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    LKR Bad Kissingen

    Landkreis Bad Kissingen: Michl Müller sieht es mit Humor

    Michl Müller kann seit März nicht mehr vor großem Publikum auftreten.Im Herbst soll es wieder mit Auftritten weitergehen. Ein Gespräch über die Zukunft von Künstlern und den "kulturellen Rettungsschirm" der bayerischen Regierung.
    Michl Müller liest jeden Tag Zeitung, um dort Ideen für seine Programme zu sammeln. Foto: Christian Brecheis       -  Michl Müller liest jeden Tag Zeitung, um dort Ideen für seine Programme zu sammeln. Foto: Christian Brecheis
    Michl Müller liest jeden Tag Zeitung, um dort Ideen für seine Programme zu sammeln. Foto: Christian Brecheis

    Der unterfränkische Humorist Michl Müller ist für seine Auftritte in der Region oder bei den Fernsehsendungen " Fastnacht in Franken " oder "Drei. Zwo. Eins. Michl Müller " vom Bayerischen Rundfunk bekannt. Er trägt bei jedem seiner Auftritte ein T-Shirt mit "Dreggsagg" drauf.

    Herr Müller, wie geht es Ihnen?

    Michl Müller : Ich bin gesund, habe kein Corona und habe meinen Humor nicht verloren.

    Ehrlich? Für Künstler ist die Situation doch eine Katastrophe. Keine Einnahmen, das kann deprimieren.

    Ich habe mich mittlerweile mental darauf eingestellt, dass es für mich im Herbst, genauer gesagt, im September weitergeht.

    Wie verbringen Sie bis dahin die Tage?

    Wie immer, wenn ich ehrlich bin, hat sich nämlich bisher noch gar nicht so viel bei mir geändert, außer der Tatsache, dass ich keine Live-Vorstellungen mehr habe. Ich studiere weiterhin jeden Tag die Zeitung, um dort Ideen für meine Programme zu sammeln. Es laufen weiterhin nebenbei viele andere Projekte. Es ist erstaunlich.

    Das überrascht mich. Wie sieht es mit den Einnahmen aus?

    Die Einnahmen sind jetzt erst einmal weg.

    Das macht Ihnen nichts aus?

    Ich hoffe, sie kommen im Herbst wieder, aber ich habe keinen so ausschweifenden Lebensstil, die paar Monate werde ich überbrücken.

    Ministerpräsident Markus Söder hat vergangenen Donnerstag verkündet, dass die bayerische Regierung den "kulturellen Rettungsschirm" aufstockt. Hilft der?

    Ich denke schon, dass der hilft, vor allem den Künstlern, die in der Künstlersozialkasse (KSK) sind und Künstlern, die wenig verdienen. Bei freien Theatern und Kleinkunstbühnen dürfte es schwierig werden, durch Abstandsregelungen und Hygienevorschriften ist ein kostendeckender Betrieb nicht möglich.

    Was berichten Ihnen Freunde und Kollegen?

    Ich bekomme es selber mit. Bei jedem meiner Auftritte habe ich auch Produktionskosten, durch Techniker, Bühnenaufbauhelfer, und, und, und, die irgendwie wieder eingespielt werden müssen. Und vielleicht sollte man erwähnen, dass es gerade diese Menschen, die hinter der Bühne arbeiten, meist freiberuflich, besonders hart trifft. Da hängen Familien dran und inwieweit die durch den Rettungsschirm abgesichert sind?

    Wie ist das denn bei Ihnen?

    Wenn Sie mich so fragen: Nein, Ich hab noch keinen Antrag auf Finanzhilfen gestellt.

    Haben Sie Verständnis für die Vorgaben der Regierung oder finden Sie, dass die Lockerungen früher kommen sollten?

    Ich denke, die Lockerungen hängen von der Sparte ab, ob Oper, Kleinkunst, Festival oder Comedy . In der Oper gehen meines Erachtens Lockerungen vielleicht eher, weil Abstände eingehalten werden können und es auf das Klangerlebnis ankommt. Bei einem Festival oder bei Comedy ist das etwas anderes, da geht es ums gemeinsame Lachen, darum die Atmosphäre zu genießen. Dort kann ich mir das mit den Abständen wirklich nicht vorstellen. Aber Kultur ist schon wichtig und die Leute wollen Kultur. Vieles verlagert sich derzeit ins Internet , aber die Kommunikation auf YouTube oder Facebook kann einen Liveauftritt niemals ersetzen. Live ist sofort eine Reaktion des Publikums da. Man interagiert mit dem Publikum und merkt sofort, ob der Witz gut war. Aber die Leute sind echt dankbar, von mir fast täglich etwas im Internet zu sehen und man muss ja auch präsent bleiben.

    Ich habe heute Morgen im Internet die Fernsehshow "Drei.Zwo.Eins. Michl Müller " gesehen. Da sind Sie vor Kuscheltieren aufgetreten.

    Das war in der Sendung von Ende März. Das mit den Kuscheltieren ist so aus der Not geboren. Wir haben uns überlegt, wie kann man das Publikum ersetzen. Also zum einen das Publikum für die Fernsehzuschauer und zum anderen auch für mich auf der Bühne. Nur am Rande: Kuscheltiere sind kein Ersatz für ein richtiges Publikum. Aber wir haben experimentiert, überhaupt ist man jetzt ständig am Experimentieren. Das ist eine kreative Phase zurzeit. Da kommen verschiedene Show-Formate heraus, teils aus dem Wohnzimmer oder aus dem Bett. Es sind auf jeden Fall Ideen da. Und eins ist jetzt schon sicher: Bei der nächsten Drei. Zwei. Eins-Show werden wir keine Kuscheltiere mehr haben.

    Künstler brauchen Jahre, bis sie Erfolg haben, bis sie vor großem Publikum auftreten und davon leben können. Dann kommt so ein Virus und macht alles zunichte.

    Alles zunichte, davon gehe ich nicht aus. Es wird sich einiges ändern. Man redet ja jetzt immer von der neuen Normalität. Wir werden schon unseren Humor behalten, etwas anderes bleibt uns ja gar nicht übrig.

    Wie geht es jetzt weiter?

    Ich freue mich schon, wenn ich im September die Nachhol-Shows spielen kann, bis dahin ist erst einmal Pause angesagt. Die Pause war aber schon vorher geplant und wird von mir sinnvoll genutzt, um mein neues Weihnachtsprogramm zu schreiben.

    Tragen Sie das Programm vorher jemandem vor, um zu üben?

    Nein, das komplette Programm kennt keiner außer mir, wenn ich damit das erste Mal auf der Bühne stehe.

    Echt jetzt?

    Ja, ich habe die Erfahrung gemacht, dass Bühnennummern im privaten Kreis nie so ankommen wie eben auf der Bühne, also lasse ich es ganz einfach.

    Das Gespräch führte Charlotte Wittnebel-Schmitz.

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    Charlotte Wittnebel-Schmitz

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