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    Münnerstadt

    Münnerstadt: Gemütliche Feuerwehrausfahrt oder eine Provokation?

    Mit Tatütata hat sich der Tross der Feuerwehr Reichenbach in Münnerstadt am Sonntagnachmittag Aufmerksamkeit verschafft. Doch es war kein Ernstfall, sondern eine Ausfahrt zum Jubiläum. Das zieht jetzt Konsequenzen nach sich, denn es wurde Anzeige erstattet. Video-Screenshot Heike Beudert/Video: Reinhold Heppt
    Mit Tatütata hat sich der Tross der Feuerwehr Reichenbach in Münnerstadt am Sonntagnachmittag Aufmerksamkeit verschafft. Doch es war kein Ernstfall, sondern eine Ausfahrt zum Jubiläum. Das zieht jetzt Konsequenzen nach sich, denn es wurde Anzeige erstattet. Video-Screenshot Heike Beudert/Video: Reinhold Heppt

    Der Münnerstädter Reinhold Heppt hat Anzeige erstattet. Wegen eines Verstoßes gegen das Straßenverkehrsgesetz .Seiner Meinung nach hat die Reichenbacher Wehr den Bogen überspannt: Im Zuge ihres Feuerwehrjubiläums hatten Feuerwehrleute und Gäste eine Ausfahrt mit verschiedenen Fahrzeugen, örtliche Einsatzfahrzeuge und private Sammler-Feuerwehrautos mit Oldtimerzulassung - unternommen. Ein Anlaufpunkt war auch Münnerstadt . Die Fahrt ging nicht lautlos über die Bühne. Martinshörner durchschnitten die Sonntagsruhe und Blaulichter leuchteten auf. Diese Signale dürfen aber nur im Ernstfall und nicht aus Spaß genutzt werden.

    Reinhold Heppt hat den Korso zufällig gehört. Im ersten Moment hat er gedacht, einen Einsatz verpasst zu haben, schreibt er in der Begründung seiner Anzeige. Als er dann den Tross aus Reichenbach sah, zückte er sein Handy, drehte ein Video und notierte alles genau. Denn Heppt kennt sich aus mit der Feuerwehr. Er war selbst einmal Kommandant in Münnerstadt . Und der Münnerstädter hat derzeit ohnehin ein kritisches Auge auf die Feuerwehr in Reichenbach; spätestens seit Januar 2019 wirft er der dortigen Wehr ein fahrzeugtechnisches Hochrüsten zum Nachteil seiner Münnerstädter Wehr vor. Gar nicht gut ist er deshalb auf den Reichenbacher Kommandanten Manuel Geßner zu sprechen. Und Geßner war bei der Ausfahrt mit dabei. Gegen ihn richtet sich nun auch Heppts Anzeige.

    Nach Meinung von Reinhold Heppt sind die Reichenbacher damit eindeutig einen Schritt zu weit gegangen. Bei der Ausfahrt sei gegen das Straßenverkehrsgesetz verstoßen worden, nicht nur weil Sondersignale genutzt wurden. Auch die Tatsache, dass unerlaubt im Verband gefahren wurde, hält Heppt für ordnungswidrig. Geßner sei selbst im ersten Fahrzeug gesessen. Als zur Zeit tätiger kommissarisch tätiger Kreisbrandmeister sollte er seine Rechten und Pflichten kennen, findet Heppt. "Absolut unrechtmäßig" sei dieses Verhalten gewesen, schreibt Reinhold Heppt in seiner Anzeige.

    Der Münnerstädter berichtet aber auch, dass es ein angespanntes Verhältnis zwischen den beiden Wehren gebe. Und deshalb sieht er wohl nicht nur ganz sachlich ein fehlerhaftes Verhalten; vielmehr hat er auch eine ganz subjektive Meinung, weshalb es diese Ausfahrt gab. Für ihn ist die Rundfahrt eine Provokation mit Zielrichtung Mürschter Wehr. Das begründet er auch schriftlich der Polizei gegenüber. Dass der Korso ausgerechnet am Hafenmarkt, in unmittelbarer Nähe zum Münnerstädter Feuerwehrgerätehaus stoppte, hat nach Meinung Heppts nur einen Grund: Da wollte man den Mürschtern zeigen, was man hat. "Angesicht des hoffnungslos zerrütteten Verhältnisses zwischen den Wehren, kann ich dies, und auch im Namen meiner Kameraden so nicht stehen lassen", schreibt Heppt in der Anzeige.

    Am Hafenmarkt habe der Tross nur deshalb gehalten, um den Teilnehmern die Möglichkeit zu geben, Fotos von ihren historischen Fahrzeugen vor mittelalterlicher Kulisse zu machen, erklärt dagegen der Reichenbacher Kommandant Manuel Geßner. Und Münnerstadt sei nicht der einzige Ort gewesen, durch den gefahren wurde. Geßner gibt jedoch ein verkehrsrechtliches Versäumnis zu. Er weiß, dass da eine Ordnungswidrigkeit vorliegt. "Wir hätten die Fahrt vom Landratsamt genehmigen lassen müssen". Er verweist aber darauf, dass der Polizei im Vorfeld die Ausfahrt gemeldet worden sei. Ein entgegenkommendes Polizeifahrzeug habe dem Tross sogar freundlich zugewunken, erklärt Geßner.

    Bei den beiden Feuerwehren ist man derweil um Schadensbegrenzung bemüht, wohl auch deshalb, weil es tatsächlich Meinungsverschiedenheiten auf Leitungsebene gegeben hat. Die würden aber in sachlicher Diskussion gelöst, erklärt Geßner. Der Münnerstädter Kommandant Robert Müller betonte auf Anfrage, dass die Anzeige nichts mit der Münnerstädter Wehr zu tun habe. Geßner und Müller hatten nach eigenen Angaben telefonisch Kontakt und stellten dies klar. Ganz persönlich, so Müller , sehe er trotzdem kritisch, dass bei der Ausfahrt Sondersignale eingesetzt wurden. Das habe er Manuel Geßner so auch am Telefon gesagt. Alleine zwischen 1. und 4. August sei die Münnerstädter Wehr fünfmal ausgerückt. Die Bevölkerung müsse sich wirklich sicher sein, dass es sich um einen Ernstfall handelt, wenn Einsatzsignale zu aufleuchten bzw. hören sind, meint Müller.

    Bei der Polizei ist die Anzeige eingegangen, bestätigt Polizeihauptkommissar Christian Pörtner auf Anfrage. Diese werde geprüft und abgearbeitet. Das werde wohl einige Tage dauern. Die Polizei muss auch feststellen, wer überhaupt eine Ordnungswidrigkeit begangen hat; die Überprüfung betrifft alle Teilnehmer der Ausfahrt. Die Fahrzeugkennzeichen liegen der Polizei vor. Es handle sich aber wohl eher um eine sogenannte geringfügige Ordnungswidrigkeit. Bei geringfügigen Ordnungswidrigkeiten kann eine Behörde laut Informationen aus dem Internet Verwarnungen aussprechen und/oder ein Verwarnungsgeld in Höhe zwischen fünf und 55 Euro aussprechen.

    Heike Beudert

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