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    Motten

    Motten: Strecke verliert an Attraktivität

    "Seit der Sanierung und dem Ausbau der früheren Bundesstraße 27 im Jahr 2015 haben wir einen sprunghaften Anstieg von Verkehrsunfällen registriert", sagt Polizeihauptkommissar Thomas Vöth. Das Terrain, so der stellvertretende Bad Brückenauer Dienststellenleiter, habe sich zu einer "attraktiven Motorradstrecke" entwickelt, auf der es den Bikern besonders die Kurven angetan haben. Vor lauter Euphorie würden die Tücken der Straße aber oft unterschätzt.

    Bei einem Ortstermin in Höhe der Wasserscheide, an dem auch Mottens Bürgermeister Jochen Vogel ( CSU ) teilnahm, ließ Vöth Zahlen sprechen. Hatte es 2014 und 2015 auf dem rund 3,5 Kilometer langen Straßenabschnitt gar keine Unfälle gegeben, so ging deren Zahl 2016 abrupt in die Höhe. Zwei schwerverletzte und einen leichtverletzten Kraftradfahrer verzeichnete die Statistik. Hinzu kamen fünf Pkw-Unfälle ohne Personenschäden. Dramatisch wurde es dann im vergangenen Jahr. Fünf Motorradfahrer wurden schwer und einer leicht verletzt. "In allen sechs Fällen war die Ursache überhöhte Geschwindigkeit", bilanzierte Vöth. Und auch 2018 haben bereits drei Biker die Kontrolle über ihre Maschine verloren. Erst vor einigen Tagen gab es erneut einen Schwerverletzten, der sogar mit dem Rettungshubschrauber ins Klinikum nach Fulda geflogen werden musste.

    Streifenfahrten erhöht

    Angesichts der Sachlage war die Polizei schon in der Vergangenheit nicht untätig. "Gleich im ersten Jahr nach Beendigung der Bautätigkeit haben wir die Streifenfahrten in diesem Bereich erhöht", blickt Vöth zurück. Bei zahlreichen Kontrollen seien etliche Kradfahrer auffällig geworden. "Die Verstöße beschränkten sich aber in den meisten Fällen auf Ordnungswidrigkeiten durch Veränderungen am Motorrad , die für eine enorme Lärmbelästigung sorgten". Wirksame Geschwindigkeitskontrollen seien laut Vöth nicht möglich gewesen, da es bisher keine Beschränkungen durch Verkehrszeichen gegeben habe. "Die außerorts erlaubten 100 km/h werden an den Gefahrenstellen wie den zwei Haarnadelkurven kaum erreicht, da diese schon mit weit weniger Tempo für viele Motorrad- und auch Autofahrer kaum zu meistern sind", so der stellvertretende Inspektionsleiter.

    Im ersten Halbjahr 2018 hatten die Verantwortlichen der Bad Brückenauer Polizei daher noch einmal ihre Anstrengungen für die Errichtung einer Geschwindigkeitsbeschränkung auf der gesamten Strecke zwischen Motten und Kothen forciert. Mit ihrer Argumentation konnten sie schließlich sowohl Straßenverkehrsamt als auch Straßenbaubehörde überzeugen. Seit rund einem Monat gilt Tempo 70.

    Strecke wird in Biker-Foren beworben

    "Wir erhoffen uns eine deutliche Erhöhung der Verkehrssicherheit einhergehend mit einer ebenso spürbaren Verringerung der Lärmbelästigung vor allem im Ortsteil Motten ", schaut Vöth optimistisch in die Zukunft. Um die gesteckten Ziele zu erreichen, werden die Ordnungshüter ab sofort verstärkt Geschwindigkeits- und vor allem allgemeine Zweiradkontrollen vornehmen. Dabei kommen sowohl die sogenannte Laserpistole als auch andere technische Spezialgeräte der Verkehrspolizei Schweinfurt/Werneck zum Einsatz.

    "Für die Raser wird die Strecke nach und nach ihre Attraktivität verlieren", ist sich Vöth sicher. Denn bisher wurde das Teilstück der Staatsstraße 2790 in Bikerkreisen regelrecht beworben. Im Internet gibt es nicht nur spezielle Foren, in denen über die Erfahrungen auf der "Rhöner Piste" diskutiert wird. Darüber hinaus existieren sogar kleine Filme, die mit der Helmkamera aufgenommen worden sind, was natürlich nicht im Sinne der Polizei ist.

    Tipps vom Polizeichef

    Die Geräuschbelästigung durch Motorradfahrer ist für die Bewohner der Gemeinde Motten seit Jahren ein ständiges Ärgernis. Oft manipulieren die Biker dazu noch am Auspuff, damit es ordentlich röhrt. Etliche Maschinen hat die Bad Brückenauer Polizei schon aus dem Verkehr gezogen. Obwohl die Beamten momentan wieder verstärkt Streife fahren, sind die Ordnungshüter auch auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. "Rufen Sie uns bei einer Störung sofort an. Wenn kein Notfall vorliegt zunächst unter der Telefonnummer 09741/6060", so der Appell von Dienststellenleiter Herbert Markert .

    Verspätete Beschwerden, "dass wieder gerast wurde", gingen meist ins Leere, erläutert der Erste Polizeihauptkommissar. Wenn möglich sollte auch das Kennzeichen des auffälligen Motorrads notiert und die Maschine beschrieben werden. Nur so könnten Verkehrssünder gezielt verfolgt und zur Rechenschaft gezogen werden. Eine Beschwerde bei Bürgermeister Jochen Vogel sei dagegen sinnlos, da der Rathauschef in solchen Angelegenheiten keine Befugnisse habe. "Maßnahmen von Selbstjustiz oder Blockaden durch die Anlieger gehen gar nicht", macht Markert deutlich und unterstreicht, "dass die Masse der Motorradfahrer sich vernünftig verhält".

    Rolf Pralle

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