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    Münchau

    Münchau: Ein Mührad wird abgebaut

    Das alte Mühlrad der Michelsmühle war nicht mehr zu retten. Nun bauten die Besitzer es ab. Wenn die Corona-Situation es zulässt, kann es beim nächsten Mühlenfest bestaunt werden.
    Der obere Teil des Mühlrades wird abtransportiert. Foto: Marion Eckert       -  Der obere Teil des Mühlrades wird abtransportiert. Foto: Marion Eckert
    Der obere Teil des Mühlrades wird abtransportiert. Foto: Marion Eckert

    Auf den ersten Blick sah das Mühlrad an der Michelsmühle in Münchau noch recht robust aus. Doch bei näherer Betrachtung zeigte sich, dass der Zahn der Zeit an dem etwa 100 Jahre alten Mühlrad deutliche Spuren hinterlassen hat. Rost blättert ab, die Holzstreben sind vermorscht und haben Gras und Moos angesetzt. Seinen letzten Einsatz hatte es im vorigen Jahr beim Museumsfest .

    Nun ist das Mühlrad ist der Michelsmühle Geschichte.

    Es wurde zerlegt und abgebaut. Doch ganz verschwinden wird es nicht. Familie Schwenzer möchte es neben den anderen historischen Raritäten ihrer Mühle ausstellen. Es soll überdacht werden, damit die Witterung Stahl und Holz nicht weiter zusetzen kann.

    Das Mühlrad abzubauen war keine einfache Angelegenheit. Mit einem ausgeklügelten System haben Oliver Schwenzer, sein Schwiegersohn in spe Stefan Leitsch, Sohn Julian Schwenzer und Lukas Zeller, der den Frontlader bediente, das Mühlrad auseinander gelegt. Da es nicht einfach nur von der Welle gehoben werden konnte, musste es in zwei Teile geschnitten werden.

    Mühlrad in zwei Teile zerlegt

    "Wir können es nicht einfach durchschneiden, dann wird der Druck zu groß und es kann gefährlich werden", erklärte Oliver Schwenzer. Daher hatte er eigenes eine Art Holzbock gefertigt, den er unter den oberen Teil des Mühlrades klemmte. Spanngurte wurden daran befestigt und der Frontlader zog das Mühlrad etwas an.

    Dann wurde es spannend. Oliver Schwenzer und Stefan Leitsch jeweils mit einer Flex bewaffnet kletterten in das Mühlrad. Ein Gerüst sorgte für die nötige Standfestigkeit. Helle Funken stoben. "Das Metall ließ sich wie ein Stück Papier durchschneiden", befand Schwenzer. Als letztes wurden die hölzernen Streben durchtrennt. Das Mühlrad war in zwei Teile zerlegt. Mit dem Frontlader wurde der obere Teil aus dem Mühlgraben gehoben und zur Seite gefahren.

    Erleichterung bei Schwenzer und seiner Familie : Der kritische Teil war erledigt. Gar nicht auszudenken, wenn es zerbrochen wäre. Doch das Mühlrad hielt, das Sicherungssystem bewährte sich. Der zweite Teil des Mühlrades war ungleich leichter zu entfernen. Es musste nach oben gedreht und gesichert werden. Dann konnten die Streben durchtrennt werden. Es wurde ebenfalls herausgehoben und zur Seite gestellt. Die beiden Teile warten nun darauf, für die Ausstellung wieder zusammen gesetzt und dauerhaft gesichert zu werden.

    Neues Mühlrad bestellt

    Ein neues Mühlrad ist schon in Auftrag geben, denn ein Mühlrad gehöre einfach zum Haus dazu. Allerdings werde es nicht mehr in massiver Stahlausführung erstellt. Es werde noch in diesem Sommer als eine Art Bausatz geliefert und vor Ort zusammen geschweißt.

    Wenn die Corona-Situation es im nächsten Jahr zulässt, können das alte und das neue Mühlrad möglicherweise beim Mühlenfest im kommenden Jahr bestaunt werden. Seit 2015 laden Schwenzers alle zwei Jahre zum Deutschen Mühlentag in die Michelsmühle ein. Der Andrang war vom ersten Jahr an enorm. Kein Wunder ist die Michelsmühle doch eine Rarität für Mühlenfreunde. Nicht nur die Vielfalt der historische Mühlentechnik auch die Lage im Schondratal bietet ein bezauberndes Ambiente.

    Bis in das Jahr 1740 reicht die Geschichte der Michelsmühle. Damals war sie eine Getreidemühle. 1903 kaufte sie Joseph Bott, der Urgroßvater von Oliver Schwenzers Frau Marion. Er war der erste

    Müller in der Gegend, der bis Mitte der 1920er Jahre Weizengries herstellte. Schwenzers haben die Historie ihrer Mühle genau erforscht und dokumentiert. Sie sind stolz darauf, dass ihre Forschungen so ergiebig waren.

    Alte Technik aufwendig restauriert

    Das Müllerhandwerk wurde in den 1920er Jahren aufgegeben, die Mühle umgebaut und erweitert. Das hölzerne Wasserrad wurde gegen das oberschlächtige Rad ausgetauscht, da nun abgebaut und in den Ruhestand geschickt wurde. Ein besonders Schmuckstück der Mühle ist das Horizontalgatter. Schwenzer vermutet, es wurde im Zuge des Mühlenumbaus von Joseph Bott gebraucht gekauft. Das Baujahr des Gatters wird auf 1915 datiert. Es wurde bis in die 1950er Jahre betrieben. Oliver Schwenzer hat die alte Technik aufwendig restauriert.

    Auch das Vollgatter mit Oberantrieb ist eine Rarität, es stammt vermutlich aus dem Jahr 1903 und stand ursprünglich im Sägewerk Bernhardt in Bad Brückenau, das in der Nacht den 13. Juli 1943 abbrannte. Joseph Bott erwarb gemeinsam mit seinem Sohn Robert Bott das Gatter und baute es an seinem heutigen Standort zur Unterstützung des Horizontalgatters auf. Bis in die 1960er Jahre war die Michelsmühle ein Gewerbebetrieb.

    In späteren Jahren hat Robert Bott, die Säge nur als Hobby und für Freunde und Bekannte betrieben. Das Wissen um die Mühle und ihre Besonderheiten gab er an Oliver Schwenzer weiter, der den Familienschatz bewahrt und erhält. Weitere Informationen über die Mühle und die Säge gibt es im Internet .

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    Marion Eckert

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