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    Hammelburg

    Künstler stellt an acht Orten in Hammelburg aus

    Ein ganzes Künstlerleben auf acht Standorte verteilt: Hammelburg bietet dem aus Obereschenbach stammenden und in Oberthulba arbeitenden Bildhauer Walter Graf die Bühne für eine große Ausstellung. Er präsentiert im wahrsten Sinne des Wortes sein Lebenswerk, denn es ist nicht nur ein Querschnitt durch eine Fülle an Arbeiten, sondern auch ein Querschnitt durch seine Biografie.

    Noch muss er die Werke finden, die zu dem Raum passen, erklärt Walter Graf. "Jede Ausstellung ist etwas Neues", sagt er. Graf steht mit Elfriede Böck vom Kulturamt der Stadt Hammelburg und dem befreundeten Bildhauer Reinhard Kraft im Erdgeschoss des früheren Kaufhauses am Marktplatz. Dort will er Zeichnungen , Plastiken und Modelle präsentieren.

    Im Obergeschoss sollen Besucher, insbesondere angemeldete Kindergruppen, seine Instrumente ausprobieren dürfen. Die hat er als Lehrer am BBZ in Münnerstadt mit den angehenden Erzieherinnen gebaut. Außerdem können Kinder mit Klötzen spielen. Es sind Holzreste, die Graf zu Baumaterial für Kinder umgearbeitet hat, wie er erklärt.

    Doch das Kaufhaus ist nicht der einzige Ausstellungsraum. An sieben weiteren Örtlichkeiten (siehe Infokasten) werden ab 21. September Grafs Werke zu sehen sein. Anlässlich seines 50. Geburtstags habe er in Münnerstadt eine große Ausstellung gemacht, sagt Graf. Das hatte er zu seinem 60. eigentlich wieder vor. Doch aus gesundheitlichen Gründen ging es nicht.

    "Jetzt, in meinem 62. Lebensjahr, kann ich es machen", sagt Graf. Mittlerweile gehe es nach langer Krankheit seit etwa anderthalb Jahren wieder, "so dass ich an mein gestalterisches Interesse wieder anknüpfen kann".

    So sprach Graf schon vor einigen Monaten Kulturamtsleiterin Elfriede Böck an. Wie diese erklärt, war zunächst nur an einen Ort gedacht, mit der Zeit wuchs die Ausstellung aber. Weitere Räumlichkeiten für die Schau kamen dazu.

    Das künstlerische Werk von Walter Graf ist sehr umfangreich. Er berichtet: "Ich habe im vergangenen Jahr angefangen, meine Arbeiten zu dokumentieren. Da habe ich entdeckt, welche Fülle es umfasst." Es sind nicht nur Steinskulpturen, sondern auch Grafiken, Zeichnungen , Farbarbeiten. Sogar mit Texten und Klang beschäftigt sich Graf. All das wird in der Ausstellung zu finden sein, so wie zum Beispiel seine Flechtarbeiten.

    Als textile Plastiken bezeichnet Graf sie. Bast und Weide, die um Äste gewickelt sind, formen Flächen oder Körper. Diese muten archaisch an wie von einem Urvolk. Manchen lassen sie an Tiere denken. Graf hat seine Flechtkörper einmal Behausungen flüchtiger Geister genannt.

    Ein sehr persönlicher spiritueller Einschlag scheint ebenso durch den Titel der Ausstellung durch. "Exfugium und Reposition" verdreht die Wörter Refugium und Exposition. Einerseits soll das darauf hinweisen, dass in seiner Biografie etwas aus den Fugen geraten ist, sagt Graf. Anderseits soll darin eine Neuverortung anklingen.

    Neu verorten möchte Graf auch die bildende Kunst. Er möchte sie zu den handwerklichen Ursprüngen zurückführen. Graf beschreibt seine stilistische Ausrichtung: "In den frühen Kulturepochen fühle ich mich mehr zu Hause als in der Moderne und Postmoderne."

    Dazu gehört für ihn die Verwendung von Naturmaterialien wie bei seinen Skulpturen aus Findlingen. "Und die vom Wasser vorgeformten und gerundeten Steine tragen durch den ihnen eigenen Charakter schon eine mögliche Plastik in sich, die es zu finden und zu realisieren gilt. Glückt dieser Fund, dann wohnt auch der vollendeten Plastik die zeitlose Ruhe und Selbstverständlichkeit des vom Wasser befriedeten Steines inne", heißt es in einem Katalog einer früheren Ausstellung.

    Bei der Präsentation nun unterstützen ihn die Stadt, sein Künstlerkollege, das Kunstreferat der Diözese Würzburg und "Kunst vereint" aus Hammelburg . Anders wäre eine derart große Werkschau nicht möglich. Denn Graf kann nicht einmal beziffern, wie viele Objekte zu sehen sein werden.

    Biografie Walter Graf wurde 1957 in Obereschenbach geboren. Dort steht sein Elternhaus. Sein Leben pendelt heute zwischen dem Hammelburger Stadtteil und seinem Künstlerhof in Oberthulba. Graf lernte an der Berufsfachschule für Holzbildhauer in Bischofsheim und studierte dann Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Er wurde dort zum Meisterschüler von Professor Wilhelm Uhlig. Nach einer Zeit als freiberuflicher Künstler begann Graf 1996 eine Lehrertätigkeit am BBZ in Münnerstadt. Er kann zahlreiche Ausstellungen und Beteiligungen an Ausstellungen sowie mehrere Preise vorweisen.

    Eröffnung Die Ausstellung "Ex fugium und Reposition" wird aufgrund des Umfangs mit einer zweifachen Vernissage eröffnet. Die erste findet am Freitag, 21. September, um 19.30 Uhr im Kellereischloss statt. Die Einführung hält Andrea Brandl , Leiterin der Kunsthalle in Schweinfurt. Die zweite findet am Sonntag, 23. September, um 19.30 Uhr in der katholischen Stadtpfarrkirche statt. Jürgen Emmert, kommissarischer Leiter des Kunstreferats der Diözese Würzburg, führt in die Arbeiten ein.

    Ausstellungsorte Die Arbeiten von Walter Graf sind bis voraussichtlich 2. Dezember auf Schloss Saaleck, in der Klosterkirche, in der katholischen Stadtpfarrkirche, im alten Kaufhaus am Marktplatz, im Kellereischloss, im Schlossgarten, im Stadtmuseum und beim Weinbaubetrieb Plewe zu sehen. Es gelten die Öffnungszeiten der jeweiligen Örtlichkeit. Samstags und sonntags sind alle Ausstellungsorte wenigstens von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

    Arkadius Guzy

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