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    Kothen

    Motten: "So geht man nicht miteinander um"

    Der Kindergarten in Kothen ist in der alten Schule untergebracht. Bei einem Bürgerentscheid sprach sich die Bevölkerung gegen einen Umbau des Gebäudes für die Betreuung von Krippenkindern aus. Foto: Archiv/Stephanie Elm
    Der Kindergarten in Kothen ist in der alten Schule untergebracht. Bei einem Bürgerentscheid sprach sich die Bevölkerung gegen einen Umbau des Gebäudes für die Betreuung von Krippenkindern aus. Foto: Archiv/Stephanie Elm

    Der Bürgerentscheid zum Kothener Kindergarten hat ein Nachspiel. Gemeinderat Marco Hillenbrand, einer der Sprecher der Initiative für eine U3-Betreuung in Kothen , ist als Gemeinderat zurückgetreten. Im Interview schildert er die Gründe. Dabei geht es ihm nicht in erster Linie um die verlorene Abstimmung.

    Herr Hillenbrand, nach dem Bürgerentscheid treten Sie als Gemeinderat zurück. Warum?

    Marco Hillenbrand: Es kann passieren, dass man ein Bürgerbegehren verliert. Aber eine ganz große Enttäuschung war für mich, dass die Gemeinderäte selbst die Bürger falsch informiert haben.

    Sie spielen auf ein Schreiben der elf anderen Gemeinderäte an, mit dem diese die Bürger gebeten hatten, gegen die Erweiterung des Kindergartens in Kothen zu stimmen.

    Genau. Die Bürgerinitiative hat immer gesagt: Wir möchten eine U3-Betreuung in Kothen . Es gab keine Aussage darüber im Text, der zur Abstimmung stand, ob es eine getrennte oder gemischte Betreuung gemeinsam mit den älteren Kindern geben soll. Die 800.000 Euro, mit denen die Gemeinderäte argumentiert haben, sind eine geschätzte Zahl für den Ausbau des Kindergartens mit einer separaten U3-Gruppe. Das war den meisten Bürgern natürlich viel zu teuer.

    In einer Umfrage haben sich Eltern aber bereits im vergangenen Jahr gegen eine gemischte Betreuung ausgesprochen. Auch die Kindergartenleitung war dagegen.

    Es gab mal einen Plan, wie man den Kindergarten in Kothen für die gemeinsame Betreuung umbauen könnte. Das hätte etwa 300.000 Euro gekostet. Damals hat die Kindergartenleitung gesagt, sie könne da pädagogisch nicht mitgehen. Diese Art des Umbaus hätte ich auch nicht so gewollt. Meine Kritik ist aber, dass man nie über andere Möglichkeiten gesprochen hat.

    Ist das der einzige Grund für Ihren Rückzug?

    Nein. Was mich auch stark belastet, ist, wie mit mir persönlich umgegangen wird. Ich habe Bekannte, die mir sagen: Die machen in Motten drüben Stimmung gegen dich. Es heißt, ich wäre dafür verantwortlich, dass der Bürgermeister nächstes Jahr nicht noch einmal zur Wahl antritt. Der Gemeinderat hat nicht dagegen gesprochen. Das kann einfach nicht sein. So geht man nicht miteinander um.

    Sie sind schon der zweite Kothener Gemeinderat, der wegen des Kindergartens aufhört. Kann denn Hinschmeißen die Lösung sein?

    Ich habe damals zu Markus Bug selbst gesagt, dass Hinschmeißen nicht die Lösung sein kann. Als er gegangen ist, stand ich relativ isoliert da. Was kann man da noch erreichen? Nach dem Bürgerentscheid habe ich gesehen, dass ich die Dinge nicht ändern kann. Ich kann diese Politik aber auch nicht mittragen. Wenn dann persönliche Anfeindungen dazu kommen, muss man die Notbremse ziehen.

    War es nicht vielleicht auch ein persönlicher Kreuzzug des Marco Hillenbrand für den Kothener Kindergarten?

    Wenn es so wäre, hätten wir viel mehr Nein-Stimmen aus Kothen bekommen. Kurz vor der Abstimmung hatte die Kirchgemeinde als Träger des Kindergartens auch noch einen Flyer veröffentlicht. Das hat viele Bürger verunsichert, so dass sie nicht zur Wahl gegangen sind. Aber von den Kothenern, die abgestimmt haben, war die große Mehrheit für die U3-Betreuung. Die Entscheidung haben die Mottener getroffen. Damit waren die Kothener Bürger überstimmt. Da bleibt die Frage: Sind die Kothener Bürger tatsächlich so gut vertreten?

    Im Grunde sagen Sie damit, dass die anderen drei Gemeinderäte aus Kothen ihre Bürger nicht gut vertreten haben, indem sie sich dem Schreiben der Gemeinderäte anschlossen.

    Zumindest in dieser einen Frage. Ich kann nicht sagen, dass alles, was sie in den letzten vier Jahren entschieden haben, falsch war. Es geht mir aber auch nicht ausschließlich um den Kindergarten. Es geht um die Frage: Was ist gut für die Gemeinde? Eine gute Kinderbetreuung für Speicherz und Kothen nutzt der ganzen Gemeinde! Nur so sind diese Ortsteile für junge Familien attraktiv. Was ist denn die Konsequenz? Eltern , die in Richtung Bad Brückenau arbeiten, bringen ihr Kind nicht nach Motten in den Kindergarten.

    Gibt es schon einen Nachfolger für Sie?

    Auf der Liste stehen noch einige, die nachrücken könnten. Aber es ist noch nicht raus, wer es sein wird. Die Situation ist für den Nachrücker ja auch nicht einfach.

    Das Gespräch führte Ulrike Müller.

    915 Bürger gaben beim Bürgerentscheid ihre Stimme ab. Davon waren 630 gegen den Ausbau des Kindergartens Kothen für U3-Kinder. 285 Bürger stimmten dafür.

    433 Bürger aus Kothen waren wahlberechtigt. Davon stimmten 209 für die U3-Betreuung, 45 dagegen. Die hohe Zahl an Briefwählern (324) relativiert die augenscheinlich niedrige Wahlbeteiligung etwas.

    Ulrike Müller

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