• aktualisiert:

    Bad Kissingen

    Keine Touristen in Bad Kissingen: Hoteliers sind verzweifelt

    Das Tourismusverbot in Bayern zieht vielen Hoteliers den Boden unter den Füßen weg. Derweil rüstet sich das "Eli" und verschiebt Operationen. Dass die Kurtaxe wegbricht, beschäftigt die Staatsbad-GmbH
    In allen Laboren auf der ganzen Welt das gleiche Bild: Ein Laborant behandelt Proben, um einen Test auf Corona durchzuführen. Foto: Ben Birchall/dpa       -  In allen Laboren auf der ganzen Welt das gleiche Bild: Ein Laborant behandelt Proben, um einen Test auf Corona durchzuführen. Foto: Ben Birchall/dpa
    In allen Laboren auf der ganzen Welt das gleiche Bild: Ein Laborant behandelt Proben, um einen Test auf Corona durchzuführen. Foto: Ben Birchall/dpa

    In ganz Bayern dürfen keine Touristen mehr in Hotels übernachten. Heinz Stempfle, Vorsitzender des hiesigen Hotel- und Gaststättenverbands bringt die Lage in seiner Branche auf den Punkt: "Es herrscht die blanke Verzweiflung." Seine Prognosen für die Zukunft von Hotels und Pensionen in Bad Kissingen sind rabenschwarz. Der Katastrophenplan der Regierung sorgt auch für Veränderungen in den Reha-Kliniken und im Helios-St.Elisabeth-Krankenhaus: Es werden keine neue Reha-Patienten angenommen, verschiebbare Operationen werden abgesagt.

    Jetzt trifft es also auch die Hotels. Wenn Ministerpräsident Markus Söder sagt, nur die touristische Nutzung sei untersagt, dann muss das für die Hoteliers ein Schlag ins Gesicht sein. Heinz Stempfle: "Wir haben keine Tagungsgäste mehr, denn es gibt keine Tagungen mehr." Die Realität: Es hagelt stündlich Stornierungen, überall. Stempfle weiß von Hotels im Landkreis, die schon gestern Bilanz gezogen und beschlossen haben, die Tür ihres Hotels zuzuschließen. Das Rettungspaket der Regierung sieht er kritisch. "Selbst wenn die Regierung zehn Milliarden zur Verfügung stellt - es wird die kleinen und mittleren Unternehmen dennoch treffen. Die großen, fremdgeführten Hotels werden vielleicht durchkommen."

    In diesen Tagen ist Stempfle ein gefragter Mann in der Branche. Doch auch er kann den Hotel-Kollegen nicht helfen, die ihn anrufen. "Die Menschen weinen, weinen, weinen, weil sie nicht mehr zurechtkommen." Er fühlt auch mit den Wirten, "aber die meisten sind im Pachtverhältnis. Aber wenn ich Unternehmer bin und selbst einen Betrieb habe - wie soll das gehen? Es herrscht die blanke Verzweiflung." Die Branche sei, sagt er, an einem sehr ernsten Punkt angelangt. Und er erinnert an die Lieferanten: die Bäcker, die Metzger, Papierproduzenten, Reinigungen, Gärtner, Wäschereien, Masseure, Spa-Betriebe. "An uns hängen weitere Industriezweige - die Dimension ist riesig. Ich habe so etwas noch nicht erlebt - auch so eine Verzweiflung nicht."

    Keine Touristen , das ist ein schwerer Schlag für die Kurstadt Bad Kissingen . 2019 übernachteten hier als Versicherungsgäste in den Reha-Kliniken 803 269 Menschen, 804 824 buchten sich privat ein Hotel. Insgesamt waren es 1 608 824 Übernachten in Bad Kissingen im vergangenen Jahr. Und an Kurtaxe nahm die Staatsbad GmbH etwa vier Millionen Euro ein. Keine Reha-Gäste, keine Kurtaxe - wie sehr die Einschnitte die Staatsbad GmbH treffen werden, "kann ich zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt noch nicht sagen", sagt Kathrin Scheller, Leiterin des Marketingbüros. "Wir versuchen mit unseren Hotelpartnern, Vermietern und touristischen Leistungsträgern alles, um das zu meistern - etwas anderes bleibt uns nicht übrig."

    Mit der Schnelligkeit der Meldungen, wie sich der Katastrophenplan von Markus Söder verändert, wachsen auch die Unsicherheiten und Anforderungen auch im Gesundheitswesen in Bad Kissingen . Söder ordnete an, dass ab sofort alle nicht dringenden Operationen abgesagt werden, um so im Fall des Höhepunkts der Corona -Welle genügend Kapazitäten in Krankenhäusern für schwer Erkrankte zu haben. Zusätzlich wurden 5000 Medizinstudenten bayernweit akquiriert, auch Reha-Kliniken sollen helfen, Kapazitäten zu erweitern. Das heißt für Bad Kissingen , dass nach Aussage der Deutschen Rentenversicherung Nordbayern die Frankenklinik in Bad Kissingen und die Sinntalklinik in Bad Brückenau "ab sofort und bis auf weiteres" keine Patienten mehr aufnimmt. Denn zur Not sollen in diesen Kliniken auch Corona-Patienten unterkommen. Zudem liegt für diese Kliniken ein Besuchsverbot vor. Wer einen Angehörigen am Ende der Reha abholen möchte, darf die Klinik ebenfalls nicht betreten.

    Stephanie Noe ist Pressesprecherin des Helios St. Elisabeth-Krankenhauses in Bad Kissingen . "Eingriffe und Maßnahmen an Patienten werden dann verschoben, wenn nach medizinischer Einschätzung davon auszugehen ist, dass die Erkrankten in den kommenden zwei Monaten ohne diese Versorgung auskommen können." Alle übrigen Eingriffe, die keinen Aufschub erlauben, "werden wir nun zügig vornehmen, um die Kapazitäten, die wir momentan noch haben, zu nutzen." Es gelte sicherzustellen, dass ein Bett, das für einen Corona-Kranken gebraucht werde, nicht blockiert werde von einem Patienten , der nicht zwingend hätte versorgt werden müssen. Jede Entscheidung werde aber individuell und vom behandelnden Arzt getroffen. Die betroffenen Patienten werden persönlich von der Klinik kontaktiert. Die Helios-Klinik verfügt über sechs Intensivbeatmungsplätze.

    Die Europameisterschaft im Fußball im Sommer wurde auf nächstes Jahr verschoben - was ist mit dem Kissinger Sommer im Juni? Thomas Lutz vom Kissinger Sommer-Büro: "Wir gehen aktuell davon aus, dass er stattfindet. Aber wir müssen warten, wie sich alles entwickelt. Die Vorgaben des Ministerpräsidenten gehen bis 19. April - dann wird es neue Informationen geben."

    Der Katastrophenplan verändert die Region im Großen, aber auch im Kleinen: So wurden die Busfahrpläne ab Mittwoch, 18. März 2020 bis 19. April von den Schul- auf die Ferienpläne umgestellt. So werden alle mit S gekennzeichneten Fahrten in den Fahrplänen nicht mehr bedient. Ausnahme: Die Linie 8147 Bad Kissingen-Münnerstadt-Seubrigshausen verkehrt noch bis Samstag, 21. März, mit regulärem Fahrplan.

    Zwei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Bad Kissingen-Newsletter!

    Susanne Will

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!