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    Bad Kissingen

    Landkreis Bad Kissingen: Wohin mit den Kids?

    Der Landkreis hat geregelt, wie er mit den Schließungen von Schule und Kitas umgeht. Die gute Nachricht: Es gibt Notfallbetreuung. Die schlechte: Sie gilt nur für ganz wenige Eltern.
    Verwaiste Pausenhöfe und Kinderspielplätze in Schulen und Kindertagesstätten werden in den nächsten Wochen nicht nur im Landkreis Realität sein.Heike Beudert       -  Verwaiste Pausenhöfe und Kinderspielplätze in Schulen und Kindertagesstätten werden in den nächsten Wochen nicht nur im Landkreis Realität sein.Heike Beudert
    Verwaiste Pausenhöfe und Kinderspielplätze in Schulen und Kindertagesstätten werden in den nächsten Wochen nicht nur im Landkreis Realität sein.Heike Beudert

    Für gut 10 000 Schüler im Landkreis Bad Kissingen schließen die Schulen ab kommenden Montag. Auch alle Kindergärten, Kindertagesstätten und Horteinrichtungen bleiben zu. Derzeit ist die Schließung bis zum 19. April, also zum Ende der Osterferien, angeordnet. In einem Pressegespräch am Freitagmittag teilten Landrat Thomas Bold sowie die zuständigen Abteilungsleiter im Landkreis sowie von Schul- und Gesundheitsamt mit, wie der Landkreis die Anordnungen umsetzt.

    Grundsätzlich gilt für die Schulen, dass diese während der Zeit der Schließung weder von Eltern noch von Schülern betreten werden dürfen. Für die Lehrer gilt weiterhin Dienstpflicht, bestätigte Schulamtsdirektorin Cornelia Krodel. Betont wurde in der Pressekonferenz, dass die Schüler nicht in vorzeitige Ferien geschickt werden. Lernen zu Hause, heißt das Motto der kommenden Wochen. Die Lehrer werden mit ihren Schülern über verschiedene Online-Wege in Kontakt bleiben und Unterrichtsmaterial zur Verfügung stellen. Am Freitagmorgen ist daraufhin bereits ein schulisches Online-Portal überlastet gewesen, wusste allerdings Kornelia Krodel zu berichten. Notfalls müsste der Unterrichtsstoff als Kopie auf postalischem Weg verschickt werden, stellte sie fest.

    Kornelia Krodel verwies zudem darauf, dass sich die bereits angekündigten Termine für die Schulanmeldungen in den Grundschulen verschieben werden. Die neuen Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben. Organisatorisch sei vieles zu bewältigen, meinte die Schulamtsdirektorin. Aber sie zeigte sich zuversichtlich, dass alles bewältigt wird.

    Das sieht auch der Leiter des Münnerstädter Schönborn-Gymnasiums, Oberstudiendirektor Peter Rottmann, so. Er hält die Schulschließungen für den richtigen Schritt. Er ist überzeugt, dass über die Online-Schiene viel abgefangen werden könne, so dass die Schüler mit dem Schulstoff nicht zu sehr in Verzug kommen. Am Freitag gab es eine besondere Besprechung für die Abiturienten der Schule. Auch hier ist Rottmann überzeugt, dass sich schülerfreundliche Lösungen für die anstehenden Prüfungen in allen Schulen finden werden.

    Dass die Schulschließung berufstätige Eltern vor Probleme stellen wird, ist allen Verantwortlichem im Landkreis bewusst. Denn Großeltern sollen die Betreuung der Kinder nicht übernehmen, da sie zu den gefährdeten Personengruppen gehören, bei denen die Corona-Erkrankung unter Umständen schwerwiegender verlaufen kann. Es gelte, diese älteren Mitbürger zu schützen, erläuterte Thomas Bold . In diesem Falle versteht man unter älteren Mitbürgern bereits die Altersgruppe der ab 50-jährigen, wobei das Risiko eines schweren Verlaufs mit jedem Jahrzehnt steige, betont der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Ingo Baumgart auf Anfrage.

    Eine Notfallbetreuung von Kindern in Kitas und Schulen (Klassen 1 bis sechs) gibt es lediglich für Kinder, deren Eltern beide in sogenannten systemrelevanten Berufen tätig sind oder für Alleinerziehende dieser Sparten (Arzt, Pflege, Polizei , Berufsfeuerwehr). Für die Betreuung sorgt jede Schule selbst, erläuterte Kornelia Krodel. Die Kinder von Grund- und Hauptschulen werden ab Montag um 7 Uhr betreut. Kornelia Krodel geht davon aus, dass die Zahl der Kinder, die tatsächlich für eine Notfallbetreuung in Frage kommen, sehr überschaubar sein wird. Dennoch fahren in der kommenden Woche die Linienbusse des ÖPNV noch wie gewohnt. Ob gemeindliche Schulbusse für die wenigen Notfallkinder eingesetzt werden, müsse individuell bei den Kommunen erfragt werden.

    Ansonsten appellierte Thomas Bold an Nachbarschaftshilfe bei der Kinderbetreuung und an die Solidarität von Unternehmen, damit berufstätige Eltern die Möglichkeit haben, diese Zeit zu überbrücken. "Wir müssen jeden Tag neu planen", sagt Heiko Sauer aus Münnerstadt zur Situation. Heiko und Melanie Sauer sind beide Polizisten in Leitungsfunktion und haben zwei kleine Kinder. Jetzt müssen sie sehen, wie sie Berufstätigkeit und Schul- bzw. Kita-Schließung ohne Großeltern organisieren. Oma und Opa sollen - wie gefordert - momentan nicht eingespannt werden. "Es ist ein beklemmendes Unbehagen da", beschreibt Heiko Sauer die Gefühlslage. Dankbar sind die Sauers deshalb, dass so schnell eine Notfallbetreuung für die Kinder gefunden wurde, deren Eltern in systemrelevanten Berufen tätig sind. Schule, Hort und Kita seien bemüht, zu helfen, so Sauers Erfahrung am Freitag.

    Auch Benedikt Borst, Redakteur bei der Saale Zeitung, und seine Frau müssen ihren Alltag noch neu organisieren. Sie haben zwei Kinder. Und sie arbeiten nicht in systemrelevanten Berufen, die auf eine Notfallbetreuung zurückgreifen können. Kleine Kinder sind ja immer mal wegen einer Krankheit zuhause, so dass man improvisieren muss. Aber ein solcher Zeitraum sei dann schon sehr sportlich, meint Benedikt Borst. Etwas entspannter kann es seine Kollegin Martina Straub sehen. Ihre Tochter ist 13 Jahre alt. Da könne sie auch gut schon alleine zuhause bleiben und vielleicht auch Aufgaben im Haus übernehmen, meint Martina Straub.

    "Die Menschen müssen jetzt die Ausnahmesituation realisieren und trotzdem Ruhe bewahren", erklärte Landrat Thomas Bold . Wichtig sei Zeit zu gewinnen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verzögern, damit sich das Gesundheitssystem darauf einstellen kann und Erkrankungsspitzen vermieden werden.

    Deshalb nehme man auch wirtschaftliche Auswirkungen in Kauf, erläuterte Bold. Die Situation im Landkreis, so Bold, sei derzeit nicht besorgniserregend. Es sei bei aktuell den drei Corona-Fällen geblieben. Auch die Testmenge sei überschaubar, so Ingo Baumgart.

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    Heike Beudert

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