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    Motten

    Motten: "Ich schließe nichts aus"

    Mit 46 Jahren stehen Jochen Vogel viele Möglichkeiten offen, beruflich noch einmal etwas anderes zu machen. Foto: Ulrike Müller
    Mit 46 Jahren stehen Jochen Vogel viele Möglichkeiten offen, beruflich noch einmal etwas anderes zu machen. Foto: Ulrike Müller

    Kürzlich hat sich Jochen Vogel ( CSU ) in das Freundebuch seiner Tochter eingetragen. Sein Lieblingsberuf: Bürgermeister. Ganz gesättigt von der Kommunalpolitik kann er also nicht sein. Trotzdem hat er beschlossen, dass drei Amtsperioden in seiner Heimatgemeinde Motten genug sind. Was bleibt nach 17 Jahren als Bürgermeister?

    Herr Vogel, können Sie sich noch an Ihren ersten Tag als Bürgermeister erinnern? Sie waren damals gerade einmal 29 Jahre alt.

    Jochen Vogel : Das war völlig ungewohnt und ganz komisch. Ich hatte ja vorher schon bei der Gemeinde gearbeitet. Die Mitarbeiter haben mich begrüßt und mir eine selbstverschweißte Dienstkette verpasst. Die hat heute noch ihren Platz in meinem Büro.

    Was war das bewegendste Erlebnis Ihrer Amtszeit?

    Da denke ich sofort an Jack Watson, einen britischen Veteranen . Er ist schon seit acht Jahren tot, aber zuvor hatte er das Gedenken am Grab des unbekannten deutschen Soldaten in Ranville initiiert. Dass auch der deutschen Gefallenen in Frankreich gedacht wird, halte ich für überhaupt nicht selbstverständlich. Er hat einmal zu mir gesagt, wir sollen auf Europa aufpassen. Er wusste, wovon er sprach.

    Und was war der schlimmste Tag?

    Das letzte Jahr war das heftigste Jahr, weil da Dinge gelaufen sind, die ich mir nicht hätte vorstellen können.

    Wann haben Sie eigentlich entschieden, bei der Kommunalwahl nicht mehr anzutreten?

    Mitte 2017 wurde mir klar, dass ich - wenn ich 2020 wieder als Bürgermeister kandidiere - das Amt vermutlich bis zum Ruhestand mache. Je mehr ich darüber nachdachte, umso mehr wuchs der Wunsch, noch einmal etwas anderes zu machen. Ende 2017 stand mein Entschluss im Prinzip fest.

    Wohin geht es beruflich für Sie?

    Keine Ahnung. Ich werde nichts ausschließen und nichts bestätigen.

    Werden Sie als Bürgermeister in Bad Brückenau kandidieren?

    Wäre ich denn geeignet? (Pause) Ich kann nichts ausschließen und auch nichts bestätigen.

    Ziehen Sie denn eine Stelle in der Politik überhaupt in Betracht?

    Ja, das ist eine Bühne, die ich kenne und die ich recht ordentlich kann.

    Wir sitzen hier auf der Wasserscheide zwischen Motten und Kothen. Angenommen, jemand würde Ihnen eine Kugel geben - prall gefüllt mit Fördermitteln. Auf welche Seite würden Sie sie rollen lassen?

    Ich würde sie knacken und verteilen.

    Tut Ihnen der Vorwurf, Kothen und Speicherz würden von Ihnen benachteiligt, weh?

    Es stimmt einfach nicht. Man muss sich einmal anschauen, was wir wann wo gemacht haben. Ich bin seit 1. Mai 2002 im Amt. Am Anfang ist mir die Frage gestellt worden: Willst du auch mal etwas in Motten machen? Ein Thema, auf das ich öfter angesprochen werde, ist die Wasserversorgung. Natürlich wird da viel Geld ausgegeben, aber das Wasser ist doch für alle. Und auch das Rathaus - fahren Kothener und Speicherzer jetzt nach Bad Brückenau, wenn sie etwas möchten? Das finde ich einfach schade.

    Hat die Macht Sie verändert?

    Das kann ich selbst vermutlich am schlechtesten beurteilen. Ich würde mich selbst nicht als Machtmenschen bezeichnen. Ich mache einfach nur meine Arbeit. Für mich ist die Gemeinde so, als wäre sie mein eigener Betrieb.

    Gibt es schon einen Nachfolger?

    Ich weiß es nicht.

    Wäre Zweite Bürgermeisterin Ute Becker geeignet?

    Auf jeden Fall. Sie ist die beste Vertreterin, die ich mir vorstellen kann, ein Glücksfall.

    Ihr schönster Tag als Bürgermeister?

    Da gibt es sicherlich viele. Die Dorfplatzeinweihung zum Beispiel. Damals haben hundert Ehrenamtliche zwischen acht und 80 Jahren mitgeholfen. Oder auch der Turm auf der Mottener Haube. Da habe ich die letzten 20.000 Euro, die noch fehlten, quasi an den Haustüren eingesammelt.

    Das Gespräch führte Ulrike Müller.

    Ulrike Müller

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