• aktualisiert:

    Münnerstadt

    Münnerstadt: Der Glanz der Zünfte

    Museumsleiter Nicolas Zenzen (links) bereitet derzeit die Sonderausstellung "Handwerk hat goldenen Boden - Der Glanz der Münnerstädter Zünfte"vor.  Mit Bürgermeister Helmut Blank unterhält er sich hier über einen Gesellenbrief. Thomas Malz
    Museumsleiter Nicolas Zenzen (links) bereitet derzeit die Sonderausstellung "Handwerk hat goldenen Boden - Der Glanz der Münnerstädter Zünfte"vor. Mit Bürgermeister Helmut Blank unterhält er sich hier über einen Gesellenbrief. Thomas Malz

    Zwei Dinge haben sich zusammengefügt. "Das ist zum einen das Jubiläum 1250 Jahre Münnerstadt , wo ich gezielt Münnerstädter Geschichte in Ausstellungen thematisieren möchte", sagt Museumsleiter Nicolas Zenzen. Hinzu kommt die Renovierung der Stadtpfarrkirche. Dafür muss das Gotteshaus ausgeräumt werden. Stadtpfarrer Pater Markus Reis habe angefragt, ob die 18 Zunftstangen aus dem Altarraum während der Renovierung als Leihgabe im Museum untergebracht werden könnten. "Liebend gerne" habe er sie genommen, sagt der Leiter. "Die Ausstellung sehe ich als Auftakt, für dien großen Ereignisse, die uns im nächsten Jahr erwarten."

    Die 18 prächtigen Zunftstangen aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind zwar bisher in der Stadtpfarrkirche untergebracht, allerdings im alarmgesicherten Bereich des Gotteshauses. "Bei uns können die Besucher sie auch einmal aus der Nähe betrachten", sagt Nicolas Zenzen. Diese bilden aber nur einen Teil der Sonderausstellung. "Wir haben im Museum viele Objekte, die mit dem Zunftwesen in Verbindung stehen." Diese seien sowohl in der Dauerausstellung als auch in den Depots zu finden. Als Beispiel nennt er die Zunfttruhen. Darin haben die Zünfte wichtige Dokumente und Wertsachen aufbewahrt. Vom Stadtarchivar Klaus Dieter Guhling hat Nicolas Zenzen zudem wertvolle Dokumente aus dem 15. und 16. Jahrhundert bekommen, beispielsweise Zunftordnungen. Es werden auch Meister- und Gesellenbriefe gezeigt, auf denen Namen enthalten sind, die den älteren Münnerstädtern durchaus noch ein Begriff sein dürften.

    " Handwerk hat goldenen Boden" - da fällt Bürgermeister Helmut Blank ( CSU ) gleich der berühmte "Rhöner Kreis" ein, nachdem Mürscht bekanntlich das Geld hat. Aber das führt Nicolas Zenzen nicht unbedingt nur auf das Handwerk zurück. Denn es seien das 13., 14. und 15. Jahrhundert gewesen, als Münnerstadt richtig reich war. "Die Frage ist, wie alt der Rhöner Kreis ist." Er geht davon aus, dass der wesentlich jünger ist. Den früheren Reichtum Münnerstadts führt er auch auf die Auseinandersetzung zwischen den Fürstbischöfen zu Würzburg und den Henneberger Grafen zurück. Die Henneberger hätten sehr viel Geld in Münnerstadt investiert.

    Eine Hochzeit der Zünfte waren das 13. bis 15. Jahrhundert, also die Zeit, in der Münnerstadt sehr reich war. Ihre Entstehung ging mit der Stadtgründungsphase in Mitteleuropa einher. Im 16. Jahrhundert wurden sie zwischenzeitlich verboten, lebten später aber wieder auf. An den Zunftstangen lässt sich deutlich erkenne, dass sie auch einen sehr religiösen Charakter hatten. "Interessant ist, wie Kleinteilig sie waren", sagt der Museumsleiter und zählt unter anderem Bäcker, Metzger, Wollweber. Leinenweber, Kupferschmiede, Goldschmiede Färber, und Schneider auf. Wer wissen will, welcher Unterschied zwischen einem Rotgerber und einem Weißgerber bestand oder was ein Kandl-Gießer ist, der sollte ab dem 25. Oktober einmal im Henneberg-Museum im Deutschordensschloss vorbei schauen.

    "Wir begrüßen sehr, dass Dr. Zenzen sich mit dem Thema befasst hat, sagt Bürgermeister Helmut Blank ( CSU ) zur Ausstellung. Er ist sich sicher, dass sich nicht nur Münnerstädter dafür interessieren werden, sondern Bewohner aus dem ganzen Einzugsbereich.

    Dem blühenden Handwerkswesen verdankte Münnerstadt im Mittelalter seinen sprichwörtlichen Wohlstand. In Zünften organisiert, repräsentierten die Angehörigen der verschiedenen Gewerken das Bürgertum der Stadt. Voller Stolz wuurde diese Bedeutung durch prachtvolle Zunftgegenstände zur Schau gestellt. Diese Tradition, die sich bis zur Auflösung der Zünfte im 19. Jahrhundert hielt, bildet das Thema der Ausstellung In deren Mittelpunkt stehen dien 18 barocken Prozessionsstangen aus der Münnerstädter Stadtpfarrkirche, ergänzt durch weitere Objekte rund um das Zunftwesen aus den Beständen des Museums.

    Die Ausstellung wird am Donnerstag, 24 Oktober um 19 Uhr im Deutschordensschloss eröffnet. Zu sehen ist die Ausstellung bis einschließlich 3. Mai 2020. Geöffnet hat das Museum von Dienstag bis Freitag von 10 bis 15 Uhr und am Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 12 bis 17 Uhr. Vom 7. Januar bis 31. März hat das Museum geschlossen.

    Thomas Malz

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!