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    Münnerstadt

    Münnerstadt: Handwerker waren einst die wichtigste Gruppe der Stadt

    Sehr interessiert folgten zahlreiche Zuhörer Museumsleiter Nicolas Zenzen (links), der in  die Ausstellung "Handwerk hat goldenen Boden - der Glanz der Münnerstädter  Zünfte" einführte..Dieter Britz
    Sehr interessiert folgten zahlreiche Zuhörer Museumsleiter Nicolas Zenzen (links), der in die Ausstellung "Handwerk hat goldenen Boden - der Glanz der Münnerstädter Zünfte" einführte..Dieter Britz

    "Mürscht hat´s Geld!" heißt es im Rhöner Kreis, einem historischen Spruch über Städte und Gemeinden in der Rhön. Woher der Reichtum einst kam, machte ein Vortrag bei der am Freitag eröffneten Ausstellung "Handwerk hat goldenen Boden - der Glanz der Münnerstädter Zünfte " im Henneberg-Museum deutlich. Besonders die vielen Handwerker und Kaufleute waren es, die die Stadt reich machten. Sie waren in zahlreichen Zünften organisiert, deren äußeres Zeichen unter anderem die prächtigen und oft vergoldeten Zunftstangen waren.

    Die 18 erhalten gebliebenen Münnerstädter Zunftstangen von 17 Zünften stehen - seit mehreren Jahrzehnten - normalerweise etwas versteckt im alarmgesicherten Altarraum der Pfarrkirche St. Maria Magdalena . Da die Kirche gerade renoviert wird und die Stangen deshalb entfernt werden mussten, schlug Stadtpfarrer Pater Markus Reis OSA vor, sie im Henneberg-Museum auszustellen.

    Museumsleiter Nicolas Zenzen hatte die Idee gerne aufgegriffen. Zusammen mit anderen Ausstellungsstücken wie zum Beispiel Zunft-Truhen, alten Meister- und Gesellenbriefen, Wanderbüchern von Gesellen auf Wanderschaft oder Krügen und Pfeifen entstand eine sehenswerte Sonderausstellung, die einen Einblick in eine mittelalterliche Stadt gibt, die vor allem von Handwerkern aller Art und von Händlern geprägt war.

    Ausstellungsbesucher sollten sich auch die Mühe machen, die vier sehr informativen Texttafeln mit ausführlichen Informationen zu studieren. Ein Teil der Ausstellungsstücke stammt aus dem Stadtarchiv, auch ein Privatmann hat einige beigesteuert. Bei der Ausstellungseröffnung dankte der 2. Bürgermeister Andreas Trägner Museumsleiter Nicolas Zenzen und Pater Markus.

    "Das Handwerk ist so alt wie die Menschheit" , stellte Zenzen zu Beginn seines sehr aufschlussreichen und detaillierten Einführungsvortrages fest. Handwerk bedeutete Aufgabenteilung und damit Spezialisierung und Entstehung des Sozialwesens. Das Handwerk sei unverzichtbar gewesen, auch wenn seine Wertschätzung sehr unterschiedlich war. In den letzten Jahren sei wieder deutlich geworden, dass es ohne Handwerk nicht geht.

    Vom 13. bis zum 16. Jahrhundert waren Handwerker die wichtigste Gruppe in der Stadt. Sie hatten große politische und wirtschaftliche Bedeutung. Im Mittelalter seien sie ein wichtiger Machtfaktor gewesen, im 15. Jahrhundert war der Stadtrat überwiegend mit Handwerkern besetzt. Die Reformation und die Bauernkriege führten zu einem Bruch. 1525 wurden, so der Museumsleiter, in Münnerstadt die Zünfte verboten.

    Im Zuge der Gegenreformation verließen 80 evangelische Familien, vornehmlich vermögende Handwerker , die Stadt, da sie nicht wieder zum katholischen Glauben zurückwollten. Später konnten die Zünfte wieder gegründet werden.

    Dass die prächtigen Zunftstangen im Chorraum der Pfarrkirche ihren Platz haben, ist ein Zeichen dafür, dass die Zünfte in erster Linie religiöse Bruderschaften waren, wie bei Prozessionen die Stangen mitführten. In dieser Zeit waren die Zünfte und die Arbeit ihrer Mitglieder durch Zunftsordnungen streng reglementiert, wie einige Dokumente in der Ausstellung belegen.

    Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam jedoch die Gewerbefreiheit. Die Zünfte konnten sich, auch in Münnerstadt , der neuen Zeit nicht anpassen und wurden aufgelöst. Wie viele Zünfte es in Münnerstadt gab, wollte ein Besucher von Nicolas Zenzen wissen. Das sei kaum zu sagen; manche Zünfte seien aufgelöst worden und andere hätten sich zusammengeschlossen. Zwischen dem 13. und 18. Jahrhundert hätte es etwa 40 Berufsbezeichnungen gegeben. Es sei aber eher unwahrscheinlich, dass jeder Beruf eine eigene Zunft hatte, war die Antwort das Museumsleiter.

    Folgende Berufe gab es unter anderem in früheren Jahrhunderten in der Stadt: Seiler, Schmiede, Manger (= Händler, Krämer), Zimmerleute, Glaser, Weißgerber, Bäcker, Schuhmacher, Hufschmiede, Steinmetze, Maurer, Tuchscherer, Wagner, Krämer, Dachdecker , Brauer, Lohgerber, Buchbinder , Winzer, Wollweber, Müller, Höker (= Krämer), Zinngießer, Färber, Kürschner, Schreiner, Gewandschneider, Metzger, Keßler, Küfer, Leinenweber, Kupferschmiede, Sattler, Schneider, Täschner (= Taschenmacher), Goldschmiede, Gastwirte.

    Die Ausstellung " Handwerk hat goldenen Boden - der Glanz der Münnerstädter Zünfte " im Henneberg-Museum ist dienstags bis freitags von zehn bis 15 Uhr sowie samstags, sonntags und an Feiertagen von zwölf bis 17 Uhr geöffnet. Das Museum ist am 24., 25. und 31. Dezember, am 1. Januar 2020 sowie zwischen 7. Januar und 31. März 2020 geschlossen. Die Ausstellung läuft bis zum 3. Mai 2020.

    Dieter Britz

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