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    Bad Kissingen

    Jobmesse Bad Kissingen: Durchblick für Tätigkeit daheim

    Optikermeisterin Juliane Köllmer packt nach Möglichkeit im Familienbetrieb mit an.  Foto: Benedikt Borst
    Optikermeisterin Juliane Köllmer packt nach Möglichkeit im Familienbetrieb mit an. Foto: Benedikt Borst

    Im Gegensatz zu vielen Freundinnen hat sich Juliane Köllmer für eine Ausbildung im Handwerk entschieden. "Ich habe schon als kleines Kind gesagt, dass ich Optiker werden will", erzählt sie. Aus dem Familienbetrieb, den Vater Jochen in der Grabengasse führt, hat sie sich als Kind aber noch herausgehalten. Nach der Schule begann die heute 23-Jährige dann aber dennoch ihre Optiker-Ausbildung. Inzwischen hat sie ihre Gesellenprüfung als Kammerbeste abgelegt, hat ihre Meisterprüfung bestanden und eine Zusatzausbildung zum Optometristen absolviert. Für ihre Leistungen wurde sie mit dem Meisterpreis der Bayerischen Staatsregierung ausgezeichnet. "Ich liebe meinen Beruf", sagt sie. Weil er abwechslungsreich ist: Sie berät Kunden , braucht handwerkliches Geschick und medizinisches Wissen.

    Als staatlich geprüfte Optikerin vermisst sie die Augen der Kunden , ermittelt die Sehschärfe, schleift Brillenlinsen in Form und misst die Passform von Kontaktlinsen aus. Kurzum: "Es geht darum, das bestmögliche Sehen für den Kunden zu erreichen", sagt die Bad Kissingerin. Als Optometristin begutachtet sie die Augen zusätzlich unter medizinischen Gesichtspunkten. Dabei kann sie Fehlstellungen und Erkrankungsauffälligkeiten erkennen. "Eine Diagnose dürfen Optometristen nicht stellen, aber wir können an einen Facharzt weiterverweisen", erklärt Köllmer. Das könne beispielsweise bei der Früherkennung von Krankheiten helfen.

    Heimat als Alternative

    Wenn es die Zeit erlaubt, hilft sie im Familienbetrieb mit aus, ansonsten ist die junge Optikermeisterin derzeit in München bei einem Optikerbetrieb angestellt. Dort will sie zunächst Berufserfahrungen sammeln, vor allem als Optometristin. Es brauche viel praktische Übung, um Fotos vom Augenhintergrund gut auszuwerten. Grundsätzlich könne sie sich gut vorstellen, später wieder in die Heimat zurückzukehren. "Die Großstadt finde ich schön, aber um immer dort zu leben, ist es nichts", sagt sie. Dass sie in vierter Generation in den Familienbetrieb mit einsteigt, ist für sie nicht abwegig.

    In Zeiten von rar gesäten Fachkräften und schwierigen Unternehmensübergaben würde es Vater Jochen Köllmer natürlich freuen, wenn sich die Nachfolge in seinem Betrieb auf diese Weise regeln ließe. Schon jetzt ist er froh über die Unterstützung des Nachwuchses. " Fachkräfte zu bekommen, ist enorm schwierig", berichtet der Optikermeister. Der Betrieb müsse sich deutlich mehr anstrengen, um qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Während es dem Betrieb über persönliche Kontakte und Berufsinfoveranstaltungen an Schulen zwar noch gelingt, regelmäßig Auszubildende zu finden, ist die Lage bei den Fachkräften deutlich schlechter. Für zwei Mitarbeiter - einer ging in Rente, eine in Elternzeit - habe er zuletzt Ersatz gesucht. Ohne Erfolg. "Über die Familie wurde das vorübergehend abgefangen", berichtet Köllmer. Um jemand Neuen zu finden, musste er den Betrieb umorganisieren: Er stellte eine branchenfremde Bürokraft für administrative Arbeiten ein, damit die Optiker sich mehr auf das Handwerkliche konzentrieren können.

    Jobmesse für Fachpersonal

    Der Fachkräftemangel beschäftigt viele Unternehmer in der Region. "Betriebe müssen Kundenaufträge absagen, weil sie nicht genug Personal haben", berichtet Bernadette Köth, Kreissprecherin der Wirtschaftsjunioren Bad Kissingen . Auch Expansionspläne zerschlagen sich, weil qualifizierte Fachkräfte fehlen. Ländliche Regionen wie der Landkreis Kissingen haben insbesondere damit zu kämpfen, dass die Fachkräfte in größere Städte und Metropolregionen abwandern. "Und das, obwohl es auch bei uns durchaus attraktive Möglichkeiten gibt", sagt sie. Das gelte nicht nur für das Jobangebot für einen selbst, sondern auch für die Karrierechancen des Partners sowie für gute Angebote für Familien, wie etwa die Kinderbetreuung. Um dem Fachkräftemangel entgegenzutreten, organisieren die Wirtschaftsjunioren am Samstag, 12. Oktober, die erste "Jobmesse Bad Kissingen ". Die Messe soll Unternehmen und der Region die Möglichkeit bieten, sich zu präsentieren. Sie richtet sich an Fach- und Führungskräfte sowie Absolventen. Einen ausführlichen Bericht finden Sie auf .

    Benedikt Borst

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