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    Bad Bocklet

    Jugend hält Tradition aufrecht

    Fronleichnam ist ein Hochfest in der katholischen Kirche. Mit diesem wird die leibliche Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie gefeiert. Ein Merkmal von Fronleichnam ist auch die Prozession, bei dem sich die Gläubigen mit dem Priester, der das so genannte Allerheiligste trägt, auf einen Festzug durch die Straßen begeben. Diese sind mit kleinen Birken geschmückt, der Grasteppich zu den Füßen des Priesters ist mit zahlreichen Blüten verziert, die oft schöne Muster bilden. Im Vorfeld bedeutet dies für die Anwohner viel Arbeit, aber der schöne Anblick entschädigt dafür. Leider ist es nun so, dass es für viele sehr schwer ist, Gras und Birken heranzuschaffen. Wenn man im Ort wohnt, aber über keinen Schlepper mit Anhänger verfügt, dann ist guter Rat teuer. Andererseits wäre es aber auch schade, wenn ein solcher Brauch aussterben würde. Was also tun?
    Diese Frage hat sich auch der Jugendverein im Markt Bad Bocklet e. V. gestellt. "Uns war es wichtig, dass der Fronleichnamsbrauch aufrecht erhalten wird. Denn wenn erst einmal einer aufhört, sein Stück auf der Straße zu schmücken, dann folgen sicher andere nach und der Brauch könnte einschlafen", sagt Florian Grom, der gemeinsam mit Matthias Grom Vorsitzender des Jugendvereins ist. Da Lamentieren über die Situation aber nicht hilft, hat der Verein bereits vor fünf Jahren mit einer besonderen Aktion begonnen: "Die Anwohner können bei uns Birken bestellen, die wir dann pünktlich am Tag vor Fronleichnam liefern", sagt Grom. Dies geschieht unentgeltlich, natürlich freuen sich die Verantwortlichen immer über eine kleine Spende in die Kasse des Jugendvereins.


    Auch um den Grasteppich kümmert sich der Verein. Von der Kirche bis zur Metzgerei Grom sind es rund 600 Meter, die von den Jugendlichen und weiteren Helfern mit Gras bedeckt werden. "Das Schmücken mit Blumen übernehmen dann natürlich die Anwohner", sagt der Vorsitzende. Dass auch diesen der Erhalt der Tradition wichtig ist, zeigt sich an den oft sehr phantasievollen Kreationen, die sowohl auf der Straße aber auch am Rand in kleinen, liebevollen Stationen zu sehen sind. Das Fronleichnamsfest ist deshalb auch immer ein echter Hingucker. "Allein würden wir das alles natürlich nicht schaffen. Deshalb arbeiten wir hier eng mit der Gemeinde zusammen, die uns beim Beschaffen der Birken unterstützt", berichtet Grom.
    An Fronleichnam läutet bei den Jugendlichen schon früh der Wecker. Denn auch wenn erst um 10 Uhr Gottesdienst ist: der Grasteppich will verlegt werden, und so beginnen sie bereits um 6 Uhr mit den Arbeiten. "Nach der Prozession müssen wir das Gras auch wieder auf den Hänger laden und dann zur Grüngutsammelstelle bringen", berichtet Grom. Auch das wird mit viel Freude und in gemeinschaftlicher Arbeit gemacht.
    Einen Tag vor Fronleichnam treffen sich an die 25 Mann, um die Wiesen zu mähen. Gemeinderat Peter Holzheimer und Manfred Söder haben hierfür ihre Grundstücke zur Verfügung gestellt. Dabei gehen die Jugendlichen ganz traditionell vor: mit einem Fendt Fix 2 mit Balkenmäher, der Ende der 50er Jahre gebaut wurde, wird das Gras gemäht. Der Traktor gehört Kilian Bauer, für die Aktion stellt er seinen "Bulldog" gerne zur Verfügung. "Früher vor der Flurbereinigung wurden die Straßen noch mit Schilf ausgelegt, welches in den zahlreichen Gräben wuchs. Als dies immer mehr zurückging, ist man auf Gras umgestiegen", erinnert sich Georg Bauer zurück, der den Jugendlichen bei der Aktion hilft. Seine Tochter, Marie Bauer, ist bei der Aktion auch mit von der Partie: "Ich mache seit circa einem Jahr mit und habe viel Freude daran". "Es gehört halt einfach dazu und es macht Spaß, weil hier viele mithelfen", hat Jonas Bocklet die Erfahrung gemacht. Außerdem wird so die Tradition aufrecht erhalten, was den Jugendlichen sehr wichtig ist.
    Nach der Prozession und dem Gottesdienst treffen sich Jung und Alt im Restaurant Laudensack zur Unterhaltung. "Es ist immer eine schöne Sache, wenn man zusammensitzt", so Grom. "Der Zusammenhalt zwischen jung und alt ist heute wesentlich besser als früher", meint Georg Bauer. Und auch wenn die Vorbereitungen für den Fronleichnamszug für die Mitglieder des Jugendvereins einiges an Arbeit bedeuten: für sie lohnt es sich, allein schon deshalb, weil damit die Tradition aufrecht erhalten und die Gemeinschaft gestärkt wird. Da ist es dann auch nicht so schlimm, wenn man am Feiertag schon um 6 Uhr auf der Matte stehen muss.

    Weitere Infos über den Jugendverein im Markt Bad Bocklet gibt es unter jugendverein-bb.de und auf Facebook. Bjoern Hein

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