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    Motten

    Motten: Kontroverse um die Kindergärten

    Auf diesem Gelände, wo der Spielplatz in der Dalherdaer Straße zu finden ist, wird laut Beschluss des Gemeinderats der n...

    Auf eigenen Wunsch kam Bürgermeister Jochen Vogel ( CSU ) auf die Redaktion zu. Er möchte in der Debatte um die Kindergärten in der Gemeinde Stellung beziehen und Missverständnisse aufklären.


    Herr Vogel, wie ist es überhaupt zu dem Konflikt gekommen?
    Jochen Vogel : Der Kindergarten in Motten kam auf die Gemeinde zu. Wir haben ja vor fast zehn Jahren eine Krippe erst für acht, dann für zwölf Kinder eingerichtet und ehrlicherweise hat niemand damit gerechnet, dass das nicht reichen würde. Aber die Krippe ist voll.

    Die Gemeinde hat verschiedene Varianten geprüft. Welche Möglichkeiten lagen auf dem Tisch?
    Zunächst hatten wir überlegt, den Kindergarten umzubauen. Doch davon haben uns sowohl das Jugendamt als auch die Regierung von Unterfranken abgeraten. Parallel dazu haben wir auch überlegt, an den Kindergarten in Kothen anzubauen. Doch dort müssten die Kleinkinder zusammen mit den Regelkindern betreut werden. Das konnte sich die Kindergartenleiterin aus pädagogischen Gründen nicht vorstellen. So kam zum Beschluss, nur in Motten einen neuen Kindergarten mit Krippe zu bauen. Der Gemeinderat hat das in seiner Sitzung im Juli auch beschlossen und einen Umbau für die Kombi-Betreuung in Kothen abgelehnt.



    Eltern aus Kothen und Speicherz befürchten, dass der Kindergarten in Kothen so auf lange Sicht geschwächt wird. Denn wenn die Kleinkinder in Motten bereits eingewöhnt sind, werden sie wohl kaum im Alter von drei Jahren nach Kothen wechseln.
    Der Standort in Kothen steht für mich überhaupt nicht zur Diskussion. Bislang gehen die Kinder, soweit ich weiß, meist ab zweieinhalb Jahren wieder zurück nach Kothen in den Kindergarten. Wenn ich wünschen dürfte, würde ich beide Kindergärten mit gleicher pädagogischer Qualität erhalten. Hätte ich den Kindergarten in Kothen schließen wollen, so hätte die Gemeinde den Wasserschaden im Jahr 2012 zum Anlass nehmen können. Stattdessen haben wir die Räume für viel Geld wieder auf Vordermann gebracht.

    Trotzdem ist ein schleichender Bedeutungsverlust des Kothener Kindergartens nicht ganz von der Hand zu weisen, oder?
    Diese Sorge teile ich. Wir haben die Zusage bekommen, dass der Kindergarten als Landkindergarten weitergeführt wird. Das heißt, dass der Bestand gesichert ist, auch wenn dort weniger als 25 Kinder betreut werden. Sowohl Kothen als auch Motten haben in der Vergangenheit schon von dieser Regelung profitiert.

    Wie lange gilt diese Zusage?
    Das weiß ich nicht. Wenn der Kindergarten irgendwann einmal eine Größe erreicht hat, dass das nicht mehr funktioniert, dann wird die Schließung nicht mehr zu verhindern sein. Wir sollten aber nicht zu schwarz malen. Außerdem liegt diese Entscheidung nicht bei der Gemeinde, sondern beim Träger.

    Wäre es nicht eine Möglichkeit, sowohl in Motten als auch in Kothen zu modernisieren und so beide Standorte zu stärken?
    Gebaut wird immer dort, wo der größte Bedarf ist. Dies ist eine Vorgabe der Regierung und auch vom Jugendamt. Das spricht für einen Neubau in Motten . Nach der ersten Kostenschätzung würde der Kindergarten rund 1,35 Millionen Euro kosten. Die nötigen Umbauarbeiten am Kindergarten in Kothen für eine kombinierte Betreuung der Kinder zwischen einem und sechs Jahren wurden auf etwa 300 000 Euro geschätzt. Nach Aussage des Jugendamtes wird eine separate U3, wie durch die Initiative in Kothen gefordert, annähernd eine Million Euro kosten.

    Könnte sich die Gemeinde denn beides leisten?
    Ja, wenn wir anderes zurückstellen. Aber sollten tatsächlich beide Projekte gefördert werden, gilt eine Zuschussbindung von 25 Jahren. Schließt die zusätzliche Krippe in Kothen doch irgendwann, muss die Gemeinde die Förderung zurückzahlen. Das kann ich als Bürgermeister nicht ignorieren.

    Die betroffenen Eltern sind gerade dabei, Unterschriften zu sammeln . Sie fordern, dass der Gemeinderat das Thema nochmals behandelt. Werden Sie das tun?
    Damit setze ich mich intensiv auseinander, wenn mir die Unterschriften vorliegen. Ich finde es gut, dass man sich dafür einsetzt, das Angebot im Kothener Kindergarten attraktiv zu erhalten. Aber ich finde es weniger gut, wenn man von Haus zu Haus geht und Unterschriften quasi einsammelt.


    Das Gespräch führte Ulrike Müller.


    Zum Verständnis: So funktioniert die Kinderbetreuung in der Gemeinde Motten

    Motten Der Kindergarten wurde 1960 eingeweiht. Aktuell werden dort 30 Regelkinder und sieben Krippenkinder betreut (Stand 1. August). Eine Krippe wurde 2009 eingerichtet. Es ist absehbar, dass die Plätze nicht ausreichen.

    Kothen 1995 zog der Kindergarten von Speicherz ins ehemalige Schulgebäude nach Kothen um. Nach einem Wasserschaden im Jahr 2012 sanierte die Gemeinde die Räume. Für das kommende Kindergartenjahr sind 23 Kinder ab zweieinhalb Jahren gemeldet.

    Organisation Beide Kindergärten haben einen kirchlichen Träger. Die Gemeinde Motten unterstützt aber bei der Organisation. Die Belegungsplanung sowie die Erhebung der Beiträge übernimmt das Rathaus. Bei Fragen rund um die Gebäude sprechen sich Kommune und Träger ab. Das Schulhaus in Kothen gehört der Gemeinde, das Josefsheim in Motten der Kirche.

    Streitfrage Die Gemeinde steht vor einem Dilemma: Der Bedarf in Motten ist unübersehbar. Der Kindergarten ist voll, nur wenige Krippenkinder werden von Kothen und Speicherz gebracht. Deshalb soll ein größerer und moderner Kindergarten gebaut werden. Manche Eltern befürchten aber, dass mit dem Neubau in Motten und der Stärkung der dortigen Krippenbetreuung der Kindergarten in Kothen langfristig geschwächt und eines Tages sogar geschlossen werden könnte. Sie fordern, dass auch in Kothen die Möglichkeit geschaffen wird, Kleinkinder zu betreuen. Das aber ist mit zusätzlichen Kosten verbunden. Ulrike Müller

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