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    Oerlenbach

    Jubiläum der Oerlenbacher Pilger

    Zur Belustigung beim Begegnungsabend im Pfarrheim spielen Wallfahrer den Start der Prozession nach. Foto: Peter Klopf
    Zur Belustigung beim Begegnungsabend im Pfarrheim spielen Wallfahrer den Start der Prozession nach. Foto: Peter Klopf

    Bereits seit 150 Jahren machen sich Wallfahrer von Oerlenbach aus zu Fuß auf den Weg zur Wallfahrtskirche "Maria im grünen Tal" in Retzbach. Zum Abschluss des Jubiläumsjahres trafen sich die Pilger bei einem Festgottesdienst in der Oerlenbacher Pfarrkirche St. Burkard, den der frühere Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann und der langjährige Retzbacher Wallfahrtspfarrer Gerold Postler gemeinsam zelebrierten.

    Bei einem Empfang zuvor im Rathaus trugen sich Bischof Hofmann, Pfarrer Postler und der Wallfahrtsführer Otmar Lutz in das Goldene Buch der Gemeinde ein. Bürgermeister Franz Kuhn sagte bei seiner Ansprache, dass viele bei der Wallfahrt Raum fänden, um einmal für eine kurze Zeit innezuhalten und sich neu aufzustellen.

    "Mit dem Empfang möchte auch die Gemeinde den Einsatz und die Leistung all derjenigen würdigen, die diese Wallfahrt seit Jahren und Jahrzehnten durchführen", erklärte der Bürgermeister. Bischof Hofmann führte aus, dass er große Achtung vor den Wallfahrern habe: "Ich erinnere mich, als ich mich als Kind von Köln aus auf die Wallfahrt nach Kevelaer machte. Ich hatte Blasen an den Füßen und weiß daher, was Wallfahren bedeutet."

    Der Festgottesdienst wurde von der Wallfahrtskapelle unter der Leitung von Tobias Lutz musikalisch begleitet. Fahnenabordnungen erwiesen die Anerkennung der örtlichen Vereine für die Wallfahrer. Hofmann ging bei der Festpredigt auf die Wallfahrt nach Retzbach ein und erklärte, dass Wallfahren wieder an Bedeutung gewinne.

    Man müsse in der heutigen Zeit über den Tellerrand schauen. "Im Grund sind wir alle Pilger zwischen dieser Erde und dem Himmel", sagte der Bischof.

    Renate Brand aus Ebenhausen war 40 Mal in Retzbach dabei, davon die letzten 15 Jahre als Vorbeterin: "Wallfahren ist wie eine Sucht. Man will einfach dabei sein. Die Wallfahrer sind wie eine große Familie. Einmal nicht dabei zu sein ist für mich so, als wenn man Weihnachten mit den Kindern ausfallen ließe. Ich würde nie im September Urlaub machen. Jeder in meiner Familie und auch meine Freunde wissen, dass das dritte Wochenende für Retzbach reserviert ist."

    Der 83-jährige Reinhold Reuß aus Pfersdorf war 1964 das erste Mal bei der Wallfahrt dabei. 44 Mal hat er sich auf den Weg gemacht. Seit sechs Jahren kann er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr teilnehmen. Trotzdem schlägt sein Herz für die Wallfahrt: "Ich sage jede Viertelstunde zu meiner Frau, wo die Prozession sich gerade befindet. Es ist wie ein Virus, der einem befällt."

    Auch er war lange Jahre Vorbeter und hat auch die Lieder vorgegeben. "Wenn mich manchmal die Musikanten geärgert haben, habe ich am Berg zwei bis drei Strophen vorgegeben", sagte er schelmisch - wenn man an einem Anstieg ein Lied blasen muss, braucht man als Musikant viel Luft und es ist sehr anstrengend.

    Er habe erlebt, dass manche bei ihrer ersten Wallfahrt gesagt haben, es sei doch nur ein Spaziergang. "Danach revidierten sie ihre Meinung", sagte Reuß. Das gesellige Beisammensein, wenn die Musik gespielt und der Wein geschmeckt hat, war für ihn besonders schön.

    Anfangs musste er mit 25 Leuten eine Lagerstatt in der Nacht teilen, die vergangenen 20 Jahre habe er in einem Privatquartier genächtigt. "Ich habe alles mitgemacht. Da hätten manche in den Sack gehaut", sagt Reuß. Wenn er und andere am nächsten Morgen müde waren und einen Schoppen zu viel getrunken hatten, sagten die Weggenossen immer: "Na, habt ihr wieder gelumpt?" Doch da musste man durch, auch wenn der Heimweg schwerer wurde, sagte Reuß.

    Beim Begegnungsabend im Pfarrheim konnten sich die rund 150 Wallfahrer und Gäste nach dem Gottesdienst noch einmal austauschen. Für Unterhaltung sorgten die Wallfahrtskapelle sowie Monika und Otmar Lutz mit einem Sketch, im dem sie Erlebnisse der Wallfahrt im Wechselgespräch aufarbeiteten. Mit einer lustig nachgeahmten Wallfahrt und zwei Liedern sorgte der "Wallfahrtschor" unter der Leitung von Ralf Müller für Stimmung.

    Eine besondere Ehre war der Eintrag ins "Goldene Buch der Wallfahrt". Dabei sollten die jenigen ausgezeichnet werden, die vier Jahrzehnte nicht nur mitgepilgert waren, sondern auch einen zusätzlichen Dienst übernommen und damit für die Gemeinschaft etwas getan hatten.

    Eintragen durften sich Renate Brand, Reinhold Reuß, Elvira Kuhn, Maria Schmid und Rosemarie Breitenbach. Monika Lutz wurde zusätzlich für ihre Arbeit im Hintergrund geehrt. Denn sie ist nicht nur engagierte Ideengeberin, sondern neben ihrem Ehemann Otmar Lutz auch der treibende Motor für die Ausführung der vielfältigen Aufgaben.

    Peter Klopf

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