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    Schönderling

    Jürgen Hüfner: Ein Rhöner Universaltalent im Gespräch

    Auch altes Rhöner Schreinerwerkzeug hat seinen Platz in der Physioscheune gefunden.Johannes Schlereth

    Die Liebe zur Fotografie entdeckte er noch im analogen Zeitalter, bald war die Rhön mit Land und Leuten das Lieblingsmotiv des gebürtigen Oberbachers Jürgen Hüfner. Doch nicht nur mit der Kamera ist der 44-Jährige aus Schönderling voller Herzblut unterwegs. Ein Gespräch mit dem Rhöner-Multitalent über den Virus "Rhönleidenschaft".

    Herr Hüfner - wie entdeckten Sie ihre Leidenschaft zum Fotografieren? Jürgen Hüfner: Ich war damals 17 und habe eine Kamera geschenkt bekommen. Das war zu Analogzeiten. Ich habe anfangs ein bisschen geknipst und bin dann in die Landschaftsfotografie und habe mit der Kamera die Rhön erkundet. Ab da ging es eigentlich dann auch schon los. Wenn ich die Rhön erkundet habe, hatte ich die Kamera dabei. Das habe ich dann mit der Zeit ausgebaut. Ab circa 2003 war ich zweigleisig unterwegs: also mit analoger und digitaler Kamera. Dann habe ich die Vorzüge der neuen Sensoren entdeckt und damit die Nachtfotografie. Aus den Nachtbildern wurde auch mein erstes Buch "Rhönglühen", das ich 2014 veröffentlicht habe.

    Auch als Netzpionier kann man Sie bezeichnen: Als das Internet in Kinderschuhen steckte, bemühten Sie sich mit der "Rhönline" darum, das Land der offenen Fernen ins Netz zu transportieren. Wie kam es dazu? Ich habe damals das Internet nach der Rhön durchforstet und nichts gefunden. Mit meinem Bekannten Marc Niedermeier habe ich dann 1996 die "Rhönline" aus der Taufe geholt. Die erste Rhön-Site im Netz - wenn ich mich nicht täusche. Ich war hauptsächlich für den Inhalt zuständig, er fürs Programmieren. Das war dann der Auslöser für alles was folgte. Ich habe Karten zur Hand genommen und begonnen, die Rhön zu durchforsten. Aber auch Fachbücher haben mir dabei sehr viel geholfen.

    Fortsetzung fand Ihre Rhön-Leidenschaft dann auch im sozialen Netzwerk Facebook - was war der Anlass? Tatsächlich war es fast die gleiche Situation wie damals in den 90ern bei der "Rhönline". Ich habe mich angemeldet und irgendwann nach Gruppen gesucht, die mich interessieren. Auch hier war wieder die Erfahrung: Es gab keine Fotogruppe über die Rhön. Daraufhin habe ich dann Gruppen gegründet, in denen sich meine und die Interessen von Gleichgesinnten bündeln. Daraus wurde ein schönes Netzwerk, was mir auch bei einem meiner Projekte hilft.

    Von welchem Projekt sprechen Sie? Ich arbeite aktuell an einer Sammlung zum Rhöner Dialekt. Über meine Gruppe "rhöner Dialekt" habe ich beispielsweise nach verschiedenen Rhöner Pflanzennamen für mein Projekt "Rhöner Mundartgarten" geforscht. Außerdem habe ich durch meinen Job als Physiotherapeut häufig Kontakt zu älteren Menschen, die noch viel Dialekt sprechen. Da horcht man natürlich auf und schreibt sich so manches auf. Das Problem ist, dass die Dialektsprecher langsam aussterben. Da geht viel verloren. Ich versuche durch mein Projekt den hiesigen Dialekt für die Nachwelt zu erhalten. Aber ich fahre eigentlich mehrgleisig. Aktuell beschäftige ich mich stark mit Mühlen in allen drei Teilen der Rhön. Daraus soll ein Buch werden, wann es soweit ist, kann ich allerdings noch nicht sagen. Außerdem halte ich Vorträge in Vereinen und Kliniken. Viele Kurgäste kennen die Rhön nicht, ich bin quasi auch als Botschafter für die Region unterwegs.

    Sie haben Ihren Beruf angesprochen. Auch in Ihrer Physiotherapie-Praxis spiegelt sich die Rhön wieder. Wie kam es dazu? Meine Faszination für Land, Leute und Gegenstände des täglichen Gebrauchs war ja von Anfang an da. In der Praxis fing alles mit einer Heimatecke an. Irgendwie wurde das immer mehr. Eben noch war es nur eine Wand, plötzlich die ganze Praxis. Das hat sich wie ein Virus im Gebäude verbreitet. Viele Patienten haben meine Sammlung noch mit alten Gegenständen ergänzt.

    Wissen Sie, wie viele Objekte Sie mittlerweile besitzen? Das ist schwer zu sagen. Ich schätze Hunderte. Der Kreisheimatpfleger war auch schon bei mir und war begeistert. Ein Glücksfall für mich war die Übernahme des "Kompheinisch" - Museums in Motten, das mir der Vorbesitzer Peter Skrodzki beinahe komplett überließ.

    Das heißt, Sie sammeln weiter. Was wäre ein Wunschobjekt von Ihnen? Ich suche noch einen Kienspanhalter. Das ist eine Halterung, in der damals harzgetränkte Holzspäne als Lichtquelle angezündet wurden.

    Johannes Schlereth

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