• aktualisiert:

    Münnerstadt

    Münnerstadt: Ein Bad, zwei Bäder, ein Bad, gar kein Bad

    Sprung ins kühle Nass des Sommerschwimmbades: Der morsche Sprungturm aus Holz wurde 1961 ersetzt. Archiv
    Sprung ins kühle Nass des Sommerschwimmbades: Der morsche Sprungturm aus Holz wurde 1961 ersetzt. Archiv

    "Da habe ich meine Kindheit verbracht." Mit diesen Worten unterstrich Andreas Halboth kürzlich bei einer Informationsveranstaltung zum Stadtjubiläum die Bedeutung des alten Sommerbades in Münnerstadt . Zum 1250-Jahrfeier der Stadt wünscht sich der Architekt, dass das alte Bad mit eingebunden wird.

    Zwischen den Jahren 1934 und 1979 haben Generationen von Kindern im Sommerbad nahe den Münnerstädter Quellen das Schwimmen erlernt. Und vor allem viel Spaß gehabt. In der heutigen Zeit wäre so ein Schwimmbad überhaupt nicht mehr vorstellbar - aber damals war es äußerst beliebt, es zählte zu den ersten Bädern in der Region.

    Eingeweiht wurde es im Juni 1934 mit einem Kreisschwimmfest. Und mit einer Blamage. Zwar waren die auswärtigen Schwimmer zahlreich vorhanden, die Münnerstädter, denen das Bad ja übergeben werden sollte, glänzten durch Abwesenheit. Der entsprechende Zeitungsbericht ist in der Sprache der Zeit verfasst. "Nach Überwindung mancher Schwierigkeiten, aus dem Bestreben, den Arbeitslosen Arbeit und Brot zu verschaffen, in der Absicht der Volksgesundheit und Ertüchtigung zu dienen, ist das Bad erschaffen worden", zitierte das Blatt den Architekten.

    Bürgermeister Eduard Hußlein verwies darauf, dass das neue Schwimmbad eines der ersten wichtigen Unternehmen des neuen Stadtrats sei, das dieser in der Zeit der Not habe entstehen lassen. "Trotz der großen finanziellen Schwierigkeiten wie auch des schwierigen Baugeländes sei hier binnen Jahresfrist ein Werk entstanden, das sich mit den Anstalten der Gegend wohl bemessen kann", stand in der Zeitung.

    Im Stadtarchiv füllen Fotos und Belege vom alten Schwimmbad einen ganzen Ordner. Die Stichpunkte zu den Veröffentlichungen in der Zeitung ähneln sich sehr. Über Saisoneröffnungen wurde geschrieben, über das Saisonende und vor allem über eins: Instandsetzungen und Renovierungen. Am 21. Mai 1958 ist von einer Umgestaltung die Rede. Damals wurden die Münnerstädter per Zeitungsbericht darüber informiert, dass das Bad nicht eröffnet werden kann, weil die Umbauarbeiten noch laufen. Das Schwimmbadgelände wurde damals erheblich erweitert. "Der Sprungturm wird eine Umgestaltung erfahren, nachdem nachdem das Holzgerüst morsch und wackelig geworden war." Die Bodenfläche musste - einmal mehr - abgedichtet werden. Und: "Für die Seitenwände wird erstmalig ein blauer Farbanstrich verwendet, damit das hässliche teerfarbene Schwarz aus dem Blickfeld der Badegäste entrückt."

    Der morsche Sprungturm wurde schließlich abgebaut und 1961 ein neuer errichtet. Immer wieder wird in den Jahren danach das Bad später eröffnet, im Jahr 1978 sogar erst im August. Zwei Monate zuvor hatte die Zeitung die Frage aufgeworfen, ob es überhaupt noch einmal öffnet. Das Sommerbad sei nie der Liebling der Stadt gewesen, heißt es in dem Artikel. "Grundlegende Änderungen sind nie vorgenommen worden und bis heute - inzwischen wieder einmalig weit und breit - ist das Bad ohne Umwälzanlage, von Beheizung ganz zu schweigen." Der Betrieb sei immer nur notdürftig aufrecht erhalten worden und so habe das Bad Bedeutung verloren. "Obwohl ein öffentliches Bad nie rentabel zu gestalten und immer ein Zuschussbetrieb sein wird, sollte man es doch nicht vollkommen herunterwirtschaften", hieß es. Und: "Oder ist es wahr, dass man nur auf eine Gelegenheit wartet, es endgültig zumachen zu können?"

    Inzwischen hatte Münnerstadt eine neue Attraktion bekommen: das Hallenbad. Kurz vor Weihnachten 1974 war es als Geschenk für die Münnerstädter eröffnet worden. Bis zur offiziellen Einweihung am 24. Januar 1975 wurden bereits 7000 Gäste gezählt. Insgesamt waren es im Eröffnungsjahr 72 849 Besucher. Eine Traumzahl, die nie wieder erreicht werden sollte.

    Am 30. August 1979 wurde letztmalig ein Foto vom geöffneten Bad veröffentlicht, mit der etwas seltsamen Bildunterschrift: "Gestern Badesaisoneröffnung? - Wassertemperatur 16 Grad!" In der Tat war das Wasser meist sehr kalt gewesen. Das lag vor allem daran, dass es keine Umwälzpumpe gab, das zudem undichte Becken immer wieder mit frischen Quellwasser aufgefüllt werden musste. Trotzdem ließ die Wasserqualität im Laufe der Saison deutlich nach. "Am Ende des Sommers war das eine dunkelgrüne Suppe", erinnert sich beispielsweise Susanne Will. "Den Geruch von den Umkleidekabinen habe ich heute noch in der Nase." Es hält sich übrigens hartnäckig das Gerücht, dass immer, wenn die Pumpen Wasser aus den Quellen in den Hochbehälter pumpten, im unmittelbar daneben liegenden Schwimmbad ein halber Meter Wasser gefehlt haben soll.

    1980 öffnete das Sommerbad nicht mehr. Bereits zwei Jahre später wurde das Becken eingerissen und aufgefüllt. Es entstand ein Rollschuh bzw. Eislaufplatz. Die alten Umkleidekabinen blieben bis 1996 stehen, waren bis dahin immer wieder Grund für Ärgernisse .

    Im gleichen Jahr verzeichnete das Hallenbad mit 44 255 Besuchern das schlechteste Ergebnis, dann ging es wieder leicht bergauf. Aber es blieb ein Zuschussgeschäft, notwendige Investitionen blieben aus. Immer wieder machten Gerüchte von einer Schließung die Runde. Am 1. Juli 2010 wurde das Hallenbad tatsächlich geschlossen. Bestrebungen von Freunden des Bades, es zu sanieren und wieder zu eröffnen, dauern bis heute an.

    Thomas Malz

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!