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    Wildflecken

    Kriegsgräberpflege: Versöhnung durch Erinnerung

    Auch fast 75 Jahre nach Kriegsende geht die Arbeit der Umbetter des  Volksbundes weiter. Die sterblichen Überreste von mehr als 20 000 deutschen  Gefallenen werden Jahr für Jahr in Osteuropa (hier bei St. Petersburg)  gefunden und auf zentralen Friedhöfen beigesetzt. Archivfoto: Edgar Bartl
    Auch fast 75 Jahre nach Kriegsende geht die Arbeit der Umbetter des Volksbundes weiter. Die sterblichen Überreste von mehr als 20 000 deutschen Gefallenen werden Jahr für Jahr in Osteuropa (hier bei St. Petersburg) gefunden und auf zentralen Friedhöfen beigesetzt. Archivfoto: Edgar Bartl

    Bundeswehrsoldaten aus Wildflecken überschreiten eine "Grenze". Erstmals seit 16 Jahren bitten sie auch um Spenden für den Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge in Hessen: Eine Patenschaft mit der Stadt Gersfeld macht dies möglich, sagte Oberstleutnant Roman Jähnel, der Standortälteste, beim Startschuss der alljährlichen Herbstsammlung. Im vergangenen Jahr kamen, mit Unterstützung der örtlichen Soldaten- und Reservistenkameradschaft stolze 3165 Euro zusammen. Diesmal sollen es noch mehr werden.

    Das hoffen auch Bürgermeister Gerd Kleinhenz (Freie Wähler Wildflecken ) und Oliver Bauer, der Bezirksvorsitzende des Volksbundes. Einen "Sponsor" hat man im größten Arbeitgeber des Orts gefunden, in der Firma Paul & Co. Die Reservisten werden wieder Bratwürste und Getränke anbieten, sagte Vorsitzender David Baer.

    Für Jähnel ist das Engagement selbstverständlich. Die Bundeswehr fühle sich im Rahmen ihrer Tradition zur Unterstützung des Volksbundes verpflichtet. Für sie sei es ganz wichtig, das Andenken an die Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege zu pflegen. Bezirksgeschäftsführer Bauer verwies auf die zahlreichen Pflegeeinsätze von Bundeswehrsoldaten auf Gedenkstätten im Ausland.

    Bürokratische Hürden

    Die Pflege der Friedhöfe aber hat ihren Preis. Vor allem in Osteuropa ist ein Ende noch lange nicht in Sicht. Nach Angaben von Bauer werden Jahr für Jahr die sterblichen Überreste von mehr als 20.000 Soldaten geborgen und in zentrale Anlagen umgebettet. Beispiel Weißrussland: Für dieses im Krieg so schwer getroffene Land ist als Umbetter Wolfgang Brast zuständig. Nach seinen Angaben kann der Friedhof von Schatkowo 40 000 Tote aufnehmen, etwa 5000 Soldaten ruhen hier bereits. Schon bald werden es mehr sein. Stelen aus kasachischem Granit mit zahllosen Namen liegen zur Aufstellung bereit.

    Die weißrussische Bürokratie mache die Arbeit des Volksbundes nicht immer leicht, so Brast. Zwar gebe es ein entsprechendes Abkommen seit den 90er Jahren. Weißrussland hat es aber bislang nicht ratifiziert. "Wir sind da erst am Anfang", es warte noch viel Arbeit, sagte Volksbund-Beauftragter Bruno Schwarz (Rheinland-Pfalz).

    Nicht einmal eine Hinweistafel

    Vielleicht führt deshalb die Anlage mitten im Wald bei Mogilev ein Schattendasein. Kein Schild weist auf sie hin, eine Kapelle verfällt langsam. Hier liegen die Körper von etwa 470 ehemalige Kriegsgefangenen. Immerhin sei das Areal, so Schwarz, nicht mehr so vermüllt und ungepflegt wie vor einigen Jahren bei seinem letzten Besuch. Auch an anderen Stellen gibt es Handlungsbedarf. In Witebsk etwa gibt es eine Fläche neben einem Krankenhaus mit Rasen und Bänken. Es ist kein "normaler" Park, sondern die vorerst letzte Ruhestätte von 2600 Soldaten , die einst in einem deutschen Lazarett verstorben sind. Die Behörden lassen ihre Umbettung bislang nicht zu, auch eine Gedenktafel wird nicht gestattet. Immerhin, so Schwarz, gebe es eine "informelle", also nicht bindende, Zusage, dass eine Überbauung nicht geplant sei.

    Zeichen der Versöhnung

    Dass es auch anders geht, wird in Korsika deutlich. In der Hauptstadt Bastia wurde vor genau 50 Jahren ein deutscher Soldatenfriedhof eingeweiht. Aus Anlass des "Jubiläums" fand eine ebenso schlichte wie gelungene deutsch-französische Feierstunde statt. Der Geschäftsführer des Volksbund-Landesverbandes Bayern, Jörg Raab, verwies auf die schweren und verlustreichen Gefechte bei der Befreiung der Mittelmeer-Insel. 1964 sei mit den Umbettungen auf den Friedhof begonnen worden, der 1969 fertiggestellt wurde und sich in einem hervorragenden Zustand befindet. Raab bat: "Lassen Sie uns den Weg der Versöhnung weitergehen." Dem schlossen sich Redner aus beiden Ländern an. Sie legten am Hochkreuz Blumen ab.

    Für den deutschen Botschafter in Frankreich nannte Oberst i. G. Markus Bungert die deutsch-französische Zusammenarbeit auch auf militärischem Gebiet "vorbildlich". Militärdekan Dr. Dr. Michael Gmelch (Bundeswehr-Universität München) bat Gott, er möge "uns Brüderlichkeit der Taten und Handlungen geben", nicht nur heute, sondern für alle unsere Jahre. Er sagte: "Lassen Sie uns den Weg der Versöhnung weitergehen".

    Generalstabsmäßig geplant wird die Wildfleckener Sammelaktion von Stabsfeldwebel Markus Sturm. "Abgegrast" werden ab dem 21. Oktober Wildflecken , Riedenberg, Bischofsheim und Gersfeld mit Stadt- und Ortsteilen. Wildfleckens Reservisten bieten am Samstag, 26. Oktober, vor dem Supermarkt in der Ortsmitte Würstchen und Getränke an. Bundesweit führend ist bei den Volksbund-Sammlungen der Landesverband Bayern. Auch in diesem Jahr sollen wieder mehr als zwei Millionen Euro erzielt werden. Dieses Geld und weitere Einnahmen finanzieren rund 70 Prozent der vorgesehenen Ausgaben.

    Edgar Bartl

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