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    Geroda

    Kleines Privatmuseum in Geroda

    Zunächst ist das Auge überfordert. Überall, auf jedem Quadratzentimeter, stehen, hängen und stapeln sich Antiquitäten. Man weiß gar nicht, wohin man zuerst schauen soll. Am besten, man lässt sich führen, und zwar von Christina Dietrich, die mit ihrem Mann Karl Engelhardt das kleine Privatmuseum unterhält.

    Alles begann vor 30 Jahren

    Angefangen hat alles vor 30 Jahren mit einer Fisch-Schaufel aus Emaille. Die hatte Karl Engelhardt vor dem Schrott gerettet. Das Ehepaar unternahm viel, bis das ganze Löffelset inklusive Kellenhalter komplett war. Von allen Schmuckstücken, die in ihrem Besitz sind, wird dies besonders in Ehren gehalten und ist in der Küche regelmäßig in Gebrauch. Seit damals haben die beiden noch viele schöne Dinge vor der Tonne bewahrt.

    Von A wie Ansichtskarten bis Z wie Zahnputzbecher ist wirklich alles auf den circa 25 Quadratmetern des kleinen Museums zu finden. "Ich könnte drei bis vier Haushalte ausstatten", ist Christina Dietrich überzeugt. So mancher Student hat schon den Weg zu ihr gefunden und Dinge mitgenommen. Brotkasten und Töpfe - der Nachhaltigkeitsgedanke ist im ganzen Raum spürbar. Der Student mag sich gedacht haben: "Das ist schon so alt, mit dem werde ich auch noch alt."

    Stahltöpfe, Gusseisenpfannen oder Emaille-Kannen in Kobaltblau - diese Artikel waren früher den Haushalten der gehobenen Gesellschaftsschicht vorbehalten, da aufwendig verarbeitet und daher teuer - "das sind doch Rohstoffe, und es hat sich jemand mit der Herstellung Mühe gegeben. Das kann man doch nicht einfach wegschmeißen", so Dietrich.

    Der Charme des Alten

    Jedes Ausstellungsstück hat seine Geschichte, die 59-Jährige kennt sie fast alle. Den Besuchern kommen Erinnerungen an die großmütterliche Küche oder die Werkstatt von Opa. Es ergeben sich Gespräche, all das genießen Christina Dietrich und Karl Engelhardt. Sie sei froh, dass sie sich damals von dem Charme des "alten Zeugs" mitreißen ließ, sagt Dietrich.

    Nicht viele Besucher schauen rein, nur wenn der Autobahnverkehr über die Umleitungstrecke durch Geroda rollt, fällt eventuell dem einen oder anderen das Haus über der Thulba auf. Wenn Dietrich zuhause ist, schließt sie dann gerne die Tür zu ihren Schmuckstücken auf. Als in Schweinfurt noch Amerikaner stationiert waren, hatte sie regelmäßig Besuch: "Für die war das klasse." Spinnräder, Bettpfannen oder alte Handtaschen waren heiß begehrt.

    Moden wechseln schneller

    Heute geht der Trend zu schnell wechselnden Moden. "Es nimmt sich keiner mehr Zeit", bedauert Dietrich. Dabei kann man sehr gut auch zu einer modernen Küche ein altes Einzelstück kombinieren: "Man braucht nur ein bisschen Muße und Fantasie".

    An der Wand tickt eine Kuckucksuhr -man hat das Gefühl, die Zeit sei stehengeblieben. Die unzähligen Sammelstücke schnell durchschauen - ein Ding der Unmöglichkeit.

    Und dann gibt es da noch die Dinge, die auch damals schon nicht alltäglich waren. Sechs Plätzchenformen in Einem - auch damals wollte man zeitsparend arbeiten - , eine Zuckerzange mit Vogelfüßen, der erste Dampfgartopf Marke Sanas und Haushaltsgeräte in klein, damit die Töchter schon die Küchenarbeit einüben konnten. Aber auch ein schwarzes Telefon mit Wählscheibe, Waschmittel und Zigarren, ein Fenstereimer für den Putzlappen beim Fensterputzen, alte Biergläser von inzwischen nicht mehr existenten Firmen - man wird nicht fertig mit dem Schauen.

    Kein Inventarverzeichnis

     Ein Inventarverzeichnis gibt es nicht. Jeden Artikel hat Christine Dietrich im Kopf. Wie viele Antiquitäten vorhanden sind, kann sie allerdings beim besten Willen nicht sagen. Aber wer etwas braucht und sie fragt, findet es in dem riesigen Fundus garantiert. So suchte kürzlich ein Herr ein altes Nähgarn, denn seine Kriegsuniform musste ausgebessert werden. Modernes Nähgarn hätte den Sammlerwert erheblich geschmälert. "Was immer man sucht, irgendwann findet man es hier", sagt Dietrich.

    Vor 16 Jahren haben Dietrich und Engelhardt das Häuschen in Geroda gefunden. Heute kommt es ihnen so vor, als wäre das Bestimmung gewesen. Da es leer stand und das Paar dringend eine neue Bleibe brauchte, mietete es sich ein. Die Notlösung entwickelte sich schnell zur glücklichen Fügung, denn hier fanden nicht nur die mitgebrachten Antiquitäten in der ehemaligen Scheune einen neuen Platz, die Sammlung konnte sogar noch erweitert werden.

    "Ich liebe sie alle", sagt Dietrich zu den Sammelstücken. Manchmal geht ihr Mann für eine halbe Stunde in den Ausstellungsraum, einfach nur, um zu schauen und zu entspannen. Zwischen Jugendstil-Suppenterrine und 60er-Jahre-Kristallgläser, dazu das Ticken der Uhr - auf so einer Zeitreise gelingt das.

    Info

    Das Privatmuseum von Christine Dietrich und Karl Engelhardt kann montags bis samstags von 10 bis 18 Uhr besichtigt werden. In Geroda sind die Museumsleiter in der Kissinger Straße 10 zu erreichen.

    Stephanie Elm

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