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    Trimberg

    Lebenskrise auf der Trimburg

    Für Literaturliebhaber, Film-Fans und Komödienkenner ist "Shirley Valentine" ein Begriff. Das Stück von William Russell handelt von einer Frau mittleren Alters, die erkennen muss, dass ihr Leben banal und langweilig geworden ist und dass sie ihr eigenes Ich schon längst verloren hat. "Du musst etwas ändern, deine Identität wieder finden", lautet der Rat an sich selbst und spiegelt damit die Problematik der Shirley Valentine wider, die Christine Hadulla von der Disharmonie Schweinfurt in einem "Ein-Frau-Stück" beim Theaterabend auf der Trimburg darstellte.

    Für Shirley, eine britische Hausfrau um die 50, begann alles mit einem "Honeymoon" der nie enden sollte. Ein Häuschen bauen, Kinder groß ziehen, ein glückliches Leben führen bis zum Ende der Tage, so war der Plan. Doch es kam anders. Zwar steht das Haus, die Kinder sind schon aus dem Haus, doch der Gatte, der ihr einst die Sterne vom Himmel holen wollte, erteilte allen Versuchen, Abwechslung in ihre Ehe zu bringen, eine Absage - sogar einer Fahrt nach Bischofsheim.

    Jane, eine Freundin Shirleys, kam da gerade recht mit ihrem Vorschlag gemeinsam einen 14-tägigen Urlaub in Griechenland zu verbringen. Ihr Vorhaben hat Shirley zwar der Familie mitgeteilt, doch keiner glaubt, dass sie das wirklich tut, und ihre Tochter nennt sie "spinnert".



    Im Urlaub kommt es, wie es kommen muss: Die frustrierte Frau lässt sich von einem Kellner verführen. stellt aber nach einer heißen Liebesnacht fest, dass der Grieche regelmäßig mit Touristinnen flirtet. Eigentlich müsste Shirley jetzt noch mehr enttäuscht sein - und ist es auch für eine kurze Zeit. Doch dann macht sich Erleichterung breit. Denn über diese Liebesnacht entdeckt sie sich selbst wieder. "Ich bin Shirley Valentine und bin nicht tot bevor ich gestorben bin."

    Das Werk im Alleingang zu spielen und die deutliche Sprache zu nutzen, die Hadulla in das Stück einbringt, ist mutig und schwierig. Ohne Bühnenpartner, auf sich gestellt, muss die Schauspielerin auch die fiktiven Mitspieler überzeugend darstellen um den Situationen und fehlenden Personen Authentizität zu geben. Das gelang Christine Hadull, und dafür erntete sie Applaus.

    Die letzte Szene des Stücks stimmt nachdenklich. Shirley, aus dem Urlaub zurück, steht am Flughafen und wartet darauf, abgeholt zu werden. Doch niemand ist in Sicht, weder Mann noch Tochter. Shirley: "Wo bleiben die denn?"

    Die erste Vorstellung am Freitag musste wegen Besuchermangels abgesagt werden. Gründe dafür könnten der Beginn der Ferien, das Rakoczy-Fest in Bad Kissingen und die Mondfinsternis sein. Winfried Ehling

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