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    LKR Bad Kissingen

    Landkreis Bad Kissingen: Wie die neue Teilzeit-Ausbildung funktioniert und welche Probleme auftreten

    Obwohl Teilzeit seit 2015 für Auszubildende mit Familie gesetzlich möglich ist, gibt es bisher wenig Angebote. Das soll sich ändern, denn der Bedarf ist da.
    Teilzeit-Auszubildende Sina Beck am Arbeitsplatz bei der Firma Höchemer Bürokonzepte. Foto: Jochen Heinkel       -  Teilzeit-Auszubildende Sina Beck am Arbeitsplatz bei der Firma Höchemer Bürokonzepte. Foto: Jochen Heinkel
    Teilzeit-Auszubildende Sina Beck am Arbeitsplatz bei der Firma Höchemer Bürokonzepte. Foto: Jochen Heinkel

    Familie und Beruf unter einen Hut bekommen, das wünschen sich viele Menschen. Teilzeit bietet sich als Lösung an.

    Sina Beck, Teilzeit-Auszubildende bei der Firma Höchemer Bürokonzepte aus Bad Bocklet-Großenbrach gehört zu den wenigen Teilzeit-Auszubildenden im Landkreis. Die 23-Jährige hat eine sechsjährige Tochter. Ihr Partner und ihre Mutter helfen etwas bei der Organisation des Alltags mit. Allerdings: "Auch meine Mutter ist berufstätig ", sagt sie. Durch die Teilzeitausbildung bleibe mehr Zeit für die Familie. "Vollzeit wäre gar nicht in Frage gekommen."

    Gründe für eine Teilzeit-Ausbildung

    Die Gründe, warum junge Menschen gerne eine Teilzeitausbildung machen wollen, sind unterschiedlich. Meistens müssen Kinder oder Eltern betreut werden.

    Thomas Schlereth von der Berufsberatung der Agentur für Arbeit in Schweinfurt berichtet, dass Unternehmen solchen Bewerbern oft skeptisch gegenüberstehen. Ein möglicher Vorbehalt wäre etwa: "Die Auszubildende hat ein Kind, die fehlt dann wahrscheinlich oft."

    "Für Jugendliche, die es ein bisschen schwieriger haben, einen Ausbildungsplatz zu finden, für die gibt es die sogenannte Benachteiligtenförderung der Arbeitsagentur", sagt Schlereth.

    Der Weg zum Ausbildungsplatz

    Die Förderung funktioniert so: Finden Jugendliche nach eigenständiger Suche keinen Ausbildungsplatz , dann hilft die Arbeitsagentur. Unterstützt wird die Agentur von Bildungsträgern. Diese helfen bei der Suche nach einem passenden Kooperationsbetrieb. Gelingt dies, schließt der Bildungsträger mit dem Auszubildenden einen Ausbildungsvertrag . Außerdem gibt es einen Kooperationsvertrag zwischen Bildungsträger und Ausbildungsstätte. Diesen unterschreiben alle: Auszubildender , Bildungsträger und Ausbildungsbetrieb.

    Vorteile für Firmen

    Ein klarer Vorteil für Unternehmen: Die Azubis sind als Arbeitskraft vor Ort. Sie werden vom Unternehmen betreut und ausgebildet . Aber: "Das finanzielle Risiko trägt die Agentur für Arbeit", sagt Schlereth. Den Azubi-Mindestlohn, der seit Anfang des Jahres gilt, müssen die Unternehmer nicht tragen.

    Die Gesellschaft zur beruflichen Förderung (GbF) ist ein Bildungsträger. Sie unterstützen Sina Beck aus Kleinbrach.

    "Die Auszubildenden können während der Ausbildung jederzeit vom Kooperationsbetrieb übernommen werden, allerdings sollte das spätestens nach Beendigung der Ausbildung passieren", sagt Udo Bischof, Mitglied der Geschäftsführung.

    Sina Beck ist im zweiten Ausbildungsjahr. Ihre Ausbildung geht insgesamt drei Jahre. "Mit dem Kooperationsbetrieb, bei dem ich zunächst war, hat es nicht so gepasst", sagt sie. Sina konnte ihren Ausbildungsplatz wechseln. Seit etwa einem Jahr ist sie bei der Firma Höchemer. Jochen Heinkel, Prokurist der Firma und Udo Bischof von der GbF kannten sich. Das Unternehmen Höchemer

    Bürokonzepte in Großenbrach hat sich auf Bürokommunikation und Büroeinrichtung spezialisiert.

    Dort macht Sina Beck die Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement. Die junge Frau macht alle Aufgaben, die normale Auszubildende in ihrer Ausbildungsrichtung auch machen. Als Beispiele nennt sie Telefonate führen, Kundenanfragen bearbeiten, Bestellungen aufgeben, Datenpflege oder auch mal Lager aufräumen.

    Sie arbeitet fünf Tage die Woche. Drei Tage, etwas mehr als sechs Stunden, ist sie bei ihrer Firma. "Sie ist bei uns vollwertiges Mitglied in der Firma", findet Jochen Heinkel. "Trotz Teilzeit geht die Ausbildung nicht länger", sagt Sina Beck. Vorgeschrieben sei, dass Teilzeit-Auszubildende rund zwanzig Stunden im Ausbildungsbetrieb verbringen, sonst verlängere sich die Ausbildungszeit , sagt Schlereth.

    Von 8 bis 14 Uhr ist sie einen Tag in der Berufsschule und lernt dort kaufmännisch-verwaltende Tätigkeiten wie etwa Buchhaltung. Ein Tag ist für Betreuung und Stützunterricht bei der GbF eingeplant.

    "Wir haben Pädagogen und Psychologen im Haus. Wir können die jungen Menschen umfassend fördern, wenn es Probleme im Betrieb oder beim Lernen gibt", sagt Udo Bischof.

    Gesetzänderung betrifft Azubis

    2019 haben Bundestag und Bundesrat die Rahmenbedingungen für die berufliche Bildung geändert. Das neu beschlossene Berufsbildungsgesetz (BBiG) trat am 1. Januar 2020 in Kraft. Eine Teilzeitausbildung zu machen ist jetzt, auf Grundlage des Gesetzes, einfacher geworden. Auch Menschen, die zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen, aufgrund von Lernschwierigkeiten oder einer Behinderung keine Ausbildung in Vollzeit machen, können dann eine Teilzeitausbildung absolvieren. Einzige Voraussetzung: Auszubildende und Betrieb müssen sich einig sein. Aber: "Wir bräuchten mehr Firmen, die mitmachen", sagt Thomas Schlereth .

    Zur Teilzeit-Ausbildung

    Die Veränderungen im Berufsbildungsgesetz gelten für Ausbildungen, die im Jahr 2020 begonnen werden.

    Das Bildungsministerium beantwortet Fragen auf der Website https://www.bmbf.de/de/die-novellierung-des-berufsbildungsgesetzes-bbig-10024.html

    Mindestvergütung Bei Ausbildungsstart im Jahr 2020 besteht ein Anspruch auf eine Ausbildungsvergütung in Höhe von mindestens 515 Euro. Die Einstiegsvergütung wird in den kommenden Jahren schrittweise erhöht: 2021 auf 550 Euro im Monat, 2022 auf 585 Euro und 2023 auf 620 Euro.

    Das Gehalt in den höheren Ausbildungsjahren soll für die Azubi-Jahrgänge ab 2020 laut Gesetz ebenfalls jährlich steigen.

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    Charlotte Wittnebel-Schmitz

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