• aktualisiert:

    Bad Kissingen

    Langes Warten auf einen Kitaplatz in Bad Kissingen

    Bei einem Podium mit Sozialministerin Kerstin Schreyer (CSU) geht es um die Situation in Kitas. Leiterinnen beklagen fehlende Plätze. Die Ministerin sieht die Kommunen in der Pflicht.
    OB-Kandidat Gerhard Schneider beim Fachgespräch mit Sozialministerin Kerstin Schreyer. Benedikt Borst
    OB-Kandidat Gerhard Schneider beim Fachgespräch mit Sozialministerin Kerstin Schreyer. Benedikt Borst

    Seit August 2013 haben Eltern in Deutschland einen Rechtsanspruch darauf, ihre Kinder ab dem Alter von einem Jahr in einer Kita betreuen zu lassen. Doch gerade in Großstädten und Ballungsräumen gehen Eltern bei der Suche nach einem Betreuungsplatz oft leer aus und auch im 22.000 Einwohner großen Bad Kissingen gibt seit Jahren mehr Kinder als Plätze. In einem Zeitungsartikel zum Ersatzneubau des Sinnberg-Kindergartens vor sieben Jahren berichtete zum Beispiel die damalige Leiterin, dass die Einrichtung ausgelastet sowie die Nachfrage der Eltern hoch sei und sie vielen Eltern absagen müsse. Verbessert hat sich an der Situation seitdem nichts, trotz einiger baulicher Investitionen der Stadt.

    Ein Fachgespräch der Kissinger CSU griff jetzt im Wahlkampf die Betreuungssituation auf. Rund sieben Millionen Euro hat die Große Kreisstadt in den vergangenen Jahren an baulichen Investitionen in die Kindergärten getätigt. 2,5 Millionen Euro davon hat der Freistaat gefördert, berichtete Gerhard Schneider , Geschäftsleitender Beamter im Rathaus und Oberbürgermeisterkandidat der CSU . Er hat seit Jahren mit dem Thema zu tun, die Kindertagesstätten unterstehen seiner Abteilung. Bad Kissingen ist in den vergangenen Jahren durch Zuzüge stetig gewachsen. Zudem gebe es seit einer Dekade einen gesellschaftlichen Wandel. Die Betreuungsplätze seien für Eltern ein drängendes Problem. 100 Plätze fehlen nach Einschätzung der Verwaltung. "Wir werden weiter steigenden Bedarf haben. Wir müssen unsere Kitaplätze und unser Krippenangebot deutlich erweitern", sagte Schneider.

    Problemverlagerung ins Umland

    Im November hat der Stadtrat den Bedarf für 74 weitere Betreuungsplätze anerkannt, aktuell laufen laut Schneider Gespräche mit Trägern über einen neuen, vierzehnten Kindergarten in der Stadt. Landrat Thomas Bold ( CSU ) betonte, dass die Betreuungssituation auf den ganzen Landkreis gesehen gut sei und es ausreichend Betreuungsplätze gebe. "Aber wir haben vereinzelt Engpässe", gestand er ein.

    Jeder vierte bis fünfte Landkreisbewohner lebt in der Großen Kreisstadt. Und da wirken sich die Engpässe doch deutlich aus. Das zeigen die Wortmeldungen von den Kindergartenleiterinnen, die zu dem Fachgespräch gekommen waren. "Es kommen inzwischen Kinder in die Schule, die gar nicht im Kindergarten waren", berichtete zum Beispiel die Leiterin des Maria-Stern-Kindergartens in Hausen, Mirjam Mack. Eltern stünden immer wieder vor dem Dilemma, dass sie ihre Arbeitsstelle nicht wie geplant antreten können, weil sie keine Kitabetreuung finden. Eltern , in der Stadt nichts finden, weichen teils auf umliegende Gemeinden aus.

    Der Machtilshäuser Kindergarten hat da schon schlechte Erfahrungen gemacht. Wie die Leiterin Laura Metz erklärte, ist die kleine Einrichtung aufgrund ihrer Lage sowohl für Hammelburger als auch für Kissinger Eltern interessant. Das Problem: Je nachdem wie viele Kinder gerade in der Kita betreut werden, kann es sein, dass der Kindergarten bei Neuanmeldungen auch Personal aufstocken muss. Kommen die dann doch nicht, weil die Eltern kurzfristig anderswo einen Platz gefunden haben, bleibt die Kinder-Oase auf Personal und Kosten sitzen.

    Anspruch auf Hortplatz kommt

    Bayerns scheidende Sozialministerin Kerstin Schreyer ( CSU ) wies darauf hin, dass die Kommunen für den Kitaausbau zuständig sind und Faktoren wie Zuzüge und steigende Geburtenraten bei ihrer Planung berücksichtigen müssen. Der Freistaat habe, obwohl er nicht zuständig ist, mit einem Sonderinvestitionsprogramm zuletzt die Schaffung von 63 000 Kitaplätze gefördert. "Da werden wir sicher nicht weiter machen", betonte die Ministerin. Für klamme Kommunen gebe es aber die Möglichkeit, dass sie für Investitionen in Kitas Zuschüsse über den Finanzausgleich erhalten. Der geplante Verwaltungs- und Leitungsbonus des Freistaats, der die Kitas direkt unterstützen soll, stehe kurz vor der Ausschüttung. "Da sind wir aktuell in Abstimmung mit dem Finanzministerium", sagte sie.

    In fünf Jahren kommt dann der Rechtsanspruch für Kinder im Grundschulalter auf einen Platz in der Nachmittagsbetreuung. "Wir gehen davon aus, dass im Endausbau 19 Prozent aller Kinder einen Platz im Ganztag brauchen", sagte Schreyer. "Das müssen wir auf kommunaler Ebene sukzessive aufbauen." Der Freistaat fördert aktuell die Schaffung von 10.000 Hortplätzen mit 6000 Euro pro Betreuungsplatz. Die Ministerin geht davon aus, dass die Mittel bald ausgeschöpft sind. Im Landkreis Bad Kissingen hat Maßbach für einen Hortneubau Interesse bekundet.

    Benedikt Borst

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!