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    Hammelburg

    Kampf gegen den Schwammspinner im Stadtwald

    So sieht das filzartige Eigelege des Schwammspinners an einem Eichenstamm aus. Foto: Nicolas Armer/dpa
    So sieht das filzartige Eigelege des Schwammspinners an einem Eichenstamm aus. Foto: Nicolas Armer/dpa

    Die Diskussion, ob der Schwammspinner mit dem Insektizid Mimic bekämpft werden soll, hat auch den Hammelburger Stadtrat erreicht. Nachdem der Bau-, Forst- und Umweltausschuss das Thema vor zwei Wochen bereits besprochen hatte, entschied der Stadtrat am Montagabend nun für die Besprühung der Baumkronen per Hubschrauber - auch wenn es gegensätzliche Ansichten dazu gab.

    Die Situation aus Sicht des Forsts schilderte Matthias Wallrapp. Die Dichte an Eigelegen liegt demnach deutlich über der Schadschwelle. So sind laut dem Forstexperten bei umfangreichen, stichprobenartigen Untersuchungen im November und Dezember durchschnittlich fünf Gelege pro Baum an den Stämmen entdeckt worden. Die Schadschwelle - der Wert, ab dem eine Bekämpfung als sinnvoll gilt - liege bei einem Gelege pro Baum.

    Von einem "sehr sehr kritischen Befall", sprach Wallrapp. Aus einem Gelege können bis zu 500 Raupen schlüpfen, die die Blätter fressen. Da die Bäume nach der extremen Trockenheit im vergangenen Jahr geschwächt sind und daher mit Ausfällen zu rechnen ist, ist der Befall ein zusätzliches Risiko. Das wolle er nicht eingehen, sagte Wallrapp.

    Daher war die Schwammspinnerbekämpfung mit dem Pflanzenschutzmittel, die die bayerische Forstverwaltung zahlt und mit der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft organisiert, seine Empfehlung an den Stadtrat. Dass dies keine leichte Entscheidung sei, erklärte Bürgermeister Armin Warmuth ( CSU ). Hans Schönau, Ortssprecher von Obererthal, sagte, dass er geteilter Meinung sei, nach all dem, was über das Thema zu hören und zu lesen ist. Wenn er aber die schöne Waldkuppe sehe, denke er schon, dass "wir ohne Bekämpfung nicht davonkommen werden", erklärte Schönau.

    Der Höhenzug zwischen Untererthal und Obererthal und der Wald zwischen Untererthal und Windheim gehören zu den beiden Flächen, um die es ging - laut Wallrapp insgesamt zwischen 30 bis 40 Hektar, was zwischen einem und zwei Prozent des Stadtwalds ausmacht. Es sind schwierige, sehr felsige Standorte mit einem ökologisch wertvollen, in etwa 100 Jahren gewachsenen Bestand. Es ist gerade die Zusammensetzung an Baumarten, die dort wachsen kann und die den Vorstellungen der Forstleute entspricht.

    "Man muss aber auch andere Argumente betrachten. Darf man den Wald spritzen, wie ein Maisfeld?", sagte Rita Schaupp ( SPD ). Reimar Glückler (CBB) wies darauf hin, dass die Bekämpfung dem Anliegen des jüngsten Volksbegehrens widerspricht, weil damit Insekten kaputt gemacht würden. Da es sich nur um ein bis zwei Prozent des Stadtwalds handelt, sollte man es darauf ankommen lassen und beobachten, was passiere.

    Dass der Mitteleinsatz "nicht ohne Nebenwirkungen" zu haben sei, räumte Wallrapp frei ein. "Wir sprechen von Wahrscheinlichkeiten, dass der Wald absterben werde, und von Wahrscheinlichkeiten, dass wir den Schwammspinner wieder haben werden", sagte Wallrapp. Er erklärte, dass es bei den beiden Waldflächen nicht um Holzproduktion geht. Eine Wiederaufforstung nach dem Absterben der Bestände, zu der das Gesetz verpflichte, würde mehrere 10 000 Euro kosten, wie er vorrechnete.

    "Die Frage ist, ob wir den Mut haben, noch ein Jahr zu warten und zu schauen", sagte Elisabeth Assmann (Grüne/BfU). Sie und Christian Fenn (Junge Liste) meinten mit Blick auf den Klimawandel, der die Ausbreitung des Schwammspinners begünstigt, dass an anderen Stelle angesetzt werden müsse.

    Bernd Hüfner ( CSU ) sagte dagegen: "Ich kann mir eine kahle Höhe schlecht vorstellen." Auch Detlef Heim ( CSU ) und Gabi Ebert (FWS) sprachen sich dafür aus, der Empfehlung des Forstfachmanns zu folgen. Gudrun Kleinhenz sagte: "Wir haben auch eine Verantwortung, den Wald zu erhalten."

    So stimmte der Stadtrat mit 11:6 für den Einsatz des Pflanzenschutzmittels. Wie Wallrapp erklärte, seien Abstände zur Bebauung kein Thema. Auch Weinberge oder Naturschutzgebiete seien nicht tangiert.

    Arkadius Guzy

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