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    Maria Bildhausen

    Kloster-Chronik erzählt vom Kriegsende in Maria Bildhausen

    Das Kloster Maria Bildhausen war vom zweiten Weltkrieg weitgehend verschont geblieben. Doch im April 1945 rückte der Krieg nochmals bis ins Kloster vor. Glück im Unglück: Schwestern und Bewohner blieben unverletzt.
    Der Krieg hinterließ auch in Maria Bildhausen Spuren. Das historische Bild zeigt das Kloster nach einem Bombenangriff  1940. Vermutlich galten die Bomben aber der Muna bei Rottershausen.Archiv Maria Bildhausen       -  Der Krieg hinterließ auch in Maria Bildhausen Spuren. Das historische Bild zeigt das Kloster nach einem Bombenangriff  1940. Vermutlich galten die Bomben aber der Muna bei Rottershausen.Archiv Maria Bildhausen
    Der Krieg hinterließ auch in Maria Bildhausen Spuren. Das historische Bild zeigt das Kloster nach einem Bombenangriff 1940. Vermutlich galten die Bomben aber der Muna bei Rottershausen.Archiv Maria Bildhausen

    Dass man in Maria Bildhausen heute noch so viel über das Kriegsende in Maria Bildhausen vor 75 Jahren weiß, ist dem damaligen Verwalter Alfons Maria Wirsing (1899 bis 1986) zu verdanken. Er hat die Ereignisse um den 8. April beschrieben und selbst miterlebt. Alfons Wirsing war es auch, der die Amerikaner mit weißer Fahne empfing, damit die Beschießung eingestellt wurde.

    Thomas Hahn, der bis zum letzten Jahr Leiter der Behinderteneinrichtung in Maria Bildhausen war, bedauert, dass er Alfons Wirsing nicht mehr persönlich kennengelernt hatte. Wirsing war 1986 gestorben, genau in dem Jahr, als Thomas Hahn nach Maria Bildhausen kam. Heute verwaltet Hahn das Archiv von Maria Bildhausen und kümmert sich darum, dass der schriftliche Nachlass von Alfons Wirsing erhalten bleibt.

    Aus Wirsings Tagebüchern ist zu entnehmen, dass es am 8. April zwischen heran nahenden amerikanischen Truppen und einer deutschen Pferdekolonne zu einem kurzen Gefecht kam, bei dem das Dach der unteren Wasserreserve in Brand geschossen wurde. "Schwesternschaft, Ukrainer, französische und russische Gefangene bildeten eine Eimerkette, bis die Motorspritze in Tätigkeit trat, wo dann mit zwei Strahlrohren dem Feuer entgegengearbeitet wurde", hat der Verwalter niedergeschrieben.

    Kurz nach den Löscharbeiten kam es erneut zu Schießereien rund um das Kloster. Es waren SS-Einheiten, die von Strahlungen aus Richtung Maria Bildhausen marschierten. Eine gute Stunde dauerte das Gefecht. "Mitunter krachte es furchtbar, so dass man Schlimmes befürchtete", heißt es in Wirsings Aufzeichnungen. Die meisten Schwestern und Bewohner erlebten die bange Stunde im Keller. Zwei Ordensfrauen und eine Ukrainerin wurden von den Gefechten in der Kirche überrascht und suchten Zuflucht im Beichtstuhl der Kirche. Einige Schwestern, die es wegen der Löscharbeiten nicht mehr in den Keller geschafft hatten, legten sich im Futtergang des Stalles oder in der Gerätehalle auf den Boden, um sich zu schützen. "Denn die SS schoss zu allen Fenstern herein".

    Während Schwestern und Bewohner unverletzt blieben, erlag ein deutscher Soldat in der Nacht seinen Verletzungen. "Neben diesem Verwundeten gab es noch sieben mit Bauschuß, Lungenschuß und Schenkelschuß usw. Sie wurden abends von den Amerikanern noch weitertransportiert", heißt es in der Chronik.

    Gegen Abend verließen die Bewohner die Keller. "Oben sah es ziemlich böse aus", stellte Alfons Wirsing fest. "Die SS hatte mit Panzerfäusten hantiert. Eine war auf den architektonisch schönen Giebel der Abtei gerichtet worden und hatte das Kreuz und die obere Partie herausgerissen". Schäden gab es auch an der Ostwand der Kirche. 173 in Blei gefasste Glasscheiben des Gotteshauses waren zertrümmert "Im Rektor war ein Greuel der Verwüstung ", ist weiter nachzulesen. Im Parterregang waren alle Fenster kaputt: 195 Scheiben.

    Von Kämpfen verschont geblieben ist der Rindhof. IImmer wieder fuhren im Laufe des Nachmittags allerdings amerikanische Lkw in den Hof und erkundigten sich bei polnischen Kriegsgefangenen nach deutschen Solda ten. "Den Schwestern machten sie nichts", so Alfons Wirsing. 12 Hühner und 300 Eier beschlagnahmten die Amerikaner, ist weiter zu lesen.

    Dass Maria Bildhausen nur knapp einer Katastrophe entkommen war, erfuhren die Bewohner laut Alfons Wirsing erst später. Da die aus den Wäldern nachrückende SS immer wieder den Klosterhof stürmte, "hatten die Panzer denn auch ihre Rohre alle schon auf Bildhausen gerichtet, als die SS endlich flüchtete". Ein gefangen genommener Sanitäter soll den Auftrag gehabt haben, den SS-Truppen mitzuteilen, dass Kloster werde vernichtet, wenn sie nicht abzögen.

    "Nach dem Gefecht sah es schrecklich aus: geladene und abgeschossene Panzerfäuste, eine Menge Gewehre, Handgranaten und eine Unmenge Munition lag auf den Wegen", schreibt Alfons Wirsing. "In großer Gefahr schwebend hatten wir doch wieder sichtlich die Hilfe von oben erfahren", stellt er fest.

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    Heike Beudert

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