• aktualisiert:

    Bad Kissingen

    Kissinger Sommer: Begegnung mit den Künstlern

    Fröhliches Frühstück unter den Arkaden des Kurgartencafés auf Einladung der Saale-Zeitung mit dem Tenor Simon Bode, der am Vortag für seine und Igor Levits Interpretation der Schubertschen "Winterreise" frenetisch gefeiert wurde. Foto: Gerhild Ahnert
    Fröhliches Frühstück unter den Arkaden des Kurgartencafés auf Einladung der Saale-Zeitung mit dem Tenor Simon Bode, der am Vortag für seine und Igor Levits Interpretation der Schubertschen "Winterreise" frenetisch gefeiert wurde. Foto: Gerhild Ahnert

    Ahnert begrüßte den absolut lockeren, gut gelaunten Gast, der begeistert davon erzählte, dass er nicht nur das Konzert mit seinem langjährigen Freund Igor Levit am Klavier und vor dem "idealen", weil bestens informierten und absolut aufmerksamen Publikum im Rossini-Saal als großes Geschenk empfunden habe, sondern sich auch am Abend beim Spaziergang durch Bad Kissingen sehr darüber gefreut habe, dass er von vielen begeisterten Konzertbesuchern angesprochen wurde.

    Ahnert eröffnete die Fragerunde mit: Wie ist Simon Bode eigentlich zum Singen gekommen? Zunächst hat er Geige und Klavier gelernt, spielte auch in einer Combo, bemerkte aber mit 17, dass er eigentlich lieber sang als redete, und begann Gesang bei Charlotte Lehmann in Hannover zu studieren. Schnell kam der Erfolg bei "Jugend musiziert" und der Deutschen Stiftung Musikleben. Auch zusammen mit seinem langjährigen Freund aus der Studienzeit und Klavierpartner Igor Levit erhielt er für ihre gemeinsamen Liedprogramme 2005 die Förderung der Stiftung. Er war Ensemblemitglied an der Oper Frankfurt und 2017/18 an der Staatsoper Hannover. 2018 gab er sein Debüt bei den Salzburger Festspielen. Von Hannover verabschiedet er sich im Moment, weil er seinen Lebensmittelpunkt nach Franken verlegt; schließlich trat seine Frau Joana Mallwitz im letzten Herbst ihre Stelle als Generalmusikdirektorin in Nürnberg an. Die Frage, ob er schon einmal unter dem Dirigat seiner Frau gesungen habe, verneinte er und meinte, dass sie beide nicht am gleichen Haus verpflichtet sein wollen, er sich aber eine Zusammenarbeit auf freier Basis durchaus vorstellen könne.

    Eine Teilnehmerin am Frühstück zeigte sich erstaunt darüber, dass er so locker und fröhlich plaudernd in ihrer Runde sitze; so etwas hatte sie sich angesichts seiner tiefernsten und anrührenden Interpretation der Seelennöte eines jungen Liebenden in der "Winterreise" beim Nachmittagskonzert überhaupt nicht vorstellen können. Bode betonte, dass das eine das andere doch nicht ausschließe; er fühle sich in beiden Situationen gleichermaßen authentisch, spiele im Gespräch mit seinen Zuhörern auch keine Rolle. Schließlich wolle der Sänger wie jeder Künstler sein Publikum erreichen, und das erreiche er nur, indem er etwas von sich selbst preisgibt.

    In Salzburg habe er die Erfahrung gemacht, dass gerade die Größten seiner Kollegen im persönlichen Umfang Arroganz oder Distanziertheit absolut nicht nötig hätten. Er suche den Kontakt und schätze auch deshalb den Liedgesang so sehr, weil er eine größere Nähe zum Publikum ermögliche als die Partien in einer Oper .

    Nach Lampenfieber befragt, meinte Bode, das gehöre zu seinem Beruf dazu: Er versuche, sich an den Rat eines älteren Kollegen zu halten, das Lampenfieber einfach als einen ganz selbstverständlichen Freund mit auf die Bühne zu nehmen.

    Als persönliche Weiterbildungsmaßnahme hört er sich nächtelang die vielen auf Youtube erreichbaren alten Aufnahmen von Sängern, besonders der 70er Jahre an, die es zum Teil gar nicht auf den Tonträgern der Zeit zu hören gibt. Die staunenswerten Aufnahmen von Hermann Prey , Fritz Wunderlich und deren Zeitgenossen waren Bodes Meinung nach auch das Ergebnis eines völlig anderen Umgangs mit Anfängern an den Opernhäusern als heutzutage. Diese hätten damals behutsam im Schutze eines Opernensembles in die Rollen hineinwachsen können, während solche Aufbauarbeit heutzutage durch die frühe Vermittlung von einmal ausgemachten Talenten über Castingleute und Agenten verhindert werde.

    Rezensionen von fachkundigen Musikkritikern und erfahrenen Hörern sind für Bode durchaus lesenswert, da sie ihm einen Eindruck vermitteln von der Außenwirkung seines Tuns. Manches beziehe er da auf sich und versuche, Kritisiertes zu verändern. Heutzutage seien aber immer mehr Schreiber ihrer Aufgabe nicht gewachsen, was manchmal ärgerliche Ergebnisse zeitige.

    Er sieht durchaus die Probleme des Kunstliedes in unserer Zeit, die es immer mehr von den Konzertprogrammen verschwinden lassen und Konzerte wie das im Rossini-Saal für ihn ganz besonders machen: "Für mich ein Glücksfall: Das Publikum bekomme ich hier geschenkt!" Er freut sich darauf, wieder zum Kissinger Sommer eingeladen zu werden.

    Gerhild Ahnert

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!