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    Nüdlingen

    Keine Umgehung durch den Riedgrund

    Blick auf das Riedbachtal in Nüdlingen. Im Hintergrund (links) ist die Serpentine der B 287 am ehemaligen Waldschlössche...

    Die Informationsveranstaltung im TSV-Sportheim, zu der eine Gruppe von Nüdlinger Bürgern eingeladen hatte, ließ die eindeutige Ablehnung einer "Südumgehung" durch den Riedgrund erkennen. Etwa 180 Menschen, jung und alt, folgten den Ausführungen der Referenten und spendeten viel Beifall. Eingeladen hatten zwölf engagierte Nüdlinger Bürgerinnen und Bürger : Altbürgermeister Günter Kiesel, Edwin Frey, Klaus Rimpel, Markus Roßmann, Wolfgang Schupp, Heinz Nicolai, Heiko Rittelmeier, Ernst Hein, Bernd Hein, Georg Troppmann, Birgitt Waldner und Volker Süßmeyer.

    Letzterer berichtete über den aktuellen Sachstand und die eingeleiteten Aktivitäten, unter anderem über mehrere Eingaben an das staatliche Straßenbauamt Schweinfurt. Die Zielsetzung formulierte Volker Süßmeyer so: "Es geht darum zu sagen: Eine Trasse durch den Riedgrund mit seinem Wasserschutzgebiet ist Unsinn". Die Trasse, die den Ort von seinem Lebensmittel Trinkwasser abschneiden würde, mache keinen Sinn.

    Zum Handeln wurde die Interessengruppe durch die Tatsache bestimmt, dass bei der Bürgerversammlung im März lang und breit die Südvariante der Ortsumgehung trotz der Gegenargumente wieder ins Spiel gebracht worden war. Seitens der Gemeinde Nüdlingen sei nichts unternommen worden, um den Verkehr auf der Ortsdurchfahrt (B 287) zu reduzieren.



    Altbürgermeister Günter Kiesel sagte, es gelte eine "unsinnige Planung" durch das Straßenbauamt zu verhindern. Die Straßenbauverwaltung müsse bei ihrer Abwägung der Varianten zu einem vernünftigen Ergebnis kommen. In einem Brief an das Bundesverkehrsministerium habe man diese Ansicht bekräftigt. Günter Kiesel rief die Bürgerinnen und Bürger dazu auf, selbst aktiv zu werden und eigene Stellungnahmen zum Bundesverkehrswegeplan zu formulieren. Als wichtige Stichworte nannte Kiesel den Vertrauensschutz und den Lärmschutz. "Lärm macht krank und ist eine Umweltbelastung, die von den meisten Menschen als besonders störend empfunden wird", heißt es in einer Erläuterung. Bei einer Südumgehung sei der Abstand zur Wohnbebauung lediglich 55 Meter.

    Zu erhalten seien aus Naturschutzgründen die Sumpfwiesen und Feuchtgebiete im Ried, das Naturschutzgebiet "Reiterswiesener Höhen" und viele geschützte Pflanzenarten wie Diptam, Frauenschuh, Silberdistel oder Wacholderheide bzw. gefährdete Tierarten wie Bekassine, Pirol, mehrere Spechtarten, Hirschhornkäfer oder die Wildkatze. Durch die Ausführungen Edwin Freys wurden die negativen Landschaftsveränderungen durch Aufschüttungen und notwendige Böschungen im hinteren Ried verdeutlicht. Hingewiesen wurde auf die Störung der Friedhofsruhe am Naturfriedhof, der überörtliche Bedeutung habe. Zudem müssten Waldflächen beim Straßenneubau gemieden werden. Dagegen würden großflächige Waldgebiete durch die Südtrasse durchtrennt. Das überörtlich bedeutsame Naherholungsgebiet am Wurmerich werde zerstört.

    Angesprochen wurde die völlig unzureichende Verkehrsentlastung im Hinblick auf die KG 17. Laut Aussage der Planer werde die bisherige B 287 in Richtung Münnerstadt zurückgebaut, weil die Verkehrsteilnehmer sonst die Südumgehung nicht annehmen würden. Dies zeige, wie unsinnig die Südumgehung sei. Mit der Südtrasse verblieben noch immer 7.000 Fahrzeuge im Ort.

    Entscheidendes Argument: Schutz des Nüdlinger Trinkwassers im Ried. Dieses Argument wurde vom Nüdlinger Geologen Klaus Rimpel erläutert. Es gelte, die wenigen Vorkommen in Nüdlingen besonders zu schützen. Nur bei konsequentem Schutz des Grundwassers sei die Trinkwasserversorgung dauerhaft gesichert. "Eine neue Straße und Trinkwasserschutz schließen sich aber aus", betonte Rimpel. Weitere Brunnenbohrungen würden mit der Südtrasse unmöglich gemacht. Er ergänzte: "Damit verbaut man künftigen Generationen die Chance auf eigenes, gutes Trinkwasser".

    Es gab am Ende reichlich Applaus. Viele Zuhörer zeigten Bereitschaft, sich mit eigenen Argumenten an die Straßenbaubehörde oder an das Bundesverkehrsministerium zu wenden. Übrigens sah man unter den Zuhörern weder einen Bürgermeister noch ein Mitglied des Gemeinderates. Arthur Stollberger

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