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    Münnerstadt

    Münnerstadts Maler Gerald Kriedner und seine provozierenden Werke

    Über das Leben und Schaffen des Münnerstädter Malers Gerald Kriedner (1940-2018) informiert das Henneberg-Museum in Münnerstadt noch bis zum 29. September. Das Selbstportrait - gemalt in Öl auf Holzplanken - stammt aus dem Jahr 1983.  Foto: Dr. Lukas Gerlich
    Über das Leben und Schaffen des Münnerstädter Malers Gerald Kriedner (1940-2018) informiert das Henneberg-Museum in Münnerstadt noch bis zum 29. September. Das Selbstportrait - gemalt in Öl auf Holzplanken - stammt aus dem Jahr 1983. Foto: Dr. Lukas Gerlich

    Gerald Kriedner. Das war und ist ein klarer Standpunkt. Ein Mann, der zu seinen Überzeugungen stand, und dies in seinen provozierenden Werken zeigte. Ein Großer in der Künstlerszene. Erst letztes Jahr ist der viele Jahre in Münnerstadt lebende Künstler gestorben. Das Henneberg-Museum widmet ihm noch bis 29. September eine Retrospektive. Realisiert werden konnte die Schau durch das Mitwirken der Museumsfreunde Münnerstadt e. V, heißt es in einer Pressemitteilung.

    Besucher entdecken in der Sonderausstellung einen ungewöhnlichen Menschen und Maler. Gerald Kriedner wurde 1940 in Maxen bei Dresden geboren. Auf handwerkliche Ausbildungen und Abitur (1954 -1965) folgten Kunstseminare und Kunstakademien in Duisburg und Düsseldorf. Hier wurde Kriedner vor allem als Schüler und Gasthörer von Joseph Beuys inspiriert.

    Ab 1990 freischaffender Künstler

    Sein künstlerisches Wissen gab Gerald Kriedner von 1970 bis 1990 als Kunsterzieher und Lehrer weiter. Ab 1990 war er als freischaffender Künstler tätig. In 35 Ausstellungen in Deutschland zeigte er seine Werke, darunter in Berlin, Dresden, im Rahmen der "Kunstachse Aisch" sowie in ganz Unterfranken. Kriedner hat einen Mauerabschnitt der Berliner East Side Gallery gestaltet und mit Christo zusammengearbeitet.

    Zu den Höhepunkten seiner imposanten internationalen Karriere zählte die Präsenz bei der Biennale in China. 2003 und 2010 war er dort als einer der sehr wenigen deutschen Vertreter. Weiterer Meilenstein war die Teilnahme am German American Chapter in Atlanta/USA (1997). Kriedners Werke waren darüber hinaus u. a. in Budapest, New York, Rom, Paris, San Francisco, Wien, Antwerpen und Tokio zu sehen. In vielen Galerien und Sammlungen weltweit sind seine Bilder dauerhaft installiert.

    Schaffensreiche Jahre in Münnerstadt

    Viele wichtige und schaffensreiche Jahre verbrachte Gerald Kriedner in Münnerstadt . Nicht nur deshalb würdigt ihn das Henneberg-Museum mit einer Sonderausstellung. Für die Schau haben Museumsleiter Nicolas Zenzen und Hartmut Hessel von den Museumsfreunden Münnerstadt Werke aus den unterschiedlichen Werkzyklen des Künstlers zusammengestellt, darunter die "Kultsüchte", der "Schweinezyklus", der "Mauerzyklus", "Umweltfolgen" und weitere. Die Exponate stammen aus seinem Nachlass, freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Bruder und der Schwägerin des Verstorbenen, Fritz und Gesine Kriedner, sowie aus dem Besitz der Stadt und aus privaten Leihgaben.

    Nicht nur in seiner Wahlheimat galt Kriedner als bunter Hund. Weltweit stand der Umsetzer, wie er sich selbst gerne nannte, für eine offensive Auseinandersetzung mit kultur- und gesellschaftskritischen Themen wie Selbstverliebtheit, Raffgier und Konsumwahnsinn. In drastischer Formen- und Farbensprache, mit Hilfe von Ironie, Persiflage und Deformation, provozieren seine Werke den Betrachter zur Auseinandersetzung. Im Gegensatz dazu stehen die Aquarelle, in denen meist die Landschaft der Rhön wiedergegeben ist. Kriedner selbst bezeichnete sie als "ästhetischen Balsam für die Seele".

    "... ich empfinde mich nicht als wissenschaftlichen Analytiker, sondern vielmehr als tätiges Individuum, das zunächst nur vor und für sich selbst mit dem "Finger" auf Unwägbarkeiten menschlichen Tun und Seins zeigt", führte Kriedner anlässlich der Eröffnung des Kunstraums Aschach im Jahr 2006 aus.

    Nüchtern erkennt er in seinen Ausführungen auch, dass sein malerisches Wirken Mensch und Welt nicht verändern werden. "Ein jeder beginnt bei 'tabula rasa', d.h. fängt von vorne an .... Erkenntnisse anderer sind bestenfalls Beschleuniger, Katalysatoren, für die sich bereits auf dem Weg Befindlichen... und dennoch lebe, wirke und male ich."

    Öffnungszeiten

    Die Schau ist Dienstag bis Freitag, von 10 bis 15 Uhr, geöffnet, Samstag, Sonntag und feiertags, von 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Führungen gibt es auf Anfrage. Weitere Infos: Henneberg-Museum Münnerstadt , Tel.: 09733/787 482, muennerstadt.de/freizeit-tourismus/museum/

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