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    Bad Kissingen

    Kissinger Wölfe vor verschlossenen Türen

    Seit Jahren haben die Eishockey-Spieler der Kissinger Wölfe (links: Eugen Nold) auf eine neue Bande gehofft. Diese ist inzwischen fast fertig montiert - bis der Besitzer die Eingangs-Schlösser austauschen ließ. Foto: Hopf
    Seit Jahren haben die Eishockey-Spieler der Kissinger Wölfe (links: Eugen Nold) auf eine neue Bande gehofft. Diese ist inzwischen fast fertig montiert - bis der Besitzer die Eingangs-Schlösser austauschen ließ. Foto: Hopf

    Noch ist keine Minute in dieser Saison gespielt, aber für Schlagzeilen sorgen die Kissinger Wölfe jetzt schon. Unfreiwillig. Weil sich der Eishockey-Verein in eine Hauptrolle gedrängt sieht: im falschen Film. Die Einladung zum Pressegespräch war daher mehr eine Art Hilferuf. Um Klarheit zu schaffen. Und um den Mief aus der wabernden Gerüchteküche wegzubekommen.

    Schon komisch, da erscheint vor einigen Tagen auf einem Eishockey-Forum im Internet ein anonymes Schreiben. Ganz offensichtlich mit dem Ziel, die Kissinger Wölfe zu diskreditieren. Zeitgleich gibt es technische Probleme mit der Homepage des Vereins. Ob ein Hacker am Werk war, kann nicht bewiesen werden. Tatsache ist aber, dass die Kissinger Wölfe rund einen Monat vor Saisonbeginn vor verschlossener Halle stehen. "Ich bestätige, dass aktuell nur ich als Besitzer sowie Mitarbeiter der Eissport GmbH Zutritt zur Eishalle haben. Die Gewährleistung der Sicherheit in der Halle läuft über das technische Management der GmbH", bestätigt Alexander Kondrashov, der vor einigen Wochen die Schlösser hatte austauschen lassen.

    In den Wochen zuvor hatten die Kissinger Wölfe mit der Unterstützung von Fachkräften und Fans diverse Umbaumaßnahmen vorgenommen. Im Mittelpunkt: Der Einbau der neuen Bande, die dank der Unterstützung eines Sponsors von den Krefeld Pinguins, einem DEL-Verein, gekauft wurde. Vorwürfe, die Bande würde keine Betriebserlaubnis bekommen, stoßen im Verein auf Unverständnis, da die Bande ein TÜV-Gutachten habe und mit Hilfe einer Fachkraft aufgebaut wurde. "Wir als Verein und Vorstand waren, und dies ab März, im Sinne des Erhaltes der Eissporthalle zu keiner Zeit untätig. Die Einbauten erfolgten mit schriftlicher Genehmigung der GmbH. Zusätzlich wurden auch ohne gültigen Pachtvertrag Arbeiten erledigt. Gleichzeitig fungierten wir an verantwortlicher Stelle für die öffentliche Hand hinsichtlich der Sicherheit der Ammoniakanlage", betont Wölfe-Vorsitzender Michael Rosin.

    Der alte Pachtvertrag war seitens des Vereins gekündigt worden (wir berichteten). Auch, weil sich der Besitzer mit einem möglichen Verkauf der Immobilie beschäftigt. "Ich bestätige den Eingang von Angeboten", sagt Kondrashov dazu. Zudem wurden zugesagte Investitionen nicht getätigt", kritisieren die Kissinger Wölfe, die Anfang Juni noch so optimistisch waren, als mit Andreas Goerke ein "Neuzugang" präsentiert wurde als designierter neuer Geschäftsführer der Eissport GmbH. Und damit als Mittler zwischen Verein und Besitzer.

    Der Bitte dieser Zeitung um schriftliche Beantwortung von Fragen wollte Goerke nicht nachkommen, verwies auf Kondrashov als dafür autorisierte Person, bestätigte zumindest telefonisch, kein Geschäftsführer der GmbH zu sein. Ist aber, wie Schriftverkehr mit den Kissinger Wölfen belegt, offensichtlich eine Art Handlungsbevollmächtigter des Besitzers.

    "Es gibt gewisse Meinungsunterschiede und fragliche Punkte, wie offene Posten, die jetzt juristisch und technisch analysiert werden. Geprüft werden auch vorhandene Schäden und welche Partei für diese aufkommen muss. Nach dieser Phase der Analyse werden notwendige Renovierungsarbeiten durchgeführt, um den Saisonbetrieb in der Eishalle zu gewährleisten", sagt Kondrashov. Und: "Basierend auf der Prüfung und der Feststellung offener Rechnungen wird es womöglich zu einem neuen Vertrag zwischen der Eissport GmbH und den Kissinger Wölfen kommen."

    Eine Hinhalte-Taktik?

    Äußerungen, die der Verein als eine Art Hinhalte-Taktik interpretiert. Es seien Versprechungen wie der in Aussicht gestellte Kauf einer neuen Eismaschine oder diverse, dringend nötige Reparaturmaßnahmen nie eingehalten worden.

    Der Faktor Zeit ist auf der Seite von Alexander Kondrashov, der den Kissinger Wölfen ein neues, über fünf Jahre gehendes Vertragsangebot hat zukommen lassen. Mit einem Pachtvertrag in sechsstelliger Höhe: pro Saison. Konditionen, die der Verein als nicht akzeptabel beurteilt. "Wir können uns das schlichtweg nicht leisten. Da müsste man besoffen sein, um das zu unterschreiben", sagt Wölfe-Vorsitzender Michael Rosin. "Seit März haben wir dem Besitzer mehrere Konzepte zur Vertragsverlängerung vorgelegt, im Gegenzug tut sich seitens des Betreibers rein gar nichts, um die Eishalle eröffnen zu können", ergänzt Vorstandsmitglied Daniel Wehner.

    Die Kissinger Wölfe hoffen auf ein Einlenken des Besitzers, der sich in der Vergangenheit ja als Freund der Stadt und Förderer des Sports bezeichnet hat. Neueste Entwicklungen lassen eine andere Lösung als möglich erscheinen. "Ich kann bestätigen, dass ein großer regionaler Unternehmer ein konkretes Kauf-Interesse an der Eishalle und schon mehrere Angebote abgegeben hat", sagt Daniel Wehner. Der von Kondrashov aufgerufene Verkaufspreis ist übrigens deutlich höher als der Betrag, den der ukrainische Geschäftsmann beim damaligen Kauf an die Stadt Bad Kissingen überwiesen hatte.

    In den kommenden Tagen müssen die Kissinger Wölfe die Nachwuchs-Teams an den Verband melden, immer wieder fragen Schule und Verbände an bezüglich Eislaufzeiten. Und die Fans wollen wieder attraktives Bayernliga-Eishockey sehen. "Sollte ein Ausweichen in andere Stadien erforderlich sein, sind wir mehr als je zuvor auf die Unterstützung unserer Sponsoren angewiesen. Für die Region und den Sport wäre es das beste, Herr Kondrashov würde die Halle zu einem vernünftigen Preis verkaufen und das schnellstmöglich. Es sind nur noch wenige Abschlussarbeiten in der Halle zu tätigen, um mit der Aufbereitung der Eisfläche zu beginnen", sagt Michael Rosin. "Wenn wir den Spielbetrieb einstellen müssten, wäre der Eishockey-Sport in Bad Kissingen gestorben."

    Jürgen Schmitt

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