Leckerbissen stellt Keuler eine selbst gemachte Kräuterrolle aus Blätterteig, Brennesseln, Giersch, wilden Möhren, Tomaten und Schafskäse auf den Tisch. "Lecker und klimaschonend", sagt sie, denn die Kräuter wachsen nebenan, alles andere gibt es im Bio-Format aus der Region zu kaufen. Mit ihrer Lebensweise will sie auch andere Menschen für den Regenwald begeistern. "Wir alle leben auf diesem Planeten Erde und noch ist er wunderschön", sagt sie. Dem Regenwald hilft sogar auf das Rad steigen oder zu laufen, statt mit dem Auto zu fahren. Und, es trägt glatt zur Gesundheit bei.

    Anja Vorndran

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