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    Bad Kissingen

    Kissinger Sommer: Auf dem Baum zu pfeifen

    Die Vögel konnten blass werden vor Neid (von links: Reinhild Waldeck (Harfe), Axel Wolf (Laute), Wiebke Weidanz (Cembalo) Dorothee Mields (Sopran), Stefan Temmingh (Blockflöten) und Domen Marincic (Gamben).Gerhild Ahnert
    Die Vögel konnten blass werden vor Neid (von links: Reinhild Waldeck (Harfe), Axel Wolf (Laute), Wiebke Weidanz (Cembalo) Dorothee Mields (Sopran), Stefan Temmingh (Blockflöten) und Domen Marincic (Gamben).Gerhild Ahnert

    Wir Deutschen amüsieren uns ja gerne über eine besondere Spezies von Engländern, die an den Wochenenden bei Wind und Wetter mit sperrigen Stativen und langen Teleobjektiven durch Feld, Wald und Moor stapfen und irgendwann plötzlich in Bewegungslosigkeit erstarren: die berühmten Birdwatcher. Aber jetzt wissen wir, dass das nicht sinnlos ist: Die Engländer haben die besten Vogelstimmenkomponisten.

    Oder genauer gesagt: hatten - bevor es Teleobjektive und Stative gab. "Birds" war das Konzert überschrieben, in dem die Vögel die Hauptpartien sangen, Kompositionen aus der Renaissance und dem Barock - Zeiten, in denen die Komponisten tatsächlich den Ehrgeiz hatten, die Natur mit Klängen zu malen. Da waren die Vögel die besten Lieferanten in Sachen Melodie und Virtuosität.

    Ein Team, das diese pfiffige, bunte, aninmierende Musik wunderbar zumBesten geben konnte, waren die Sopranistin Dorothee Mields, eine hochgradig ausgewiesene Barockspezialistin, der Blockflötist Stefan Temmingh und seine "Gentleman's Band", ein Continuo-Ensemble mit Reinhild Waldeck (Harfe), Axel Wolf (Laute), Wiebke Weidanz (Cembalo) und Domen Marincic (Gamben), das in wechselnden Besetzungen wunderbare farbige Hintergründe lieferte. Was nicht überraschte, waren die virtuose Flexibilität und Genauigkeit, der schwungvolle Zugriff und die perfekte Verständigung von Dorothee Mields und Stefan Temmingh. Das durfte man von vorneherein erwarten. Was überraschte, war, wie nahe Stimme und Flöte dem Klang des Vogelgesangs so nahe kamen, dass Nachtigall und Grasmücke eifersüchtig werden konnten. Aber auch, wie sehr die beiden zu gemeinsamen Klängen und Farben fanden, sodass man nicht immer wusste, ob die Töne gesungen oder gepustet oder beides waren.

    Das Programm war so bunt wie das Federvieh selbst: Kuckuck, Nachtigall, Star, einmal sogar 23 Arten und einma auch Raben als Boten des Todes und der Melancholie. Und das in Kompositionen von Vivaldi, Arne, Schmelzer, Locke, Händel, Keiser, Fedeli, Bartlett und vielen anderen - und immer wieder von einem gewissen Anomymus. Das waren Schlager des 16. und 17. Jahrhunderts - und sind es bis heute. Es warein wunderbarer, kurzweiliger Abend, der allen Beteiligten Vergnügen bereitete. "Sweet birds deprive us never" hieß es sogar in zwei Liedern: "Süße Vögel berauben uns nie."

    Thomas Ahnert

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