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    Münnerstadt

    Münnerstadt: Chefarzt appelliert an die Patienten

    Aus Angst vor Corona verschleppen Patienten Lungenentzündungen und schieben wichtige Operationen auf. Ein fränkischer Chefarzt bittet Betroffene eindringlich, sich medizinische Hilfe zu suchen.
    Dr. Bora Kosan appelliert an Patienten, dringende Operationen aus Angst vor Corona nicht aufzuschieben.Markus Mauritz       -  Dr. Bora Kosan appelliert an Patienten, dringende Operationen aus Angst vor Corona nicht aufzuschieben. Foto: Markus Mauritz
    Dr. Bora Kosan appelliert an Patienten, dringende Operationen aus Angst vor Corona nicht aufzuschieben. Foto: Markus Mauritz

    Mit einem Aufruf in den sozialen Medien hat sich der Chefarzt für Thoraxchirurgie am Thoraxzentrum Bezirk Unterfranken in Münnerstadt , Dr. Bora Kosan, an die Patienten gewandt. Wie in anderen Kliniken auch werden auf dem Michelsberg aufschiebbare Operationen derzeit nicht durchgeführt. Doch dringende Eingriffe werden sehr wohl vorgenommen. Aber dafür müssten erst einmal die Patienten kommen. Aus Angst, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, meiden viele Menschen die Arztpraxen und auch die Krankenhäuser , beklagt der Chefarzt in der Münnerstädter Fachklinik.

    Der Faktor Zeit spielt eine große Rolle. Keinesfalls sollten Patienten mit Lungenkrebs eine Operation um Wochen oder gar um Monate aufschieben, sagt Dr. Bora Kosan. Lungenkrebs sei meist sehr aggressiv, ein Tumor wachse schnell, könne binnen weniger Wochen Metastasen in anderen Organen bilden. Dann sei es zu spät für eine Operation, die Lebenserwartung sinke deutlich. Es sei auch ein großer Unterschied, ob ein Tumor ein oder drei Zentimeter groß ist. Denn nach einer Operation gelte der Patient erst einmal als geheilt. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Krebs wieder auftritt, hänge von der Größe des Tumors ab. "Je größer, desto häufiger kommt er wieder."

    Corona-Krise: Chefarzt appelliert an Patienten

    Aber der Chefarzt der Thoraxchirurgie spricht nicht nur Krebspatienten an, die bereits eine Diagnose haben, oder sich in der Diagnostik befinden. Natürlich bekommen auch in Corona-Zeiten Menschen eine Lungenentzündung , es gibt Patienten mit Eiteransammlungen, akuten Entzündungen, die schnell zu einer Blutvergiftung führen können. "Daran kann man auch sterben", macht der Chefarzt deutlich. Er bittet die Patienten, sich mit der Klinik in Verbindung zu setzen. Es gebe natürlich auch verschiebbare Operationen, als Beispiel nennt der Dr. Bora Kosan eine Trichterbrust. "Das kann man auch noch in zwei Jahren machen."

    Die "Deutsche Fachgesellschaft für Chirurgie" und die "Deutsche Fachgesellschaft für Thoraxchirurgie " haben eindeutig empfohlen, nach Expertise eines Facharztes dringliche und Notfalloperationen durchzuführen", so der Chefarzt .

    Derzeit keine Corona-Patienten

    Welche Operationen gemacht werden, hänge auch davon ab, wie viele Patienten mit Covid-19 gerade behandelt werden. Im Thoraxzentrum gab es zwar schon Fälle, derzeit gibt es aber keine Patienten mit der Lungenkrankheit . Das führt der Chefarzt unter anderem auf den ländlichen Raum zurück. In den Städten der Region sehe das ein wenig anders aus.

    Das Thoraxzentrum hatte sich darauf vorbereitet, Covid-19-Patienten aufzunehmen, wenn in den anderen Krankenhäusern kein Platz mehr ist oder die "normale" Patienten aus anderen Kliniken , wenn diese dort nicht mehr betreut werden können. Derzeit ist das allerdings nicht nötig. Deshalb können dringende Operationen auch durchgeführt werden.

    Dass es derzeit keine Covid-19-Patienten auf dem Michelsberg gibt, ist für Dr. Bora Kosan übrigens kein Grund zur Entwarnung. "Ich teile die Meinung der Bundeskanzlerin und des Ministerpräsidenten", sagt er. Man müsse sehr vorsichtig mit dem Thema umgehen. "Wir dürfen uns nicht in Sicherheit wähnen."

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    Thomas Malz

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