• aktualisiert:

    Münnerstadt

    Musik war meine erste Liebe

    Das Jugendblasorchester der Stadt überzeugte die Zuhörer beim Saale-Musicum im Schlosshof, die John-Philipps-Bigband auch. Hartmut Hessel
    Das Jugendblasorchester der Stadt überzeugte die Zuhörer beim Saale-Musicum im Schlosshof, die John-Philipps-Bigband auch. Hartmut Hessel

    Ein beschaulicher Abend im Münnerstädter Deutschordensschloss, der konzertmäßig bestuhlt worden war, um als Beitrag zum regionalen Musikfestival Saalemusicum Leistungen vom Jugendblasorchester der städtischen Musikschule, sowie von der John Philipps Bigband des Johann-Philipp-von-Schönborn-Gymnasiums abzurufen. Die Stuhlreihen waren dann auch ziemlich vollzählig besetzt, was Musikschulleiter Thomas Reuß begeistert bemerkte, und weiter freute er sich "sind die Saalemusicum-Veranstaltungen im Schloss immer gut angenommen worden".

    In alten Uniformen

    Gewiss, das Jugendblasorchester hat derzeit einen Lauf. Neu entstanden aus alter Tradition, eingehüllt in die vor Jahrzehnten angeschafften Uniformen schafften es die Jungmusiker von Anfang an, dem musikalischen Reigen einen sehr zeitgemäßen Ausdruck zu verleihen. Zwar wird das junge Orchester derzeit noch von einigen Berufsjugendlichen musikalisch unterstützt, die sicherlich darauf warten, künftig einen Verdrängungswettbewerb zu verlieren.

    Gewonnen haben jedenfalls schon mal die jungen Menschen, die sich in der städtischen Musikschule ausbilden lassen und mit der Teilnahme am Orchesterprojekt sich die Kosten um die Hälfte reduzieren können. Das zeigt, dass sich die erste Liebe zur Musik auch über den Geldbeutel motivieren lässt - den der Eltern versteht sich.

    Mit einem Marsch zu Beginn und am Ende der Darbietung, nämlich dem "Coburger" und dem für "König Friedrich den Großen", setzt das Jugendblasorchester die Ausrufezeichen, mit denen man landläufig Blasmusik in erster Linie verbindet. Doch da ist noch viel dazwischen. Blasinstrumente sind neben den Trommeln die vorherrschenden Folkloreinstrumente. Das junge Orchester im Deutschordensschloss brachte mit drei Stücken afrikanischen Ursprungs, unter anderem die Nationalhymne der Republik Südafrikas, das Lebensgefühl des schwarzen Kontinents näher. Ebenso konnten die Musikanten das noch mit "Five Continents" sehr gut rüberbringen. Die Aussage der jungen Moderatorin Aurelia, dass bei Australien "die Kängurus zu hören seien", war amüsant, doch wer weiß schon im tiefen Franken, was die Tiere in freier Wildbahn für Töne von sich geben.

    Rockige Klänge

    Immer mehr, weil auch schon bald in der dritten Generation angekommen, werden entsprechend arrangierte Rockmusik-Stücke ins Blasmusikprogramm aufgenommen. Das Jugendblasorchester spielte akzentuiert mit der Frische des E-Bass, einem munteren Schlagzeug, signalgebenden Trompeten und Posaunen, sowie den etwas dumpfer melodisch klingenden Saxophonen den "Summernight Rock" und den "Rock Space". Mehrere Instrumente zu beherrschen und das auch noch vorzeigbar, dafür reicht die Liebe zur Musik manchmal nicht ganz. Felix Johannes jedoch schert aus der Reihe der Saxofonisten aus und bearbeitet zum Vergnügen des Publikums das Xylophon mit dem Stück "Erinnerung an den Zirkus Renz". Die Vielseitigkeitsprüfung hat er schon mal gewonnen. Die erklatschte Zugabe wurde auf Sonntag, den 14. Juli, vertröstet. Denn da ist das städtische Jugendblasorchester Mitwirkender beim Stadtfest "Musik & Märkte.

    "Die Bigband war bei den Übungszeiten schon mal auf wenige Teilnehmer geschrumpft gewesen, doch Joachim Schwigon zeigte sich zuversichtlich, dass es wieder besser wird". Dieser Hinweis von Thomas Reuß benennt die Schwierigkeiten, mit denen der tägliche Musikbetrieb in den Schulen umzugehen hat angesichts der Vielfalt, die jungen Menschen heute angeboten wird.

    Die Hoffnung hat sich ausgezahlt, eine Initiative, die vor über zwanzig Jahren von Bernd Hammer ins Leben gerufen wurde, ist mit der Unterstützung des Gymnasialchefs wieder ansehnlich und klanghörig geworden. Angst vor schwierigen Stücken kennt jugendliche Unbekümmertheit sowieso nicht. Sich mit Chick Corea´s "Spain" gleich in die Vollen des Jazz zu kegeln, zeigte hörbar den Versuch, dass Spielspaß und Können sehr gut harmonieren. So ging es bei den anderen Darbietungen weiter. Getragen von einigen "späten" Schülern spielte die Combo ein Beatles- Medley (Thomas. Reuß: "Beatles kennt doch jeder!" wirklich noch?)

    Musikerwunsch war es Stücke von Steve Perry ´s "Don´t Stop Believin´", von Justin Timberlake "Can´t Stop The Feeling" und von Bruno Mars "Forget you" zu spielen. Die "Unvergesslichkeit" fand sich erst in der Zugabe wieder. Der Abend begann in die Nacht überzugehen, E-Bassist und künftiger Tubaspieler Joachim Schwigon wurde Zuhörer in der ersten Reihe, und die Bigband holte bei ihm zum zweiten Mal in kurzer Zeit Tränen der Freude hervor.

    Er war bestimmt in diesen Minuten nicht der Einzige, denn John Phillipps Musiktruppe legte mit dem legendären Stück von John Mills aus dem Jahr 1976 "Music - was my first Love!" eine Stimmung über den Schlosshof, die Gänsehaut hervorrief. Bravo, insbesondere den Saxophon-Solisten Manuel Kleinhenz und Lina Kastl. "Liebe ist nur ein Wort", hieß einmal ein Buchtitel. Das Wort hat jetzt Klang bei der jungen Musik in Münnerstadt .

    Hartmut Hessel

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!